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Intershop dementiert Stellenabbau in Jena

23.01.2001 | 00:00 Uhr |

Das Jenaer Software-Unternehmen Intershop hat einen
Zeitungsbericht über den Abbau von 190 Stellen dementiert. «In
Deutschland sind derzeit keine Entlassungen geplant», sagte Prokurist
Karsten Schneider am Dienstag der dpa. Die «Bild-Zeitung» hatte in
ihrer Dienstagausgabe berichtet, dass in Jena 40 Stellen abgebaut
würden. Weitere 150 Kündigungen seien geplant. Damit wolle Intershop
auf den Einbruch des Aktienkurses um mehr als 70 Prozent zu
Jahresbeginn reagieren. Ziel sei es, Kosten zu drücken, bevor Ende
Januar die neue Gewinn-Prognose fällig sei.

Es seien noch keine Entschlüsse gefasst, sagte Schneider. «Mit
Sicherheit werden wir das Mitarbeiterwachstum, das sich in
Deutschland im vergangenen Jahr fast verdoppelt hat, in diesem Jahr
nicht erreichen.» Die 40 Aufhebungsverträge und 150 weiteren
Entlassungen seien aber aus der Luft gegriffen. «Es wird weiterhin
Einstellungen geben.» In der Vergangenheit seien allerdings in der
Probezeit Verträge nicht verlängert worden.

Die örtliche IG Metall kritisierte, dass Mitarbeiter mit
Aufhebungsverträgen aus dem Unternehmen «heraus komplimentiert»
würden. «Da wird die Unerfahrenheit im Arbeitsrecht zum Nachteil der
Beschäftigten ausgenutzt», sagte der Bevollmächtigte Ralf Tänzer. Die
Beschäftigten sollten auf jeden Fall einen Betriebsrat wählen, um
ihre Interessen im Zuge der befürchteten Umstrukturierungen Geltung
zu verschaffen.

In USA würden 80 von 256 Stellen gestrichen, da dort die Umsätze
im vergangenen Jahr nicht mithalten konnten mit dem
Mitarbeiteraufbau, sagte Schneider. Deshalb würden Funktionen aus den
USA nach Jena und Hamburg geholt. Damit würden deutsche Standorte
gestärkt.

Die «Bild»-Zeitung hatte berichtet, dass von dem Abbau die neue
Abteilung Großkundenbetreuung in Jena betroffen sei. Diese gibt es
laut Schneider jedoch gar nicht: «Die Vertriebsorganisation für
Deutschland ist in Hamburg. In Jena ist das technische Zentrum.»

Intershop, eines der Schwergewichte am Neuen Markt, hatte die
Börse Anfang Januar mit einer Gewinn- und Umsatzwarnung und roten
Zahlen für das vierte Quartal geschockt. Die Aktie war um mehr als 70
Prozent eingebrochen und hatte auch den Kurs anderer Software-Titel
mit herunter gerissen. Am Dienstagmittag war die Intershop-Aktie 12,5
Euro wert (DM 24,4).
dpa

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