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In-App-Käufe: App Store und Google Play im Visier von Regulierungsbehörden

15.04.2013 | 09:37 Uhr |

In Großbritannien schützen Verbraucher-Regulationen vor allem Kinder vor Nötigung oder Kaufzwang. Eine Verbraucherschutzbehörde will nun die Geschäftspraktiken von kostenlosen Internet-Spielen oder Apps genauer unter die Lupe nehmen.

Die britische Regulierungsbehörde OFT (Office of Fair Trading, Büro für fairen Handel) hat Ende letzter Woche eine sechsmonatige Untersuchung angekündigt, ob Kinder genötigt oder unfair unter Druck gesetzt werden, um in sogenannten kostenlosen Apps oder web-basierten Spielen kostenpflichtiges Zubehör zu erwerben. In einer Pressemitteilung hat OFT berichtet, die untersuchten Spielehersteller vorerst anonym zu halten. Auf Nachfrage der Kollegen bei Tech-Crunch hat OFT allerdings zugegeben, dass sowohl Apple als auch Google als Anbieter der beiden größten App Stores in die Untersuchungen einbezogen werden.

Auch wenn OFT nicht offiziell den Auslöser für diese Ermittlungen angibt, haben einige Fälle von In-App-Käufen durch Minderjährige in England die Schlagzeilen bestimmt. So hat ein Fünfjähriger innerhalb von nur 15 Minuten mit Zombies versus Ninja eine Rechnung von umgerechnet knapp 2000 Euro auflaufen lassen und eine Sechsjährige hat mit der My-Little-Pony-App in nur 30 Minuten In-App-Käufe von über 1050 Euro getätigt.

Ohne jetzt die Fahrlässigkeit von Eltern, die offensichtlich sowohl den Zugang zum Gerät als die auch Zahloptionen nicht gesichert haben, in Betracht zu ziehen, sind diese Vorfälle in Großbritannien durch Verbraucherschutz-Regulationen von 2008 ungesetzlich. OFT hat nun Spielehersteller angeschrieben, die kostenlose Apps oder Spiele im Internet anbieten, und um Informationen über das Vermarkten von In-App-Käufen an Kinder gebeten. Gleichzeitig wendet sich OFT auch an Eltern und Verbraucherschutzorganisationen und will alle Hinweise über irreführende Beschreibungen bis hin zu aggressiver Werbung in Spielen sammeln. Ziel sei, einen Überblick zu erstellen, welche Mechanismen und Verhalten in Spielen für Kinder eingesetzt werden und ob dabei die Verbraucherschutz-Regulationen gebrochen werden. Insbesondere will OFT überprüfen, ob die vollen Kosten für In-App-Käufe klar dargestellt werden und ob Kinder sich den Folgen bewusst sind, oder es etwa wie ein Teil des Spielens aussieht.

Ein Pressesprecher von OFT betonte, dass die Ergebnisse im Oktober 2013 veröffentlicht werden und danach, falls erforderlich, gesetzliche Maßnahmen eingeleitet werden. Ziel sei allerdings, mögliche Probleme bereits in den Gesprächen mit den großen Spieleanbietern zu beheben und nur im Notfall Gerichte einzuschalten. Zu den Untersuchungen zählen übrigens nicht nur In-App-Käufe, sondern auch Zugang zu nicht altersgerechtem Material, ob zum Beispiel eine Video-App von Anwendern generierte Inhalte kontrolliert.

Weder Apple noch Google haben auf Nachfrage von Tech-Crunch Kommentare abgegeben.

Die Richtlinien für Entwickler für Apps bei Google und Apple können jeweils auf den Webseiten eingesehen werden. Beide App-Läden erfordern, dass die App-Designer Verträge unterzeichnen und damit diese Richtlinien offiziell als bindend anerkennen. Beide Firmen haben in der Vergangenheit Apps, die gegen die Richtlinien verstoßen, abgelehnt oder aus ihrem Angebot entfernt. Während Apple die Entwickler bei jedem Update zur Einsicht der geltenden Richtlinien anmahnt, sieht Google das offenbar gelassener: Googles Webseite zeigt einen eher allgemeinen Text, wonach "Entwickler mit den Apps Anwender durch In-App-Angebote, Waren, Inhalte oder Funktionalitäten in die Irre leiten dürfen." Apple handelt den Zulassungsprozess zum App-Store viel straffer, erfordert detaillierte Zulassungsanträge und scheint mehr Wert auf klare Informationen zum Schutz von Kindern zu legen. Anfang April hat Apple auch die Altersfreigaben für Apps zu einer weniger ignorierbaren Position am Beginn der App-Information verschoben.

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