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Internet in der Schule: Ergängzung statt Alternative

16.06.2004 | 10:24 Uhr |

Für viele Jungen und Mädchen ist das Internet zum ständigen Begleiter geworden - auch wenn es um das Lernen und die Vorbereitung von Klausuren in der Schule geht.

Doch angesichts der unüberschaubaren Menge an Inhalten gleicht die Suche nach Informationen zu bestimmten Themen jener nach der Stecknadel im Heuhaufen. Zudem wird die Gefahr, Anbietern aufzusitzen, die für die Nutzung ihrer Angebote horrende Beträge verlangen, immer größer. Wer das Internet für die Schule nutzen will, muss daher in doppelter Hinsicht auf Draht sein - und hin und wieder auch ein vermeintlich altmodisches Lehrbuch in die Hand nehmen.

"Für viele ist es schwer, passende Seiten für ihre Aufgaben zu finden, da die Zahl der Anbieter ständig zunimmt", sagt Gabi Becker von der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Sie betreut mit ihren Kollegen das Projekt "Internet-ABC". Wichtig sei es, das bearbeitete Thema so weit wie möglich einzugrenzen. "Wer sich für ein Biologie-Referat darüber informieren will, wie Robben ihre Jungen aufziehen, sollte nicht nur den Begriff "Robben" in die Suchmaschine eingeben, sondern auch zusätzliche Begriffe, die das Themengebiet beinhaltet." So komme der Suchende mit den Begriffen "Robben", "Junge" und "Aufzucht" der Sache schon näher.

"Die angeklickten Internetseiten müssen klar verständlich sein", sagt Becker. So genanntes Fach-Chinesisch helfe beim Lernen nicht weiter und sei auch in Referaten nicht angebracht - auch wenn es vielleicht zunächst professionell klingt, viele Fremdwörter in einen Text eingebaut zu haben.

Wer unter den Informationen jedoch mit einzelnen Wörtern nichts anfangen kann, braucht nicht mit dem Lesen aufzuhören: In solchen Fällen lohnt es sich, ein Lexikon zur Hand zu nehmen und nachzuschlagen. Dieses möglicherweise altmodisch erscheinende Vorgehen verhindert laut Becker zugleich, das im Internet Gelesenes einfach abgeschrieben wird - der Lerneffekt dabei sei gleich null.

Auch Erwin Seidel, Lehrer aus Dresden, hält das Lernen mit Hilfe des Internets nur für sinnvoll, wenn zusätzlich weiterhin Schulbücher und Lexika genutzt werden: "Wer seine Recherche-Ergebnisse aus dem Netz mit denen aus Nachschlagewerken vergleicht und alles in eigenen Worten zusammenfasst, hat in einem Referat die besten Chancen auf eine gute Note." Besondere Vorsicht ist geboten, wenn im Netz gefundene Arbeiten anderer Schüler genutzt werden. Diese enthalten nach Seidels Worten nicht selten Fehler. "So passiert es oft, dass falsche Informationen übernommen werden."

Doch das ist nicht das einzige Risiko von Schülern, die das Netz als Hilfe für die Schularbeit nutzen: Wenn sie auf zweifelhafte Homepages geraten, ist schnell eine Menge Geld verloren. "Unseriöse Anbieter entdecken immer neue Methoden, mit denen sie die Nutzer abzocken können", weiß Dagmar Kerschbaumer von der Kampagne "SaferInternet" der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur in Bielefeld.

Der Nepp funktioniert laut Kerschbaumer oft folgendermaßen: "Ehe die Jungs und Mädchen Zugang zu den Webinhalten haben, müssen sie sich das Einverständnis für das Herunterladen und Einrichten von Anwählprogrammen, so genannten Dialern, holen. Das Okay ist schnell geklickt, und schon klingelt bei den Anbietern die Kasse." Denn nach der Installation eines Dialer-Programmes kostet das weitere Surfen pro Minute häufig bis zu 1,86 Euro.

Manche Anbieter verlangen für die Nutzung ihrer Seiten auch hohe Pauschalbeiträge. Zwar müssen sie über diese Auskunft geben, doch die Preisinformationen sind oft sehr gut versteckt. Die Abzocker wissen, dass sich viele Jungen und Mädchen über diese Kostenfalle nicht bewusst sind. "Die Ahnungslosigkeit wird schamlos ausgenutzt", sagt Gabriele Emmrich von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt in Halle.

Selbst wer eine bestimmte Hausaufgaben- oder Referate-Homepage seit längerem nutzt und nie eine teure Überraschung erlebt hat, ist nicht vor einer hohen Rechnung sicher: "Auch Seiten, die vor einiger Zeit noch gratis nutzbar waren, kosten inzwischen Geld", warnt Dagmar Kerschbaumer. Daher müsse grundsätzlich ganz genau hingesehen werde: "Es ist wichtig, vorher das Kleingedruckte zu lesen. Die Preisangaben stehen oft gut versteckt am Rand oder im Fließtext."

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