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Internationale Typo-Konferenz 2007

04.07.2007 | 13:02 Uhr |

Seit 1995 findet unter dem Namen „Typo“ jährlich eine dreitägige Schriftenkonferenz in Berlin statt, auf der laut Süddeutscher Zeitung „Typografen und ihre Schriften wie Popstars gefeiert werden“. Dieses Jahr stand die Veranstaltung unter dem Motto „Music“: Egal, ob bei der Gestaltung von Plattencovern in Print oder digitaler Form, bei Markenzeichen bekannter Gruppen und Stars oder beim Thema Notensatz: Schriftsatz und Musik sind enger verbunden, als es zunächst scheint.

Die alljährlich in Berlin unter der Schirmherrschaft des Font-Shop stehende Typo- Konferenz ist eine Veranstaltung, die Gestalter, Typografen und Künstler einlädt, zu einem Thema weit gefasst zu referieren. Dabei reicht der Bogen an Präsentationen und Vorführungen von gezielter, fast wissenschaftlicher Auseinandersetzung bis hin zu experimentell-humoristischem Ansatz. Thema der diesjährigen Konferenz war „Music“.

Einig waren sich die Vortragenden darüber, dass eine Beziehung zwischen visueller und auditiver Kultur besteht, die in gestalterischen und typografischen Formen zum Ausdruck kommt. So gehören Musikgeschichte und Mediengeschichte auf untrennbare Weise zusammen, denn Musik zeichnet gesellschaftlichen Wandel auf, der sich in visuellen Trends wieder findet. Neben den typischen Vorträgen gab es auch eine Menge interessanter Performances und Musik-Events zu sehen deren Bezug zur Typografie auf den ersten Blick nicht offensichtlich ist.

Plattencover als Werbemittel

Steve Heller, Autor von über 100 Büchern über Design begründete als Co-Vorsitzender des MFA den Bereich „Design Criticism“ an der School of Visual Arts in New York .

Für die Typo-Konferenz 2007 referierte er über einen Künstler und Gestalter, dessen Einfluss auf die aktuelle Wahrnehmung von Musik außergewöhnlich groß ist. Alex Steinweiss gilt als Vater des Plattencover-Designs, da er vor rund einem halben Jahrhundert von Columbia Records mit der Arbeit betraut wurde, schnöde Papierhüllen, in denen Schellackplatten verkauft wurden, mit verkaufswirksamer Grafik zu versehen.

Cover in Print: Zunehmend änderte sich Steinweiss Gestaltungsansatz mehr in Richtung des abstrakten Expressionismus.
Vergrößern Cover in Print: Zunehmend änderte sich Steinweiss Gestaltungsansatz mehr in Richtung des abstrakten Expressionismus.

So genannte Schellackplatten wurden mit einer Geschwindigkeit von 76 Umdrehungen pro Minute abgespielt. Das hatte zur Folge, dass ein aufgezeichnetes Lied eine Dauer von exakt 3 Minuten hatte. Der Vertrieb von Schellackplatten fand in einfachen Verkaufsständern statt, die mit grafischen Elementen versehen waren. Die Platten selbst wurden in Papierhüllen verpackt, so genannte „Tombstones“. Einziger Informationsträger war das in der Mitte der Platte aufgeklebte Label. Die von Steinweiss entwickelten, quadratischen Designs wurden vollflächig auf die Papierhüllen aufgeklebt. Mit gestalteten Covern konnten erstmals Impulskäufe ausgelöst werden. Der Käufer sieht das Produkt und entscheidet spontan den Kauf. Das Ergebnis dieser Maßnahmen konnte sich sehen lassen: Die Verkaufszahlen gestalteter Platten stiegen manchmal auf bis zu 800 Prozent an.

Bei der Gestaltung der Grafiken ließ sich Steinweiss von den Arbeiten Lucien Bernhards beeinflussen. Ebenso bediente er sich konstruktiver Elemente des Bauhaus oder von De Stiil und es fand eine Anlehnung an die Modern Art statt.

Für seine Gestaltungen erstellte er kleine 3 x 3 Zoll messende Skizzen, die er nachträglich vergrößerte. Für jede Druckfarbe mussten damals passgenau Folien geschnitten und montiert werden.

Die nächste Revolution auf dem Musikmarkt wurde wieder von Steinweiss mitgeprägt. Techniker von Columbia entwickelten ein neues Tonträgerformat, die mit 33 Umdrehungen in der Minute langsamer drehende „Long Play“ Scheibe mit einer Spielzeit von 22 Minuten pro Seite. Für dieses Format sollte eine komplett neue Verpackungsform gefunden werden. Gemeinsam mit seinem Schwager, einem Verpackungsdrucker, entwickelte Steinweiss das Falt- und Konstruktionsprinzip der modernen Langspielplatte.

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