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Qimonda-Pleite besiegelt - Investorensuche geht weiter

02.04.2009 | 11:27 Uhr |

Die Pleite des Speicherchipherstellers Qimonda mit zuletzt noch rund 3800 Beschäftigten in Deutschland ist besiegelt. Nach wochenlanger erfolgloser Investorensuche eröffnete das Amtsgericht München am Mittwoch offiziell das Insolvenzverfahren für die Infineon-Tochter, wie eine Gerichtssprecherin mitteilte.

Damit müssen rund 2450 Beschäftigte an den Standorten Dresden und München in Transfergesellschaften wechseln, denn ihr Anspruch auf Lohnfortzahlung im Rahmen des Insolvenzgeldes ist ausgelaufen. Zum Insolvenzverwalter wurde der Münchner Rechtsanwalt Michael Jaffé bestellt, der auch bereits als vorläufiger Verwalter fungiert hatte.

Er sucht nun weiter nach einem Investor für das Unternehmen: «Dr. Jaffé und sein Team führen weiterhin Gespräche mit potenziellen Interessenten», sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters. Die Eröffnung des Verfahrens betrifft neben der Qimonda AG in München auch die Qimonda Dresden GmbH & Co. OHG sowie die Qimonda Dresden Verwaltungsgesellschaft mbH, für die Insolvenzverwalter Oliver Schartl zuständig ist. Auch ein vorläufiger Gläubigerausschuss wurde eingesetzt. Bis 12. Juni sollen die Gläubiger nun ihre Forderungen schriftlich bei Jaffé anmelden, vier Tage später wird sich das Gericht dann mit den Ansprüchen befassen. Nach monatelangem Kampf gegen den Preisverfall bei Speicherchips hatte Qimonda im Januar Insolvenzantrag gestellt. Ursprünglich hatte das Unternehmen weltweit rund 12 000 Beschäftigte, davon 4600 in Deutschland an den Standorten Dresden und München. Nach jüngsten Einschätzungen aus Unternehmenskreisen bleiben Qimonda nun noch etwa zwei Monate für die Investorensuche.

In den vergangenen Wochen hatte das Unternehmen den Betrieb bereits weitgehend eingestellt. Denn nach der Verfahrenseröffnung müssen insolvente Unternehmen die Löhne und Gehälter der Beschäftigten wieder selbst bestreiten, was Qimonda aber nicht leisten kann. Von den ursprünglich rund 2700 Beschäftigten in Dresden sollen 575 vorerst weiterbeschäftigt werden, in München seien es 340 von 1100 Mitarbeitern, sagte Jaffés Sprecher. Die Kernmannschaften sollen sich vor allem um die Weiterentwicklung der neuen Produktionstechnologie mit der Bezeichnung Buried-Wordline kümmern, auf der bei Qimonda alle Hoffnungen ruhen, weil sie kräftige Produktivitätszuwächse verspricht.

Die übrigen Beschäftigten hatten das Angebot erhalten, in die Transfergesellschaften zu wechseln, die auf jeden Fall bis Mitte August laufen soll, wie der Sprecher des Insolvenzverwalters erklärte. Für den Wechsel entschieden sich in Dresden 1850 Beschäftigte und in München rund 600 Mitarbeiter. Je nach ihrem früheren Einkommen erhalten die Mitarbeiter in den Transfergesellschaften bis zu drei Viertel ihres letzten Nettolohns.

Zuletzt hatte der Sprecher Jaffés über Gespräche mit potenziellen Interessenten aus China und Taiwan berichtet. Der taiwanesische Halbleiterkonzern Taiwan Memory, der gerade aufgebaut wird, hatte sein Interesse an Qimonda bestätigt. Darüber hinaus führt Jaffé Gespräche mit dem chinesischen Staatsunternehmen Inspur, die am weitesten gediehen sein sollen. Zum neuesten Stand machte Jaffés Sprecher am Mittwoch keine Angaben. Auch einen Bericht der «Sächsischen Zeitung» (Mittwoch), wonach mehrere russische Interessenten abgewunken haben sollen, wollte er nicht kommentieren. Falls die Investorensuche scheitert, würde die Qimonda AG, die rechtlich mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens aufgelöst sei, voraussichtlich liquidiert, erklärte Jaffé. Die Aktionäre müssten in diesem Fall nach derzeitigem Stand damit rechnen, dass sie nach Abschluss des Verfahrens und Verteilung des Vermögens an die Gläubiger leer ausgehen. (dpa)

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