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Internet-Übertragung von Exekution verboten

20.04.2001 | 00:00 Uhr |

Eine amerikanische Internetfirma will im Kampf
um die Online-Übertragung der Hinrichtung des Oklahoma-City-
Attentäters Timothy McVeigh nicht aufgeben. Nach der Entscheidung
eines Richters, die Ausstrahlung zu verbieten, kündigte die
Entertainment Network Inc Berufung gegen das Urteil an. Die
Öffentlichkeit habe ein Recht darauf, dieses Ereignis von großer
Tragweite zu sehen, sagte der Chef des Unternehmens, David Marshlack,
am Donnerstag (Ortszeit) in Tampa im US-Bundesstaat Florida. Auch in
Deutschland hatten Internet-Portale an der Übernahme der Übertragung
Interesse angemeldet. McVeigh soll am 16. Mai in Terre Haute in
Indiana mit der Giftspritze getötet werden.

Bundesrichter John Tinder hatte am Mittwoch entschieden, es
handele sich um sensationsheischende Berichterstattung, die die
Ordnung des Justizwesens bedrohen könne. Das Unternehmen, das mit
voyeuristischen Webseiten Geld macht, wollte den Zuschauern 1,95
Dollar (etwas mehr als vier Mark) für die Übertragung in Rechnung
stellen. Das Geld sollte den Opfern und Überlebenden des Anschlags
von 1995 zugute kommen. Bei dem Bombenanschlag auf das Bundesgebäude
in Oklahoma City waren 168 Menschen ums Leben gekommen.

Die zehn Zeugen, die bei der Hinrichtung direkt dabei sein können,
wurden am Donnerstag per Lotterie ausgewählt. Das Justizministerium
hielt ihre Namen unter Verschluss. Erstmals in der US-
Rechtsgeschichte wird die Hinrichtung für Überlebende und Angehörige
der Opfer in einen Raum im Gefängnis in Oklahoma-City übertragen.
Dabei sind weder Video- noch Kassettenrecorder oder Mobiltelefone
erlaubt, teilte das Justizministerium mit. Rund 285 Überlebende und
Angehörige hatten sich für diese Übertragung eingesetzt.
dpa

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