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Infineon sucht nach Alternativen

06.04.2001 | 00:00 Uhr |

Infineon setzt angesichts des
schwierigen Halbleitermarktes seine Hoffnungen in diesem Jahr auf
Chipkarten und Autoelektronik. «Wir sind zuversichtlich, dass wir in
diesen Bereichen unsere Umsätze und Margen gegenüber dem Vorjahr
deutlich steigern können», sagte Vorstandschef Ulrich Schumacher am
Freitag in Stuttgart auf der ersten Hauptversammlung der ehemaligen
Siemens-Sparte. Das Wachstum für mobile Kommunikation habe sich
hingegen deutlich abgeschwächt. «Prognosen für die weitere
Marktentwicklung sind hier derzeit schwierig», meinte Schumacher. Er
erwarte aber für den Mobilfunk und sowie für die Speicherprodukte im
PC-Markt in der zweiten Jahreshälfte wieder eine steigende Nachfrage.

Schumacher zog eine positive Bilanz für das junge Unternehmen:
«Infineon hat sich innerhalb von zwei Jahren von einem wenig
bekannten Geschäftsbereich der Siemens AG zu einem der schnellst
wachsenden weltweiten Top-Ten-Unternehmen der Halbleiterindustrie
entwickelt.» Der Aktienkurs habe seit dem Börsengang am 13. März 2000
besser abgeschnitten als die Papiere der Wettbewerber. Ein Sprecher
der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) sagte, er
habe bei der Ausgabe der Volksaktie «Warnhinweise» auf die starken
Schwankungen des Halbleitermarktes vermisst. Die Aktionäre hätten
angesichts der unsicheren Entwicklung für Technologiewerte inzwischen
«das Zittern gelernt».

Der Aktionärsvertreter kritisierte auch den neuen
Aktienoptionsplan, der auf der Hauptversammlung zur Abstimmung stand.
Mit der Senkung der Ausübungshürde auf 105 Prozent des Ausgabekurses
«beglückt sich das Management selbst». Stattdessen sollten sich die
Anstrengungen auf eine Steigerung des Kurses konzentrieren.
Schumacher betonte, dass der bisherige Optionsplan international
nicht konkurrenzfähig sei. Den Aktionären wurde auf der
Hauptversammlung die Auszahlung einer einmaligen Dividende in Höhe
von 0,65 Euro je Stückaktie vorgeschlagen. Der Infineon-Kurs stieg
bis zum Freitagmittag um 2,90 Prozent auf 43,00 Euro.

Schumacher sagte, Infineon werde auch in Zukunft auf den
Kommunikationsmarkt für Mobiltelefone sowie optische Netzwerke und
Internet-Zugang setzen. Bei Sicherheitssystemen wie zum Beispiel
Chipkarten sei Infineon Weltmarktführer, mit Halbleiter-Technologien
für Auto und Industrie die Nummer zwei. Das seit September kränkelnde
Geschäft mit Speicherchips blieb im ersten Quartal trotz Einbußen die
umsatzstärkste Sparte des Unternehmens.

Infineon steigerte seinen Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr
1999/2000 (30.9.) um 72 Prozent auf 7,28 Milliarden Euro (14,25 Mrd
DM). Von Oktober bis Dezember 2000 stiegen die Erlöse im Vergleich
zum Vorjahreszeitraum um 8 Prozent auf 1,66
Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) lag im
ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres bedingt durch
Sondereinnahmen bei 446 Millionen Euro. Das Unternehmen beschäftigt
derzeit mehr als 32 000 Mitarbeiter.

Auf der Hauptversammlung waren knapp drei Viertel des
stimmberechtigten Kapitals vertreten. Die Siemens AG hält noch 71
Prozent der Anteile.
dpa

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