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Intershop bleibt in den roten Zahlen

01.02.2001 | 00:00 Uhr |

Die Jenaer Software-Schmiede Intershop AG
wird wohl auch in diesem Jahr rote Zahlen schreiben. Im vergangenen
Jahr hatte der einstige Senkrechtstarter noch die «schwarze Null»
angepeilt.

Doch der US-Markt machte Intershop im vierten Quartal einen Strich
durch die Rechnung. So schnellte der Verlust von 18,4 Millionen Euro
im Vorjahr mit 39,3 Millionen Euro (76,9 Mio DM) auf mehr als das
Doppelte hoch, wie das Unternehmen am Mittwoch in Jena bekanntgab.
Der Umsatz sprang 2000 auf 123 (1999: 46,3) Millionen Euro.

«Wir müssen die Marktposition noch stärker ausnutzen», sagte
Intershop-Chef und Gründer Stephan Schambach. In den USA will sich
Intershop auf den Handel zwischen Unternehmen (business to business)
konzentrieren - genau in die Märkte, in der die Firma einen
Wettbewerbsvorteil hat. «Wir werden unsere Beziehungen zu den
strategischen Vertriebspartnern deutlich ausweiten.»

Die Organisation soll zudem schlanker werden. Einige Funktionen
will Schambach von den USA nach Deutschland holen. «Das Thema
Entlassung ist seit heute vom Tisch», sagte Sprecher Heiner
Schaumann. Im Januar wurden weltweit rund 200 Stellen gestrichen, in
den USA fast ein Drittel von 256.

«Unsere Erwartung ist, dass die Maßnahmen im zweiten Quartal 2001
voll wirksam werden», sagte Finanzvorstand Wilfried Beeck. Doch der
Vorstand geht weiter von einem Verlust in Vorjahreshöhe und einem
Jahresumsatz zwischen 140 und 160 Millionen Euro aus. Für die USA und
Asien wird eine geringe Umsatzdynamik erwartet. «Wir brauchen ein
kontrolliertes Wachstum», sagte Schaumann. Mit einer Verdopplung der
Mitarbeiterzahl wie in den vergangenen Jahren rechnet er nicht mehr.

Der Aktienkurs war zu Jahresbeginn um bis zu 70 Prozent
eingebrochen, weil der US-Umsatz im vierten Quartal lahmte. «Zum
einen wurden zahlreiche Aufträge in Erwartung einer Abkühlung der US-
Wirtschaft erst einmal verschoben», sagte Schambach. Zudem hapert es
laut Schambach in den USA noch bei Markenbekanntheit und Vertrieb.
Der Verlust lag im vierten Quartal bei 32,5 Millionen Euro. Am Neuen
Markt kam Intershop am Mittwoch erneut unter die Räder. Die Aktien
rutschten um rund ein Fünftel ihres Wertes auf zunächst 9,64 Euro ab.
Intershop wurde 1992 in Jena gegründet und hatte Ende 2000 weltweit
1 218 Mitarbeiter.(dpa)

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