875500

Intershop rechnet nicht mit Klage

08.01.2001 | 00:00 Uhr |

Die Jenaer Intershop AG will mit einer neuen
Strategie Konsequenzen aus dem Umsatzeinbruch in den USA ziehen. «Es
wird Strukturveränderungen zur Kostensenkung, aber keinen Rückzug aus
dem wichtigen US-Markt geben», sagte Intershop-Sprecher Heiner
Schaumann am Montag der dpa. Er reagiert damit auf Spekulationen,
wonach sich der Hersteller von Handels-Software für das Internet
zumindest teilweise aus dem USA-Geschäft verabschieden will.

Nach Angaben von Schaumann wird sich Intershop mit seinen E-
Commerce-Lösungen in den USA verstärkt auf Systeme für den Handel
zwischen Großunternehmen (business-to-business) konzentrieren. Zu
möglichen Veränderungen bei der rund 250 Mitarbeiter zählenden
Mannschaft in den USA wollte er sich nicht äußern. «Das ist ein
anderer Focus als in Europa.» Hier sei der Softwarehersteller mit
1 200 Mitarbeitern auch stark bei Vertriebslösungen von Unternehmen
zum Endverbraucher. Zu den Kunden zählten unter anderem große
Versandhäuser.

Einen Bericht von «Platow Börse», wonach das Unternehmen
möglicherweise mit dem kompletten Wegfall der US-Umsätze rechnet,
bezeichnete Schaumann als Spekulation. «Eine Einschätzung des US-
Marktes ist derzeit nicht möglich.» Die Umsatz- und Gewinnwarnung für
das vierte Quartal war vor allem damit begründet worden, dass US-
Unternehmen E-Commerce-Investitionen in dieses Jahr verschoben
hätten. Danach war der Aktienkurs von Intershop dramatisch
eingebrochen.

Zu einem Bericht, wonach auf das Softwarehaus möglicherweise
Klagen von Anlegern zukommen, sagte Schaumann: «Uns liegt keine Klage
vor. Wir rechnen auch nicht damit.»

Händler am Neuen Markt der Frankfurter Börse zeigten sich am
Montag unbeeindruckt von möglichen Schadenersatzforderungen, die eine
Anwaltskanzlei prüfen soll. Auf dem gegenwärtigen Kursniveau könnten
solche Meldungen den Markt nicht mehr schocken, sagte Hans von
Malzahn vom Bankhaus Metzler. Die Intershop-Papiere zeigten sich auf
niedrigem Niveau erholt. Am Nachmittag lagen sie bei knapp 8,60 Euro,
ein Plus von gut fünf Prozent. In dieser Woche plant das Unternehmen
ein Treffen mit Aktionärsvertretern, bei dem über die aktuelle
Situation informiert werden soll.
dpa

0 Kommentare zu diesem Artikel
875500