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In der Ferne surfen, lokal speichern: WebKit schreibt Daten auf die Festplatte

23.10.2007 | 13:13 Uhr |

Die Zukunft seien Web-Applikationen, meint nicht nur Steve Jobs. Google etwa bietet inzwischen fast ein ganzes Office-Paket online an und integriert darin mehr und mehr Bestandteile. Allerdings gibt es noch keine Standard-Technik, mit der solche Web-Applikationen Daten nicht nur im Internet, sondern auch auf dem lokalen Rechner abspeichern können.

Die Entwickler des WebKit wagen nun einen Vorstoß, obwohl noch keine Einigkeit über die Spezifikationen der zu Grunde liegenden HTML-Version 5.0 besteht. Damit regen sie nicht nur die Diskussion an, die neue Technik lässt sich auch gleich ausprobieren.

Zwei unterschiedliche Browser stellen eine Internetseite nur selten gleich dar, Schuld daran ist die unterschiedliche und nicht exakte Interpretation von Web-Standards. Entwickler müssen Seiten deshalb an einzelne Browser anpassen, bei der Verwendung eines anderen Browsers allerdings kann es zu Fehlinterpretationen des HTML-Code kommen und Seiten werden unlesbar. Um im World Wide Web die babylonische Sprachverwirrung so gering wie möglich zu halten, tagen regelmäßig verschiedene Gremien und Konsortien bemühen sich um branchenübergreifende Standards. Dennoch entstehen zukunftsweisende Entwicklungen meist schon lange, bevor solche Gremien sie überhaupt zu Gesicht bekommen. Die Web Hypertext Application Technology Working Group (Web Hypertext Application Technology Working Group) ist 2004 von Opera, Mozilla und Apple gegründet worden: Sie entwickelt Techniken für eine zukünftige HTML-Version 5.0, die sie dem standardisierenden Gremium W3C (World Wide Web Consortium) bereits als Ausgangspunkt für eine branchenübergreifende Weiterentwicklung vorgeschlagen hat. Jetzt ist eine Teil der HTML 5.0-Spezifikationen Wirklichkeit geworden, noch bevor er offiziell verabschiedet wurde: im WebKit, der HTML-Engine von Safari und weiteren Browsern. Das Entwicklerblog Surfin' Safari schreibt : "Ein Feature war so aufregend, dass wir es jetzt schon angepackt haben, obwohl die Spezifikationen noch nicht festgelegt sind: das Speichern in Datenbanken auf Clients." Die Open Source-Entwickler ndersca, xenon und bradeeoh haben in den letzten Wochen eine Programmierschnittstelle erarbeitet, über die Web-Anwendungen Daten strukturiert in eine SQL-Datenbank schreiben können. Solch eine Datenbank soll sich bald lokal auf jedem Heimrechner befinden. Der Vorteil: Komplexe Web-Applikationen wie Office-Anwendungen oder Mail-Clients können Daten lokal speichern und der Anwender kann auch auf sie zugreifen und damit arbeiten, wenn kein Internetzugang vorhanden ist - man denke nur an die aktuellen Unzulänglichkeiten der Web-Applikationen fürs iPhone. Wer sich für diese Technikinteressiert, kann sie bereits testen. Dazu sollte man sich einen aktuellen Nightly Build des WebKit herunterladen, man findet ihn auf einer eigens dafür eingerichteten Seite und er lässt sich problemlos parallel zu Safari installieren. Mit dem WebKit lässt sich das lokale Speichern einer oder mehrerre kleiner Notizen auf einer Beispielseite ausprobieren . Einsehen kann man gespeicherte Texte mit mit dem Web Inspector aus dem Debug-Menü. Wer kein solches Menü sieht, kann es im Terminal mit dem Befehl defaults write com.Apple.Safari IncludeDebugMenu 1 ein- und dem Befehl defaults write com.Apple.Safari IncludeDebugMenu 0 auch wieder ausblenden. Zwar sind die WebKit-Entwickler mit der experimentellen "client-side database storage"-Implementierung recht früh dran, doch auch andere arbeiten bereits mit Nachdruck an ähnlichen Techniken: Google bietet mit Gears eine Erweiterung für Firefox an, die ebenfalls die lokale Speicherung von Daten ermöglicht - auch am Mac. Und die Mozilla-Entwickler selbst haben vor, der kommenden Firefox-Version 3.0 das lokale Speichern von Daten zu ermöglichen ( wir berichteten ).

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