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Internet ist nicht kindersicher

29.01.2004 | 11:16 Uhr |

Heftig wurde noch vor Jahren gestritten, wie Kinder vor den Gefahren des Fernsehens geschützt werden können. Heute denkt mancher fast mit nostalgischen Gefühlen an solche Diskussionen zurück.

Das Internet hat alles, was der Kinderseele schaden kann, per Mausklick verfügbar gemacht, und wirksamen Schutz gibt es kaum. «Kinder surfen in immer jüngeren Jahren immer öfter unkontrolliert im Internet», warnt das Deutsche Kinderhilfswerk mit Sitz in Berlin. «Gleichzeitig stagniert jedoch das Angebot an kindgerechten Seiten.»

Um auf das Problem der Internetsicherheit für Kinder aufmerksam zu machen, hat die Kampagne SaferInternet, gefördert von der Europäischen Union und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, jetzt erstmalig den «Safer Internet Day» ausgerufen. Am 6. Februar finden europaweit Aktionen statt. So können Kinder per E-Mail Fragen zum Internet stellen. Außerdem werden Poster prämiert, auf denen Kinder im Vorfeld «nervige Dinge des Internets» gestalterisch umsetzen konnten, wie es bei den Organisatoren heißt.

«Nervige Dinge» gibt es im Internet viele. So befinde sich zum Beispiel auf der Internetseite des Providers T-Online der Link zum kostenpflichtigen Kinderangebot kurz unterhalb des Verweises auf die Erotiksparte, moniert das Kinderhilfswerk. Wer bei der Suchmaschine Google die Begriffe «Manga» und «kostenlos» eingebe, erhalte fast nur Treffer, die zu pornografischen Abarten des japanischen Comics führen. «Auch große Unternehmen bekleckern sich nicht mit Ruhm», klagt Dirk Höschen vom Kinderhilfswerk. «Überall wird für Klingeltöne oder Handylogos geworben, deren Nutzung mit Kosten verbunden ist.»

Eltern haben keine Ahnung

Nach einer Studie surfen bereits 60 Prozent der Kinder im Alter von 6 bis 13 Jahren zumindest gelegentlich durchs Internet. Gerade in diesem Alter sind sie auf die Hilfe ihrer Eltern bei der Einschätzung der Angebote angewiesen. «Die meisten Eltern haben aber überhaupt keine Ahnung, was ihre Kinder im Netz so treiben», weiß Sabine Frank von der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia (FSM) in Berlin. Viele stellen ihren Kindern einen ausgemusterten Computer ins Zimmer und überlassen sie dann sich selbst.

Laut Frank müssen sich Eltern zunächst um ein Klima der Offenheit bemühen. «Sonst haben Kinder Angst, dass ihnen der Computer weggenommen wird, und surfen heimlich.» Experten sind sich einig, dass es vor allem darum gehen muss, die Medienkompetenz von Kindern zu stärken. Es werde nie gelingen, jugendgefährdende Inhalte komplett aus dem Internet zu verbannen, schon weil manche Länder wie die Niederlande oder die USA den Zugang zu pornografischen Seiten ohne Altersbeschränkung zuließen.

Der Software-Gigant Microsoft hat bei seiner Suchmaschine unter www.msn.de , die mittelfristig Marktführer Google Konkurrenz machen soll, immerhin eine Schutzfunktion installiert. So wirft etwa der Suchbegriff «Lolita» keine Ergebnisse aus. «Außerdem haben wir Communities für Erwachsene geschlossen, weil es dabei bisher keine wirksame Kindersicherung gibt», sagt Frank Gustav Mänz, Jugendschutzbeauftragter von MSN.

Broschüre des Kinderhilfswerk

Angeboten wird von Microsoft auch ein Software-Programm, mit dem Eltern den E-Mail-Verkehr ihrer Kinder kontrollieren und den Aufruf bestimmter Seiten ausschließen können. Es ist allerdings nur als Teil eines größeren Pakets erhältlich, mit dem zugleich Software für die Bildbearbeitung und andere sachfremde Leistungen eingekauft werden.

Wie Kinder zu einem vernünftigen Umgang mit dem Internet finden können, zeigt die Broschüre «Kindersache» des Kinderhilfswerks, an der auch Dirk Höschen und Sabine Frank mitgewirkt haben. Aufgeführt werden neben empfehlenswerten Kinderseiten spezielle Suchmaschinen für Kinder, bei denen unzuträgliche Treffer unterdrückt werden. Dazu zählen etwa www.blinde-kuh.de , www.multikids.de , www.milkmoom.de oder www.trampeltier.de . Die Broschüre kann über die Internetseite www.kindersache.de kostenlos bestellt werden.

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