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Internettarife der Telekom umstritten

15.02.2000 | 00:00 Uhr |

Für einen Teil der neuen Internettarife der Deutschen
Telekom ist die Genehmigung durch die Regulierungsbehörde nach
Informationen der Redaktion der «Financial Times Deutschland»
fraglich. Vor allem das Angebot, mit dem ISDN-Kunden für fünf DM im
Monat sonntags unbegrenzt telefonieren und das Internet nutzen
können, werde wohl nicht genehmigt werden, berichtete die Redaktion
am Montag.

Der zweitgrößte deutsche Onlinedienst AOL hat unterdessen in
ganzseitigen Zeitungsanzeigen an Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD)
appelliert, auf dem Internet-Markt für mehr Wettbewerb zu sorgen. Die
Telekom hatte am Freitag angekündigt, einen Pauschalpreis (Flatrate)
für die Internetnutzung von unter 100 DM im Monat einzuführen und
außerdem bis 2001 alle deutschen Schulen mit einem Gratis-
Internetzugang auszustatten. Voraussetzung für beide Offerten ist die
Nutzung des Telekom-Dienstes T-Online.

Die «Financial Times Deutschland», die am Montag das erste Mal
erscheinen soll, berief sich in ihrem Bericht auf Personen, die mit
dem Vorgang vertraut seien. Ein Sprecher der Behörde sagte am Montag
auf Anfrage in Bonn: «Die Telekom weiß, was sie uns zur Genehmigung
vorlegen muss». Zu den Plänen des Unternehmens mit einem
Pauschaltarif für T-Online-Nutzer sowie dem Sonntags-Angebot wollte
er sich aber nicht näher äußern. In der Sprachtelefonie muss sich die
Telekom als ehemaliger Monopolist alle Tarifänderungen von der
Regulierungsbehörde vorab genehmigen lassen. Dies gilt allerdings
nicht für die Preisgestaltung im Internetbereich.

AOL kritisierte in den Anzeigen die marktbeherrschende Stellung
der Telekom auch im Online-Sektor. «Die Monopolstrukturen der Telekom
dürfen sich nicht im Internet fortpflanzen», hieß es unter den Worten
«Bitte, Herr Bundeskanzler!» Der Sprecher von AOL Europe Frank
Sarfeld sagte am Montag, wenn die Telekom offenbar ihrer eigenen
Tochter einen preisgünstigen Internet-Pauschalpreis inklusive der
Telefonkosten ermögliche, müsse sie dies auch für Konkurrenten tun.
AOL fordere einen Großkundenpreis, mit dem sowohl T-Online als auch
andere Online-Anbieter kalkulieren könnten. Auch die Bindung der
Gratis-Zugänge für die Schulen an T-Online sei nicht hinnehmbar. «Wir
würden den Schulen auch gern Telefonkosten erlassen, aber wir können
es nicht», sagte Sarfeld.

AOL dankt in der Anzeige Schröder ausdrücklich für sein
Engagement, «die letzten Barrieren und Hemmnisse für eine breite
Nutzung des Internets» einzureißen. Dazu gehöre aber auch «fairer
Wettbewerb».

Nach Angaben der «FT Deutschland» darf die Telekom im nationalen
Festnetz seinen Endkunden keine Preise anbieten, die unter den
eigenen Kosten liegen. Als Maßstab zieht die Behörde üblicherweise
jene Tarife heran, die Wettbewerber der Telekom für die Durchleitung
der Gespräche durch deren Netz zahlen. Bei einem Einheitspreis von
fünf DM würde die Telekom schon dann draufzahlen, wenn Kunden dieses
Angebotes sonntags mindestens 24 Minuten telefonierten, berichtete
die «FT».

Experten fordern für Internetverbindungen seit längerem einen
Pauschalpreis, um die Nutzung des Internets in Deutschland zu
fördern. Die Telekom möchte die angekündigten Tarife noch im Laufe
dieses Jahres einführen. Wie die «FT Deutschland» berichtete, müsse
die Flatrate zwar nicht genehmigt werden, Wettbewerber könnten aber
dagegen vorgehen. Sie müssten der Telekom dann nachweisen, dass sie
ihrer Tochter T-Online niedrigere Kosten berechnet als den
Konkurrenten.

dpa

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