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Internet-World will Optimismus verbreiten

14.05.2001 | 00:00 Uhr |

Ein Jahr ist eine lange Zeit - erst recht für die
Jungunternehmer der New Economy. Zwölf Monate ist es her, da ließ die
Pleite des britischen Online-Modehauses boo.com an den Messeständen
der Internet World erste Zweifel am unbegrenzten Höhenflug der
Onlinebranche aufkommen. In dieser Woche treffen sich die Manager,
Screendesigner und Programmierer wieder auf Europas größter
Internetmesse in Berlin und sprechen sich angesichts der weltweiten
High-Tech-Krise Mut zu. Pleiten und Kurseinbrüche, Entlassungen in
den Tüftlerstuben, Betrügereien und sogar die Verhaftungen einiger
Firmenchefs hat die Branche hinter sich - das schlägt aufs Gemüt.

«Man heult immer noch», beschreibt Harald Summa, Geschäftsführer
des Verbands der deutschen Internet-Wirtschaft die Stimmung. Nachdem
in den vergangenen Jahren kräftig in die Informationstechnologie
investiert wurde, seien die Aufträge spürbar zurückgegangen, die IT-
Firmen nicht mehr voll ausgelastet und unter Kostendruck. Große
Computerhersteller wie Cisco, Compaq und Hewlett-Packard streichen
deshalb genauso Stellen wie die einstigen Höhenflieger Pixelpark oder
Intershop. Die Talfahrt werde noch eine Weile dauern, meint Summa,
dessen Verband 250 Internetfirmen vertritt.

Dennoch hat sich die Zahl der Aussteller auf der Internet World
mit rund 1000 fast verdoppelt. Im fünften Jahr ihres Bestehens hat
sich die Messe, die Wirtschaftsminister Werner Müller am Dienstag
eröffnen wird, zu einer festen Institution für Kontaktpflege und
Marktbeobachtung gemausert. 70 000 Besucher werden erwartet. 1997
waren es gerade einmal 5 000.

Anders als die bedeutendere CEBIT in Hannover oder die Systems in
München glauben kleinere Unternehmen, auf der spezialisierteren
Berliner Veranstaltung weniger in der Masse der Großen unterzugehen,
auch wenn gerade diese nach Abstinenz im vergangenen Jahr wieder
zurückkehren. Der Veranstalter ComMunic GmbH wirbt mit der Präsenz
von IBM, Microsoft, Sun Microsystems oder T-Online.

Einige kleine Start ups haben ihr Kommen wegen der Internet-Krise
abgesagt. Der Gründer-Salon für die jüngsten der Internetfirmen ist
dennoch bis auf den letzten Platz ausgebucht, denn auf der Internet
World (15. bis 17. Mai) findet auch so mancher den Finanzier für die
nächsten Monate oder Jahre. «In den drei Tagen haben wir locker
einige hundert Kontakte», sagt der Sprecher des Risikokapitalgebers
bmp, Thomas Blees. «Für uns hat die Krise den Vorteil, dass die
Preise für Beteiligungen rapide nach unten gegangen sind.» Verglichen
früheren Jahren sind auch die Finanziers sparsamer.

Bestrebt um mehr Wirtschaftlichkeit steht nach Meinung Summas
diesmal vor allem die Integration bestehender Produkte im Mittelpunkt
des Interesses. Infrastruktur-Lösungen für Online-Inhalte, neue
Geschäftsmöglichkeiten mit dem Bezahlen übers Handy, die
Vernetzungstechnologie Bluetooth, aber auch die Sicherheit im
weltweiten Datennetz sind wichtige Themen der Messe.

Erstmals findet parallel die «Streaming Media» statt, auf der
Unternehmen das Internet-Fernsehen der Zukunft zeigen können. Eine
der großen Entwicklungen in den kommenden Jahren - wenn man den
Dienstleistern der Branche Glauben schenken kann.
dpa

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