888544

Intershop will mit neuen Produkten aus dem Tief

27.11.2001 | 00:00 Uhr |

Das angeschlagene Jenaer Softwarehaus Intershop Communications AG will mit einer neuen Produktpalette für den elektronischen Handel (E-Commerce) sein Geschäft wieder beleben. Intershop-Gründer Stephan Schambach stellte am Dienstag in Berlin drei Produkte vor, mit der erstmals alle Geschäftsprozesse des E- Commerce abgedeckt würden. "Das ist kein Schnellschuss. Wir haben seit 1997 planmäßig an dieser Software gearbeitet", sagte der Intershop-Chef.

Das am Neuen Markt notierte Unternehmen hatte Ende Oktober seine Umsatzerwartungen für das Jahr 2001 auf unter 80 Millionen Euro abgesenkt und erklärt, erst im kommenden Jahr die Gewinnschwelle zu erreichen. Zuvor hatte der Softwarekonzern ein drastisches Sparprogramm verkündet, bei dem unter anderem ein Viertel der Belegschaft abgebaut wurde. "Wir haben die klassischen Instrumente der Betriebswirtschaft zur Kostenverringerung angewandt. Nun müssen wir auch wieder Innovationen bieten, um bestehende Kunden enger an uns zu binden und neue Kunden zu gewinnen", sagte Schambach der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Den Marktstart der neuen Produktpalette aus der Enfinity-Familie verglich Schambach mit der Einführung des marktbeherrschenden R/3- System des größten europäischen Softwarehauses SAP AG Anfang der neunziger Jahre. "Mit R/3 von SAP konnten erstmals verschiedene Prozesse innerhalb eines Unternehmen auf einem System verwaltet werden. Die neue Enfinity-Familie von Intershop bietet nun eine ganzheitliche Lösung für den E-Commerce. Das gab es vorher noch nicht", meinte Schambach.

Das neue Produkt "Enfinity MultiSite" ermögliche den Betrieb sämtlicher E-Commerce-Initiativen großer Firmen. "Das hebt die übliche Trennung nach Abteilungen oder Länderniederlassungen auf", sagte Schambach. "Damit können Unternehmen den größten Kostenblock beim E-Commerce beseitigen, nämlich die Integration und Pflege der unterschiedlichen Applikationen."

Die Aktie des einstigen Vorzeigeunternehmens der "New Economy" hatte Ende März 2000 mit einem Kurs von 140 Euro ihr Allzeithoch erlebt und ist seitdem in mehreren Schüben auf bis zu 1,17 Euro Ende September dieses Jahres gefallen. Das Papier kletterte am Dienstag bis 11.00 Uhr um 9,24 Prozent auf 2,60 Euro und setzte sich damit an die Spitze des NEMAX. "Da gibt es derzeit viele Vorschusslorbeeren", sagte ein Händler.

Schambach hatte sich im März 2001 aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen, um sich auf die Unternehmensstrategie und Produktentwicklung konzentrieren zu können. Das operative Geschäft übernahm der damalige Finanzvorstand Wilfried Beeck. dpa

0 Kommentare zu diesem Artikel
888544