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Internet-Offensive der Bundesregierung

10.08.2000 | 00:00 Uhr |

Auf rund 80 Milliarden Mark schätzt die Bundesregierung die Kosten, will man jeden der 10 Millionen Schüler in Deutschland mit einem eigenem tragbaren Computer ausstatten. Wirtschaft und Staat seien gleichermaßen gefordert.

Jeder der zehn Millionen Schüler in Deutschland
soll möglichst bis zum Jahr 2006 über ein eigenes Laptop verfügen.
Bundbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) kündigte dazu neue
Partnerschafts-Initiativen von Wirtschaft und Staat an.

Die Städte und Kreise als Schulträger könnten die auf 80
Milliarden Mark geschätzten Kosten allein nicht aufbringen. Zugleich
will die Bundesregierung prüfen, wieweit Eltern die Anschaffung von
Schüler-Laptops künftig als Sonderausgabe von der Steuer absetzen
können, sagte die Ministerin am Mittwoch vor der Presse in Berlin.

Bulmahn legte einen Stufenplan für eine große Internet-Offensive
an den Schulen vor: Bis Ende 2001 soll jede der 44 000 deutschen
Schulen einen Internet-Anschluss haben. Dies werde durch das Angebot
der Telekom möglich. Derzeit sind nach einer Übersicht des
Ministeriums erst 12 000 Schulen am Netz. Pro Schule soll mindestens
ein Klassenraum mit mehreren Computern ausgestattet sein. In einem
zweiten Schritt soll dann jede Klasse mehrere PCs erhalten. Auf Dauer
soll jeder Schüler einen eigenen Laptop bekommen, den er auch mit
nach Hause nehmen kann.

Wie Lehrbuch und Overhaed-Projektor würden Computer und Internet
in der Schule bald unverzichtbar, meinte die Bundbildungsministerin.
Dabei dürfe niemand ausgeschlossen werden. Wie bei der
Lehrmittelfreiheit müsse garantiert werden, dass auch die Kinder
ärmerer Familien einen Laptop als Arbeitsmittel erhalten.

Bulmahns Computer-Schulplan ist Teil der großen Internet-Offensive
der Bundesregierung, bei der alle Bevölkerungsschichten mit der
Nutzung der Neuen Medien vertraut gemacht werden sollen, auch
Senioren und junge Frauen, erläuterte die Ministerin. Eine Teilung
der Gesellschaft in «Angeschlossene und Ausgeschlossene» dürfe es
nicht geben. Bis 2004 will die Bundesregierung für begleitende
Maßnahmen und für Weiterbildung rund 750 Millionen Mark investieren.
Vor allem die in der «D 21»-Zukunftsinitiative zusammengeschlossenen
90 Unternehmen wollten ihre Anstrengungen weiter verstärken.

Bei der Entwicklung von Computer-Bildungs-Programmen wird die
Bundesrepublik nach Bulmahns Worten auf dem Weltmarkt künftig einen
Spitzenplatz einnehmen. Dafür fördere der Bund entsprechende
Modellprojekte. Zehn Fachhochschulen wollen jetzt gemeinsam virtuelle
Modell-Studiengänge in Wirtschafts-Informatik aufbauen. Auch dies
werde vom Bund unterstützt. Mit einer digitalen Bibliothek solle
zudem die Vernetzung der verschiedenen Informations-Systeme
vorangebracht werden.

Um den Fachkräftebedarf der Computerbranche zu decken, soll nicht
nur das Informatik-Studienangebot erweitert werden. Die Zahl der
betrieblichen Ausbildungsplätze in diesem Bereich werde bis Ende
dieses Jahres auf knapp 30 000 gesteigert - von 14 000 im vergangenem
Jahr. Bis 2003 will die Branche nach den Absprachen mit der
Bundesregierung die Zahl seiner Lehrstellen auf 60 000 steigern.

Zu jüngsten Streit um die Computer-Fortbildung der Lehrer sagte
Bulmahn, jeder Pädagoge müsse künftig mit dem PC arbeiten können. Die
Länder böten bereits heute eine Reihe von Fortbildungskurse an, auch
wärend der Schulferien. Diese würden von den Lehrern auch angenommen.
dpa

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