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Interview mit dem iDive-Hersteller: Leopard, die WWDC und die Tücken für einen Softwarehersteller

05.09.2006 | 15:20 Uhr |

Vor den MacGeneration-Awards zur MacExpo 2006 gibt ein Vorjahresgewinner Einblicke: Die Softwareschmiede Aquafadas aus Montpellier, Hersteller der Medienverwaltung iDive, freut sich auf Apples Leopard und die neuen Techniken für Entwickler. Unternehmensgründer Matthieu Kopp erklärt aber auch, warum jede neue Mac OS X-Version eine Herausforderung für Hersteller ist und warum man zur WWDC stets zu zweit gehen sollte.

Sie waren bei der Entwicklermesse WWDC 2006 in San Francisco dabei. Was halten Sie von den verschiedenen Ankündigungen und von der neuen Orientierung der Mac-Plattform?

Apple will anscheinend den Wow-Faktor verstärken, also das Erstellen von Applikationen erlauben, die noch ergonomischer sind und besser aussehen - die Mac-Plattform soll damit mehr Aufmerksamkeit bekommen. Die CoreAnimation-Technik, aber auch andere Komponenten und Verbesserungen am System, erlauben es Entwicklern, in kürzerer Zeit beeindruckende Effekte und Bedienelemente zu erstellen. Bislang brauchte man noch sehr lange, um sie perfekt zu machen. Apple hat seine Werkzeugkiste um neue Komponenten erweitert, die viele begrüßen werden. Eine neue Orientierung sehe ich aber nicht. Vielmehr scheint mir, dass viele Ankündigungen in die Richtung gehen, in die auch die vorigen Versionen zielten, vor allem Tiger. Es gibt da gute Ideen, aber man wird in der Praxis schauen müssen, wie sich Techniken wie beispielsweise Time Machine in unseren Work Flow eingliedern werden - oder auch nicht.

Welches ist die Neuerung, die Sie am meisten beeindruckt hat?

CoreAnimation, aber wenn ich so antworte, dann nehme ich die Sichtweise eines Entwicklers ein und nicht die eines Anwenders. Ich sehe darin große Möglichkeiten und darin insbesondere ein ziemlich elegantes Mittel, um ein Architekturproblem zu lösen, vor das uns ein großes Projekt stellt, an dem wir selbst gerade arbeiten. Ich bin deshalb ziemlich ungeduldig, die Motorhaube hochzuklappen und nachschauen zu dürfen, was wirklich darunter steckt.

Am 7. August hat Steve Jobs den Intel-Switch abgeschlossen. Vor einigen Jahren gab es einen großen Wechsel auf Mac OS X. Sind Sie diese Folge von Brüchen nicht leid?

Wir sind noch nicht sehr alt (zwinkert) und haben nur eine Transition mitgemacht, die uns nur wenige Stunden gekostet hat, die Tests einmal ausgenommen. Was mir bei jeder neuen Ankündigung mehr Probleme bereitet, ist die Frage, wie man die Übergangszeiten nutzen soll. Wie soll man den Leopard-Anwendern das Look and Feel geben, das sie von uns auf dieser Plattform erwarten, ohne unsere Anwender zu vernachlässigen, die noch Tiger benutzen? Das ist eine schwierige Übung, zumal, wenn die Neuerungen die Benutzeroberfläche und die Grafikanbindung betreffen. Man muss es deshalb schaffen, eine Anwendung so zu strukturieren, dass sie die angebotenen Möglichkeiten so gut es geht zusätzlich nutzt. Das ist für mich wirklich der heikelste Punkt.

Über die Keynote und die einzelnen Sessions hinaus will die WWDC ein Forum sein, das Entwickler aus aller Welt mit Apples eigenen Ingenieuren zusammenbringt. Waren Ihre Kontakte mit den Apple-Mitarbeitern fruchtbar?

Alles in allem: Ja. Wir hatten uns gut vorbereitet, Fragen formuliert, problematischen Code zum Vorzeigen ausgesucht und so weiter. Aber es ist nicht immer einfach, für ein bestimmtes Problem den kompetenten Ingenieur zu finden.

Um allgemeiner zu fragen: Sind Sie mit Apples Unterstützung während dem Rest des Jahres zufrieden?

Unter manchen Gesichtspunkten sind wir wirklich sehr beeindruckt. Auf der anderen Seite ließ sich auch schon der eine oder andere Zwischenfall nur schwer auf effiziente Weise lösen. Aber insgesamt finde ich den Support gut.

Und wie lief Ihr Austausch mit anderen Entwicklern, die auch auf der WWDC waren?

Das Problem an der WWDC ist die große Anzahl von Teilnehmern, es sind mehrere tausend. Ich fand, dass die Interaktion auf kleinen Konferenzen wie der O'Reilly MAC OS X Konferenz immer besser war. Es ist jedenfalls gut, einige Gesichter zu kennen, um sich leichter in Diskussionen einbringen zu können. Dazu kommt noch der intensive Zeitablauf des Events. Die Sessions folgen in einem raschen Rhythmus aufeinander und oft muss man eine schwierige Wahl treffen, weil man gerne zur gleichen Zeit an mehreren Sessions teilnehmen würde. Deshalb ist es auch immer besser, zu zweit oder mehreren auf die WWDC zu fahren. Zeit zum Erfahrungsaustausch hat man jedenfalls nur wenig. Ein anderer wichtiger Aspekt, der einem an einer solchen Konferenz auffällt, ist die Verschiedenheit der Besucher. Man könnte meinen, dass jeder Teilnehmer ein Cocoa-Entwickler sei, mit dem man sich unterhalten kann. Aber in Wirklichkeit sind ein großer Teil der WWDC-Besucher Systemadministratoren oder Mitglieder einer Uni, deren Interessen dann oft auch ganz anders gelagert sind, wenn sie selbst programmieren. Ihr Augenmerk liegt mehr auf Mac OS X Server, auf Scripts, auf Automator und ähnlichem - das macht auch den Reichtum eines solchen Treffens aus. Außerdem muss ich an dieser Stelle auf die hervorragende Arbeit von Michael Sutter von Apple Frankreich hinweisen, der den französischen Entwicklern angeboten hat, sich zum Frühstück in kleinen typischen kleinen Café einzufinden. Er hat das Kennenlernen der einzelnen Personen viel leichter gemacht. Eine hervorragende Arbeit, wie immer.

Aquafadas, Ihre junge Firma, ist an der Mittelmeerküste in Montpellier zu Hause. Das ist in Frankreich und damit ziemlich weit weg vom Silicon Valley. Ist das für Ihre Arbeit eine Benachteiligung?

Nein, nicht wirklich. Auf jeden Fall leiden wir im Bereich der Technik nicht darunter. Wir haben in Montpellier zudem die Chance, auf sehr starke Strukturen zurück zu greifen, die jungen innovativen Firmen bei der Gründung und während der ersten Jahre helfen. In anderen Regionen gibt es natürlich ähnliche Programme. Ein Problem für uns ist vielleicht, junge Leute zu finden, die bereit sind, das Abenteuer zu wagen und für den Mac zu entwickeln. Auch müssen sie die Plattform mögen, gut in den Bereichen Design und Programmierung ausgebildet sein und Lust auf Risiken haben. Diese Art von Veranlagung findet man im Silicon Valley vielleicht leichter. Deshalb möchte ich auch die Möglichkeit nutzen, einen Aufruf an junge und alte Entwickler zu starten, wir werden in den kommenden Monaten welche brauchen. Wir werden auf unserer Seite auch Anzeigen schalten.

Lassen Sie uns jetzt über iDive reden. Bei der letzten Apple Expo in Paris hat Ihre Software von MacGeneration einen Award bekommen. Was ist in den letzten Monaten passiert?

Wir haben viel an iDive gearbeitet und fügen die einzelnen Teile der nächsten Version 2.0 zusammen, die viele Neuerungen enthalten wird. Darauf haben sowohl unsere Anwender aus dem breiten Publikum als auch die Profis gewartet. Wir haben beispielsweise viel Zeit damit verbracht haben, über die Anzeige von Videoclips nachzudenken. Wir haben die Videoerfassung neu geschrieben und arbeiten an der Unterstützung einer größeren Anzahl von Formaten. Die Benutzeroberfläche wird auch große Änderungen erfahren und damit auch auf die Wünsche eingehen, die unsere Anwender geäußert haben. Es gibt noch andere Änderungen unter der Oberfläche, die aus dieser Version einen großen Schritt nach vorne machen.

Woraus entstehen die Ideen, mit der sie Ihre Software verbessern? Folgen Sie einer Roadmap, die Sie vorher ausgearbeitet haben? Oder basieren die Fortschritte in der Entwicklung eher auf dem Austausch mit den Anwendern?

Der Austausch mit den Anwendern ist die Hauptantriebskraft der Entwicklung. Wir haben natürlich auch eigene Ideen. Aber es wichtiger, sie auf die Anwender zuzuschneiden, die sie sich aneignen und durch ihre Kommentare erst wirklich nutzbar machen. Vor allem im professionellen Video-Bereich hat bei uns der Anwender das letzte Wort und wir wollen unsere zukünftige Produktpalette im Austausch mit ihnen entwickeln. Wir haben deshalb ein Adressbuch, das wir mit der Zeit über E-Mail-Kontakte aufgebaut haben. Jetzt fragen wir darüber aktiv um Rat, wenn wir professionellere Entwicklungen angehen. Die Betreuung einer Anwendergemeinde braucht sehr viel Zeit - daran muss jeder denken, der Software entwickeln will, außerdem muss man Foren und Blogs zu Verfügung stellen, um Zeit einzusparen. Unsere Software soll im Bereich von Funktionalität und der Ergonomie so gut wie möglich sein, nur die echten Anwender können uns darauf ein Feedback geben. Auf der anderen Seite ist es fürs Geschäft genauso wichtig, die Benutzeroberfläche mit besonderer Mühe zu entwickeln und ihr kleine persönliche Pinselstriche mitzugeben, die die Software von der Masse abheben. Das ist der Wow-Faktor, den Apple predigt.

Wenn wir schon übers Geschäft reden, all diese Entwicklermühe fürs nächste Update wird wahrscheinlich nicht kostenlos sein?

Ja, natürlich (zwinkert). Trotzdem muss man wissen, dass die Verkäufe nicht nur an die Entwicklung gebunden sind. Der kommerzielle Aspekt, die Beziehungen zur Presse und die Erkundung neuer Märkte, etwa in der Erziehung oder der Industrie, sind absolut entscheidend und außerdem eine Vollzeitbeschäftigung. Oft überrascht es uns, dass ein großer Teil von potentieller Kunden uns und unser Produkt gar nicht kennt, vor allem in Zeiten, da übers Internet alle miteinander verbunden sind. Man muss also wissen, wie man sich an den Stellen in Szene setzt, wo potentielle Kunden ihre Informationen bekommen und ihre Wahl treffen. Das Entdecken dieser Spielregeln und das Etablieren von Netzwerken für Vertrieb, Kommunikation und Weiterbildung des Kunden sind sehr wichtig und ein Teil unseres Lernprozesses.

Wollen Sie noch ein paar Worte zu anderen Projekten sagen, die sie vielleicht in der Schublade haben?

Im Moment - und wahrscheinlich noch einige Nächte - arbeiten wir an einem neuen Produkt, das wir bei der Apple Expo enthüllen werden. Wer nach Paris kommt, wird dort am 12. September den Namen und die Funktionen erfahren. Ich möchte dazu im Moment nur sagen, dass es sich um eine Orange dreht. Außerdem arbeiten wir im Moment intensiv an einem sehr großen Projekt, das noch geheimer ist, über das man aber noch viel reden wird. Aber da kann ich auch nicht mehr dazu sagen, selbst wenn Sie mich foltern würden... (in Kooperation mit MacGeneration )

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