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In 24 Tagen um die Welt: 2. Dezember

02.12.2005 | 00:00 Uhr |

Hier ist es zu Hause – das stabile Hochdruckgebiet, das in unseren Breiten für sonnige Sommertage sorgt. Unsere 24-teilige Reise um den Globus führt uns heute auf die Azoren. Die Inselgruppe liegt zwischen alter und neuer Welt – ideal, um die Vorräte aufzufrischen.

Während heute irgendwo in unserem Sendegebiet mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine stabile Tiefdrucklage den zweiten Dezembertag verhagelt, hüpfen wir heute eine Zeitzone weiter – in den Atlantik. Und zwar zu den Azoren, die – wie der aufmerksame Leser noch von gestern weiß – auch einmal Heimstatt des Nullmeridians waren und Stützpunkt jener Hochdruckgebiete ist, die in Mitteleuropa bestes Sommerwetter versprechen. Bis zur Entdeckung Amerikas und der Erkenntnis, dass die Erde doch keine Scheibe ist, waren die neun Inseln der westliche Außenposten der bekannten Welt und bereits in der Antike bekannt – wenn auch dieses Wissen wie so vieles im Mittealter verschütt ging.

Weidelandschaft auf den Azoren
Vergrößern Weidelandschaft auf den Azoren

Für die Seefahrt ist die zu Portugal gehörende Inselgruppe ein Glücksfall, denn sie liegt für Fahrten nach Amerika ideal in der Passat-Zone und das fruchtbare Land kann genügend Nahrungsmittel produzieren für hungrige Matrosen – und dort ist die letzte Möglichkeit, um Süßwasser zu bunkern, bevor man die amerikanische Küste erreicht. Später, mit dem Aufkommen der Dampfschifffahrt, entwickelte sich Horta, der Hafen der Mittelinsel Faial, zum Versorgungsstützpunkt für Brennstoffe, das erste, funktionierende Überseekabel rückte Horta 1893 in den Mittelpunkt der alten und der neuen Welt, im Hafen landeten in den 1930er Jahren die ersten Transatlantik-Flüge, bis die USA auf ihrem Stützpunkt auf der Nachbarinsel Terceira 1943 ein Flugfeld in Betrieb nahmen.

Satellitenbild der Azoren
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Dabei sind die Azoren nicht das verträumte Inselparadies, für das viele den Archipel halten: Unter dem Meeresboden lauert Gefahr in Form von Aktivitäten in der Erdkruste. 1957 brach an der Küste von Faial die Erde auf, die anschließende Eruption formte den Vulkan Capelinhos. Die Vereinigten Staaten von Amerika boten daraufhin umzugswilligen Azoren-Bewohnern die unkomplizierte Einwanderung in die USA an. 1980 erschütterte ein schweres Beben die Insel Terceira und zerstörte dabei die mittlerweile von der UNESCO als Weltkulturerbe eingestufte Altstadt des Hauptortes Angra do Heroísmo, acht Jahre später ereignete sich ein weiteres Beben, bei dem zehn Menschen ihr Leben verloren.

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