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Internet-Jobbörsen helfen qualifizierten Bewerber

15.03.2002 | 11:24 Uhr |

Wer sich bei der Jobsuche nicht allein auf den Gang zum Arbeitsamt verlassen will, kann auch das Internet nutzen. Nach Schätzung des Verbands der deutschen Internetwirtschaft gibt es in Deutschland rund 150 Jobbörsen im Netz. "In fünf Jahren werden rund 50 Prozent aller qualifizierten Arbeitsplätze via Internet besetzt werden", sagt der Verbands-Geschäftsführer Harald A. Summa. "Die Jobbörsen werden von der Krise um das Arbeitsamt profitieren."

Das Spektrum der Online-Stellen wächst: Standen zunächst vor allem Berufe aus der Informationstechnologie im Vordergrund, gehören inzwischen auch Angebote für Sekretärinnen und Manager dazu. Vor allem qualifizierte Bewerber haben Chancen. Für Arbeitssuchende ist das Surfen über Jobangebote und Tipps zum Schreiben einer Bewerbung in der Regel kostenlos. Ihren Umsatz erwirtschaften die Online- Anbieter unter anderem mit Anzeigen und Bewerberdatenbanken.

67 Prozent der Berufstätigen greifen laut einer Emnid-Umfrage im Auftrag der Online-Stellenbörse jobware nach wie vor zur Zeitung, um dort die Anzeigen zu studieren. 53 Prozent nutzten den Arbeitsmarkt im Internet, bei der vorangegangenen Untersuchung 2000/2001 waren es erst 45 Prozent. Neben zahlreichen kleinen Jobbörsen, die sich häufig auf bestimmte Berufe spezialisiert haben, gibt es auf dem deutschen Markt eine Hand voll großer Anbieter.

Die deutsche Stellenbörse Monster, im Juni 2000 als Tochter des US-Personaldienstleisters TMP Worldwide gegründet, beschäftigt 80 Mitarbeiter und versteht sich als interaktives Karriereportal. "Die Bundesanstalt für Arbeit ist nicht unser Wettbewerber, wir haben eine andere Zielgruppe. Bei uns müssen die Unternehmer bezahlen für unsere Dienste", sagt Geschäftsführer Gunther Batzke. "Wir begrüßen die gegenwärtige Diskussion, weil sie mehr Aufmerksamkeit auf die privaten Vermittler lenkt."

Bewerber können ihren Lebenslauf hinterlegen, bei einer passenden Stelle wird der Kandidat per E-Mail benachrichtigt. Unternehmen schalten bei Monster Stellenanzeigen, außerdem können sie kostenpflichtig in der Bewerberdatenbank suchen. Nach eigenen Angaben sind rund 450 000 Bewerber registriert, weltweit werden rund eine Million Jobs angeboten - rund 8 000 in Deutschland. jobpilot hat rund 165 000 Kandidaten gespeichert. Bei StepStone lassen sich 110 000 Nutzer per Job-Agent informieren, weitere rund 70 000 haben ihren Lebenslauf anonym hinterlegt. Auch jobpilot und StepStone verstehen sich nicht als bloßes Schwarzes Brett für Stellenanzeigen, sondern als Portal mit Informationen rund um Job und Karriere.

An vielen Jobbörsen ist die Wirtschaftsflaute nicht spurlos vorübergegangen: Konnte jobpilot im Februar 2001 in Deutschland rund 85 000 Stellen auf seinen Seiten bieten, waren es ein Jahr später noch etwa 39 000. Auch StepStone musste im Januar dieses Jahres im Vergleich zu 2001 einen Einbruch um die Hälfte auf zirka 10 000 Anzeigen hinnehmen. Wie erfolgreich die Online-Stellenmärkte bei der Vermittlung sind, können die Unternehmen nicht sagen. "Wir verstehen uns als Plattform, bekommen aber weder von Bewerbern noch Unternehmern Rückmeldungen", sagt Monster-Geschäftsführer Batzke.

Der Hamburger Kosmetikkonzern Beiersdorf nutzt bei der Suche nach geeignetem Personal ebenfalls das Internet. Jeder Job, der mit einem externen Bewerber besetzt werden soll, steht auf der Homepage und wird meistens auch über eine Jobbörse ausgeschrieben. "Das hängt immer auch von der Zielgruppe ab. Generell kann man aber sagen, dass die Bewerbersuche übers Internet deutlich zunimmt", sagt Helmuth Schöning, Geschäftsführer der HSG Bewerbermanagement GmbH, die im Auftrag von Beiersdorf arbeitet.

Auch die in die Kritik geratene Bundesanstalt für Arbeit will ihren Auftritt im Internet ausbauen. Bis Mitte beziehungsweise Ende des Jahres soll eine besondere Software Bewerber benachrichtigen, wenn eine passende Stelle in Aussicht ist. Auch Unternehmen können einen solchen Job-Agenten einsetzen. Im Jahr 2003 soll es voraussichtlich ein Arbeitsmarktportal geben, in dem die Angebote des Arbeitsamts mit denen von privaten Jobbörsen verglichen und in einer Datenbank gesammelt werden. "Eine Suchmaske soll sofort ein Ergebnis bringen, entweder über das Arbeitsamt oder eine private Jobbörse. Derjenige der eine Stelle sucht, soll Erfolg haben, nur darauf kommt es an", sagt Udo Glantschnig, Referatsleiter Onlinedienste bei der Bundesanstalt für Arbeit. dpa

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