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Internet-Communities gewinnen immer mehr an Bedeutung

05.09.2000 | 00:00 Uhr |

Für viele seiner rund 16 Millionen Nutzer in
Deutschland ist das Internet schon fast zur zweiten Familie geworden.
Zunehmend wird es nicht bloß als Informations-, sondern auch als
Kontaktbörse für Gleichgesinnte genutzt. Zu diesem Zweck wurden
virtuelle Gemeinschaften erschaffen, so genannte Internet-
Communities.

Besonders für die Werbebranche sind diese Gemeinden
hochinteressant, denn dort finden sie Menschen mit gleichen
Interessen, eine homogene Zielgruppe. Das wiederum erleichtert eine
gezielte Ansprache - Werbung der Zukunft.

Mit einem Umsatz von 150 Millionen Mark im vergangenen Jahr sieht
Volker Nickel, Geschäftsführer des Zentralverbandes der deutschen
Werbewirtschaft, den Bereich Online-Werbung zurzeit zwar noch als
Nische. Doch bereits für dieses Jahr werde mit Steigerungsraten von
200 bis 300 Prozent gerechnet. Die Communities würden dabei eine
große Rolle spielen. Nickel: «Diese personalisierte Werbung wird
weiter zunehmen». Der Grund: Um Werbung so individuell wie möglich zu
gestalten, brauchen die Agenturen möglichst genaue Daten über die
Zielgruppe.

Hierbei hilft die Web-Community: In der Regel wird der User
aufgefordert, bei der Anmeldung einen «persönlichen Steckbrief» mit
oft umfangreichen Angaben zur eigenen Person zu erstellen. Ein etwas
anderes Konzept verfolgt «Cycosmos» - mit rund 350 000 Mitgliedern
eine der größten deutschsprachigen Communities. Dort erstellt das
neue Mitglied gleich eine eigene virtuelle Persönlichkeit. «Unsere
Mitglieder erschaffen meist einen digitalen Doppelgänger, denn sonst
würde es schnell langweilig», sagt Cycosmos-Sprecher Gunnar Sohn.

Einen anderen Weg geht die Düsseldorfer Online-Media-Agentur
«planetactive» mit ihrer Community. Dort machen neue Mitglieder einen
Psychotest, der eine Grob-Kategorisierung in bestimmte Lifestyle-
Typen ermöglichen soll. «Wir arbeiten an einer weiteren
Verfeinerung», sagt Matthias Kurwig, Geschäftsführer von
«planetactive». Eine weitere Neuerung sei eine monatliche Chat-
Talkshow mit einem Prominenten, an der alle Mitglieder teilnehmen
können. Kurwig: «Mit Bild und Ton sollen diese Talkshows künftig auch
Image-Werbung transportieren.»

Für die Anmeldung bei «ciao.com», einer Verbraucher-Community,
ist indessen nur ein Spitzname und eine E-Mail-Adresse erforderlich.
In so genannten Erfahrungsberichten beschreiben die Mitglieder
Produkte oder Dienstleistungen. «Da wird schnell klar, wer welche
Interessen hat», sagt Franziska Deecke, Sprecherin von «ciao.com».
Die europaweite Gemeinschaft zählt nach eigenen Angaben allein in
Deutschland rund 200 000 Mitglieder.

«Den gläsernen Verbraucher halte ich trotzdem für nicht möglich,
es sei denn der Konsument gibt sein Einverständnis» sagt Nickel, der
auch Sprecher des Deutschen Werberates ist. Durch das vorbildliche
deutsche Datenschutz-Recht sei die Weitergabe persönlicher Daten
sogar strafbar. «Außerdem schaut die Konkurrenz mit Argusaugen auf
jeden Verstoß», sagt Bernd Michael, Geschäftsführer der Grey-
Werbegruppe in Düsseldorf.

Trotzdem rät Helga Zander-Hayat von der Verbraucherzentrale NRW
den Internet-Nutzern, nur seriösen Anbietern persönliche Daten
anzuvertrauen: «Grundsätzlich sollte man die Datenschutzpassage in
den Allgemeinen Geschäftsbedingungen prüfen und dann so wenig Daten
wie möglich preisgeben». Bei Verstößen empfiehlt sie, sich an einen
der Datenschutzbeauftragten der Länder zu wenden.
dpa

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