883054

Interview mit Hank Skorny

01.04.1999 | 00:00 Uhr |

Auf der Cebit 1999 ergab sich für Macwelt die Gelegenheit mit Hank Skorny über Entwicklung und Test von Indesign zu reden. Das Gespräch führte Redakteur Walter Mehl.

Macwelt: Objektorientierte Programme [Software, die aus einzelnen Komponenten zusammengesetzt ist, Anm. d. Red.] wie Indesign gelten auch noch heute als langsam. Wird Indesign schnell genug sein?

Skorny: Unser Ziel war es, auf ein und demselben Rechner gleich schnell oder wenn möglich besser zu sein als Quark Xpress. Bis Ende vergangenen Jahres waren wir von diesem Ziel noch weit entfernt, doch mittlerweile laufen die beiden Programme etwa gleich schnell. Generall aber werden die Anforderungen hoch sein: Indesign sollte auf einem Pentium-II-Prozessor mit 300 Megahertz oder mehr laufen, auf Mac-Seite wäre ein Rechner mit G3-Prozessor und 200 Megahertz zu empfehlen.

Macwelt: ...und beim zweiten Schwachpunkt von objektorientierter Software, den Speicheranforderungen?

Skorny: Auch hier liegen unsere Empfehlungen hoch: 64 MB Arbeitsspeicher sollten schon eingebaut sein, da Indesign selbst rund 50 MB benötigt.

Macwelt: Haben Sie deshalb schon Beschwerden erhalten?

Skorny: Nein. Sie kennen es selbst aus der Praxis. Wo Macs professionell eingesetzt werden, hat man heute meist einige Hundert MB Arbeitsspeicher. Die Preise für Speicherchips sind heute so niedrig, daß sich fast jeder diese Investition leisten kann.

Macwelt: Themawechsel. Indesign wird Xpress-Seiten importieren, aber nicht exportieren können. Warum?

Skorny: [Lacht] Wir wollten keinen Lizenzstreit mit Quark vom Zaun brechen. Nein, in Wirklichkeit waren zwei Gründe ausschlaggebend: Einerseits wäre die Entwicklungszeit eines Exportmoduls für Xpress-Dateien recht hoch gewesen, so daß wir vorerst darauf verzichtet haben, um den Auslieferungstermin einhalten zu können. Außerdem müßten wir beim Export weniger präzise sein als dies mit Indesign möglich. In unserem Programm unterstützen wir optisches Kerning [dem menschlichen Auge gefällige Spationierung von Texten, Anm. d. Red.] und präzise Positionierung bis auf 1 Millionstel Pica-Punkt genau. Beides ist in Xpress nicht möglich, so daß sich unter Umständen deutlich sichtbare Unterschiede ergeben hätten, wenn man eine Indesign-Seite mit Xpress öffnet.

Macwelt: Man kann Indesign so einstellen, daß die Tastaturkürzel wie bei Xpress funktionieren. Das gibt keine Lizenzprobleme?

Skorny: Nein. Die Xpress-Tastaturbelegung ist nur eine Option. Standard ist bei Indesign die Tastaturbelegung, die man heute von Photoshop, Illustrator oder Pagemaker kennt.

Macwelt: Ein weiterer wichtiger Punkt bei Indesign sind die objektorientierten Komponenten des Programms. In den ersten Präsentationen war zu sehen, daß man beispielsweise die Farbmanagement-Komponente aus dem entsprechenden Ordner ziehen kann. Dann fehlt beim nächsten Programmstart der entsprechende Befehl im Menü Ablage. Wird das die Benutzer nicht verwirren?

Skorny: Normalerweise sollten nur erfahrenen Administratoren Indesign verändern. Obwohl derzeit noch nicht vorhanden, werden wir außerdem in der endgültigen Version von Indesign eine Instanz einbauen, die die fehlenden Module beim Programmstart meldet. Der Benutzer wird genau Bescheid wissen, welche Funktionen verfügbar sind.

Macwelt: Sie haben viele Entwickler ermutigt, eigene Komponenten zu schreiben. Wie wollen Sie sicherstellen, daß bei einem Fehler der Kunde nicht im Regen steht, weil ein Entwickler dem anderen die Schuld dafür in die Schuhe schiebt?

Skorny: Objektorientierte Software ist von Haus wesentlich resistenter gegen Programmierfehler als konventionell aufgebaute Programme. Ausschließen kann man aber wechselseitige Störungen nicht. Wir prüfen derzeit noch, ob wir deshalb eine hausinterne Prüfstelle aufbauen sollen, bei der externe Entwickler Produkte zur Prüfung einreichen können.

Macwelt: Und zum Schluß natürlich die Frage nach ihren Erwartungen. Wie gut wird sich Ihrer Meinung nach Indesign verkaufen?

Skorny: [Lacht] Wenn jede große Firma, die heute Xpress einsetzt, ein Exemplar von Indesign kauft, dann haben wir ein ganz gutes Resultat zu erwarten.

0 Kommentare zu diesem Artikel
883054