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Intel als Chance

16.06.2005 | 13:32 Uhr |

Den vergangene Woche angekündigten Wechsel Apples auf Intel-Prozessoren begreift Gravis-Vorstand Archibald Horlitz als „Chance für die Kunden“. Gerade Profis habe es mit den bis dato für Apple verfügbaren Prozessoren an Leistung gefehlt.

Macwelt-Talk MacExpo mit Archibald Horlitz
Vergrößern Macwelt-Talk MacExpo mit Archibald Horlitz

Horlitz beschrieb im Gespräch mit Macwelt-Chefredakteur Sebastian Hirsch auf der MacExpo in Köln die Reaktion des Publikums der Jobs-Keynote zur WWDC am Montag letzter Woche. Von „ungläubigem Staunen“ bis zu „verhaltenem Jubel“ hätten die Reaktionen der Entwickler gereicht. Es habe 48 Stunden gedauert, bis sich die Szene substantiviert mit der Nachricht beschäftigte. Richtig sauer sei keiner gewesen, beschrieb Horlitz, der am 6. Juni in der ersten Reihe des Moscone Centers gesessen hatte, das Ergebnis der Überlegungen. Nach überwiegender Entwicklermeinung habe Apple die richtige Entscheidung getroffen, es herrsche jetzt Klarheit über die Situation. Nur wenige Entwickler, die mit eigenen Frameworks hardwarenah programmieren, stünden vor größeren Herausforderungen bei der Portierung ihrer Software.

Noch vor einem Jahr hatte Steve Jobs versucht, die Entwicklergemeinde auf den G5 einzuschwören, die Geschichte des Mac sei jedoch voller Übergänge der Hardware und Software, so dass der Intel-Wechsel nur einen weiteren Meilenstein repräsentiere, aber keine vollkommene Abkehr. Apple habe Mac-OS X schon seit Jahren parallel für die PowerPC- und die Intel-Plattform entwickelt, den Power-PC werde der Mac-Hersteller nicht vollkommen aufgeben. Horlitz rechnet damit, dass auch in fünf Jahren das Mac-Betriebssystem den PowerPC unterstützen werde, wer sich heute einen neuen Mac kaufe brauche also wenig Sorgen zu haben. „In unserer innovativen Umgebung ist es ohnehin immer die falsche Zeit, neue Hardware zu kaufen, schon in einem halben Jahr gibt es etwas Neueres“. Niemand müsse heute eine Investition zurückstellen, weil 2007 alle Apple-Hardware auf Intel laufe. „Allenfalls Universitäten sollten sich Gedanken machen, wenn sie die Anschaffung eines G5-Clusters planen und zuvor mit Apple reden.“

Besonders professionellen Anwendern käme der Wechsel entgegen. Während der normale Anwender mit einem 1-GHz-G4 ausreichend bedient wäre, um zu surfen, Office zu nutzen und sich mit Apples iLife-Applikationen zu befassen, hätte gerade Profis aus den Bereichen Audio und Video unter Performance-Einbußen zu leiden. Intel biete mit seiner Roadmap eine Chance, diese Situation zu ändern.

Horlitz glaubt nicht, dass Apple darauf ziele, das Mac-OS X auf „beliebigen Aldi-PCs“ lauffähig zu machen. „Der große Vorteil Apples gegenüber Windows war immer, aufeinander abgestimmte Software und Hardware anbieten zu können. Mac-Anwender wollen im System nicht erst ihre Laufwerke anmelden müssen und dann den Bluescreen sehen, das ist Steinzeit.“ Microsoft müsse sich mehr darum kümmern, Windows auf vielerlei Hardware lauffähig zu halten, als das Betriebssystem innovativ weiter entwickeln zu können. „Apple ist da mindestens drei Jahre voraus.“ Allenfalls könne sich Horlitz vorstellen, dass die Jobs-Comapny ihr Wissen weitergeben würde, wenn ein großer Hardwarehersteller den OS-Lieferanten wechseln wolle. „Würde Dell ankündigen, in Zukunft Mac-OS X und nicht Windows zu installieren, wäre das der Hammer.“

Den kompletten Talk mit Archibal Horlitz veröffentlichen wir in Kürze in einem Podcast an dieser Stelle. Eine Bildergalerie zur Talkshow finden Sie hier .

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