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Intershop wirbt um Vertrauen an der Börse

05.01.2001 | 00:00 Uhr |

München/ dpa - Die Jenaer Intershop AG will nach dem Kurseinbruch
wegen hoher Verluste im vierten Quartal ihre verunsicherten Aktionäre
bei der Stange halten.

«Wir wollen Transparenz herstellen und haben
sofort Kontakt zu den Aktionärs-Schutzvereinigungen aufgenommen»,
sagte Unternehmenssprecher Heiner Schaumann am Freitag der dpa. Ein
Treffen mit den Vertretern der Anteilseigner, bei dem über die
aktuelle Situation des Unternehmens informiert wird, sei für die
nächsten Tage vereinbart.

Etwa 65 Prozent der Papiere des Softwareunternehmens, das auf
Programm für den elektronischen Handel im Internet spezialisiert ist,
sind nach seinen Angaben im freien Umlauf. 26 Prozent sind im Besitz
der drei Gründer, die sich laut Schaumann verpflichtet haben, keine
Aktien zu verkaufen. Ein Prozent der Papiere halten die Mitarbeiter,
sechs Prozent Risikokapitalgesellschaften. Intershop gehört zu den
Index-Schwergewichten am Neuen Markt.

Der Intershop-Kurs, der seit der Gewinn- und Umsatzwarnung zu
Wochenbeginn zeitweise auf ein Viertel seines Wertes von Ende 2000
abgestürzt war, konnte sich am Freitagnachmittag bei 8,30 Euro auf
niedrigem Niveau stabilisieren.

Intershop will Ende Januar mit der Vorlage der endgültigen
Geschäftszahlen für 2000 seine Prognose für dieses Jahr präzisieren.
Die Kosten des Unternehmens, das als einer der Technologieführer bei
E-Commerce-Systemen gilt, sollen der Umsatzentwicklung angepasst
werden.

Trotz der aktuellen Probleme hat Intershop nach Angaben des
Sprechers keine Schwierigkeiten, Mitarbeiter zu gewinnen. In dieser
Woche seinen in Jena fast 50 Mitarbeiter eingestellt worden, sagte
Schaumann. Intershop beschäftigt weltweit rund 1 200 Programmierer,
Computerexperten und Vertriebsleute. Das Software-Entwicklungszentrum
in Jena soll weiter ausgebaut werden, möglicherweise aber nicht in
dem Umfang wie ursprünglich für 2001 geplant.

Intershop hatte die Verluste im vierten Quartal vor allem mit der
Investitionszurückhaltung von Kunden in den USA begründet. Die US-
Probleme hätten sich erst zwei Wochen vor Jahresende abgezeichnet.
Der Nettoverlust des Konzerns wird 2000 voraussichtlich 37 bis 39
Millionen Euro (bis zu 76,3 Mio DM) betragen. Beim Umsatz wird ein
Wachstum von 165 Prozent auf bis zu 123 Millionen Euro erwartet.
dpa

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