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Informatik-Studium wird reformiert

21.06.2000 | 00:00 Uhr |

Bund und Länder haben sich über das 100-Millionen-
Mark teure Sonderprogramm zur Modernisierung des Informatik-Studium
in Deutschland verständigt. Wie Bundesbildungsministerin Edelgard
Bulmahn (SPD) am Dienstag in Berlin mitteilte, sollen dabei vor allem
kürzere Studiengänge geschaffen und die Betreuung der Studenten durch
Tutoren verbessert werden.

In Informatik brechen nach einer neuen Untersuchung bis zu 60
Prozent der Studenten das Studium vorzeitig ab. Auch sollen
Weiterbildungsangebote an den Hochschulen entwickelt werden.

Bulmahn kündigte weitere Hilfen des Bundes an, um das deutsche
Bildungssystem für das Computer-Zeitalter fit zu machen. Mit rund 400
Millionen Mark werde in den nächsten Jahren die Entwicklung von
spezieller Bildungs-Software unterstützt. 200 Millionen Mark seien
davon für die Digitalisierung der Hochschulbibliotheken vorgesehen.

In Informatik sollen neben neuen Studiengängen mit international
anerkannten Bachelor- oder Masterabschlüssen auch Modellversuche mit
Trimester- statt Semester-Studienabschnitten gefördert werden. Das in
der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung (BLK) beschlossene
Sonderprogramm ist auf fünf Jahre angelegt. Die Kosten teilen sich
Bund und Länder je zur Hälfte. Es soll bereits im Herbst starten.
Über die Zuteilung der Gelder an die Hochschulen entscheiden die
Länder.

Bulmahn erwartet, dass die Länder gleichzeitig ihre eigenen
Anstrengungen zum Ausbau des Informatik-Studiums fortsetzen und sich
ein Numerus clausus (NC) weitgehend vermeiden lässt. Derzeit gibt es
an 64 der insgesamt 220 Informatik-Studiengänge in Deutschland einen
NC. Vor allem Fachhochschulen sind davon betroffen. Mitte der 90er
Jahre waren die Studienplatz-Kapazitäten in Informatik nur zur Hälfte
ausgelastet. Seitdem kletterte die Zahl der Neueinschreibungen ins
erste Fachsemester von 12 936 (1995) auf 28 835 (1999).

Die Einstellung von indischen Computer-Spezialisten im Rahmen der
Green-Card-Aktion soll nach Bulmahns Worten «keine Einbahnstraße»
sein. Mit ihrem indischen Amtskollegen Murli Manohir Joshi
vereinbarte Bulmahn am Dienstag den gegenseitigen Austausch von mehr
Studenten und Nachwuchswissenschaftlern. Nur 50 junge Deutsche
studieren derzeit in Indien, umgekehrt absolvieren 900 Inder ein
Studium in der Bundesrepublik. Gemessen an China, dass derzeit 7 000
Studenten nach Deutschland geschickt habe, sei dies aus ihrer Sicht
viel zu wenig.

Die Green-Card-Debatte habe in Deutschland zu einer verstärkten
Wahrnehmung Indiens auch als Hochtechnologieland geführt, sagte
Bulmahn. Nach Angaben des Ministeriums liegen derzeit 800 Bewerbungen
von indischen Computer-Spezialisten vor. Der Großteil der gesuchten
20 000 ausländischen Fachkräfte wird aus dem Ländern des ehemaligen
Ostblocks erwartet.
dpa

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