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'Internet gefährdet Arzneimittelversorgung'

06.10.2004 | 10:57 Uhr |

Europas größter Pharmahändler Celesio aus Stuttgart sieht durch den Internet-Handel mit Medikamenten und damit einhergehenden Dumping-Preisen die Arzneimittelversorgung in der Bundesrepublik gefährdet.

Der Vorstandsvorsitzende der Celesio AG, Fritz Oesterle, sagte am Mittwoch in einem dpa-Gespräch: "Preis-Dumping bei Medikamenten ist der Anfang vom Ende einer flächendeckenden Versorgung mit allen Arzneimitteln in Deutschland."
Oesterle rechnet damit, dass sich der Gesundheitsmarkt gegenüber dem Vorjahr weiter beleben wird. Für Celesio erwartet er in diesem Jahr ein Wachstum in lokaler Währung von fünf Prozent. Im Apothekengeschäft will Celesio stärker als der vergleichbare Markt wachsen. In Deutschland darf Celesio keine eigenen Apotheken haben. Daher steht für Oesterle der Ausbau des bestehenden Apothekengeschäfts in Irland, Belgien und Holland auf dem Plan.

Oesterle appellierte an die Politik, sofort gesetzlich klar zu stellen, dass das, was für die Apotheke vor Ort gilt, auch für jede Versandapotheke zu gelten habe: nämlich einheitliche und verbindliche Arzneimittelpreise, auch für Medikamente aus dem Ausland.
Nach einer Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamm sollen rezeptpflichtige Arzneimittel über den ausländischen Versandhandel billiger als von inländischen Apotheken vertrieben werden dürfen. Oesterle hält diese Entscheidung für falsch. "Die Apotheke in kleinen Städten und im ländlichen Raum überlebt nämlich nur, wenn sie nicht nur in Notfällen als Lückenbüßer recht ist, sondern wenn sie auch den regelmäßigen Arzneimittelbedarf in ihrem lokalen Einzugsgebiet befriedigen kann", sagte der Celesio-Chef. Er fügte hinzu: "Dieses Geschäft darf den Apotheken wegen der Dumping-Preise einer Versandapotheke nicht verloren gehen". Oesterle zeichnete ein düsteres Szenario: "Der eine oder andere, der dann mangels Apotheke in der Arzneimittel-Diaspora lebt, wird nicht überleben, wenn er ein lebensnotwendiges Medikament nicht oder nicht rechtzeitig bekommt".
Celesio ist in elf europäischen Ländern aktiv und betreibt in sieben Ländern 1862 eigene Apotheken. Europaweit arbeiten derzeit rund 25 000 Menschen für den Konzern. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 18,5 Milliarden Euro.

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