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Iovine und Cue verraten Details zu Apple Music

11.06.2015 | 16:20 Uhr |

Apple Music lässt noch viele Fragen zum Geschäftsmodell offen. Apples Eddy Cue und Jimmy Iovine geben sich aber optimistisch.

Apples Senior Vice President Internet Software und der nun für Apple Music ( Lesetipp: Alle Details zu Apple Music: Preis, Funktionen, Künstler und mehr ) verantwortliche Beats-Gründer Jimmy Iovine haben sich gegenüber dem britischen Guardian und dem Musikfachmagazin Billboard zum Geschäftsmodell von Apple Music und den Unterschieden zu Konkurrenten wie Spotify und Tidal geäußert.

Während in den vergangenen Wochen und Monaten stets Apples Konkurrenzverhältnis zu bestehenden Diensten wie Spotify, Tidal  und Deezer im Zentrum des Interesses stand, hat Apple laut der Aussagen seiner Musikvorstände noch einen ganz anderen Wettbewerber im Visier. Apple sucht die direkte Konkurrenz mit Radiosendern, der 24/7-Sender Beats 1 Station will Zuhörer in das Umfeld von Apple Music locken. Aber auch die soziale Komponente von Apple Music, Connect genannt, soll Abonnenten neue Musik entdecken lassen.

Apple Music - drei in einem

Wie schon in der Keynote zur Eröffnung der WWDC betont wurde, will sich Apple Music Iovine zufolge vor allem durch die menschliche Komponente von anderen Diensten abheben und es auch mehr unbekannten Künstlern ermöglichen, erfolgreich zu werden. Algorithmen allein seien nicht ausreichend, um spannende Wiedergabelisten auf Basis des Hörergeschmacks zu erzeugen, nur Musikliebhaber wüssten wirklich, welche Songs aufeinander zu folgen haben. Der Radiosender Beats 1 unterscheide sich zudem stark vom allgegenwärtigen Formatradio. Leute wie der dem Sender vorstehende neuseeländische DJ Zane Low hätten den Mut, noch unbekannte Künstler zu spielen, anstatt sich nach den Bedürfnissen der Marktforschung und der Werbetreibenden zu richten. So hätten selbst Musikauskenner die Gelegenheit, über Beats 1 neue Musikwelten zu entdecken.

Mit Connect unternimmt Apple einen neuen Anlauf, den iTunes Store mit sozialen Netzen zu verknüpfen. Populäre Musiker können über die Plattform mit ihren Fans in Kontakt bleiben, weniger populäre sich überhaupt erst eine Fanbasis schaffen, indem sie ihre Musik gratis darüber verteilen - MySpace und Soundcloud lassen grüßen. Die neuen Plattformen sollen laut Eddy Cue Künstlern und Musiklabels die totale Kontrolle darüber geben, welche Inhalte sie wo veröffentlichen, im Streaming, kostenlos über Connect oder als Kaufdownload wie bisher. Durch diese Maßnahmen soll die Musik wieder mehr als persönliche Kunst und nicht mehr als eine einfache Ware empfunden werden. Bei Apple Music handele es sich um einen Rundumservice und nicht nur um ein Mittel zum Zweck, ein bloßes Utility, betont Jimmy Iovine mehrmals.

Die Idee hinter Apple Music - zehn Jahre alt

Iovine plaudert gegenüber Billboard und Guardian auch aus dem Nähkästchen über die Vorgeschichte des Dienstes und die letztendliche Preisfestlegung. Schon seit zehn Jahren arbeite er an dem Konzept und sei nicht selten auf Unverständnis bei potentiellen Partnern gestoßen. Ein Manager eines Telekommunikationsproviders habe ihn sogar einmal angefahren, was für legere Kleidung sich Iovine für eine Meeting mit ihm leiste. Erst bei Apple mit Steve Jobs und Eddy Cue - die man auch selten hat einen Anzug tragen sehen - habe sich Iovine empfangen gefühlt.

Der Preis von 9,99 US-Dollar für ein Monatsabo sei entgegen der im Vorfeld kolportierten Gerüchte von Anfang an Apples Ziel gewesen, dieser Preis entspricht etwa dem Kauf eines einzelnen Albums im Monat. Wer öfter Musik bei Apple erwirbt, wird den Dienst vermutlich zu schätzen wissen, wer seltener einkauft, kann auch weiterhin gezielt Downloads erwerben. Besonders stolz ist Apple auf das Familien-Abo, bei dem für 14,99 US-Dollar im Monat bis zu sechs Familienmitglieder Zugriff auf Apple Music erhalten - jeweils mit ihrer eigenen Bibliothek und ihren eigenen Empfehlungen. Über dieses Alleinstellungsmerkmal habe man mit der Musikindustrie länger verhandeln müssen, wohl auch über die drei kostenlosen Monate.

Offen bleibt die Frage, ob Musikstreams der von schweren Umsatzrückgängen geplagten Musikindustrie und notleidenden Künstlern wieder zu mehr Einnahmen verhelfen. Doch sieht Apple gerade in den Zusatzangeboten von Apple Music Anreize, die installierte Basis zum Abo überreden zu können. iTunes zählt derzeit rund 800 Millionen registrierte Kunden, mit einem Klick darf Apple pro Monat 10 oder 15 Dollar abbuchen. Spotify hat nach eigenen Angaben derzeit 20 Millionen zahlende Kunden, alle anderen Dienste bringen zusammen noch einmal so viele Musikfreunde ins Abo. Apple würde auf einen Schlag die Streamingkundschaft verdreifachen, wenn nur jeder zehnte iTunes-Nutzer sich nach den drei Freimonaten für das Abo entscheidet.

Geschäftsmodell für Musiker bleibt noch ein Geheimnis

Keine Details nennt Apple bisher auch zur Verteilung der Einnahmen, zuletzt hatte es Berichte gegeben, die Labels würden 60 Prozent der Einnahmen für sich beanspruchen, bei Spotify bekämen sie nur 55 Prozent. Wie die Verteilung der Einnahmen an die Künstler organisiert wird und welche Gebühren Apple für Beats 1 an Rechteverwertungsgesellschaften wie die GEMA abzutreten hat, ist auch noch nicht klar. Gerade die GEMA dürfte genau hinschauen, ob über Connect nicht auch Musik von ihren Mitgliedern verbreitet wird.

Um Apple Music gegenüber der Konkurrenz herauszustellen würden sich auch exklusive Deals anbieten, etwa mit Künstlern, die ihre Werke nicht mehr über Spotify verbreiten lassen wie Taylor Swift. Zahlt Apple bestimmten Künstlern mehr, wenn Apple Music dafür die Werke Exklusiv hat? Das dürfte in den USA die Kartellbehörden interessieren, schon jetzt haben die Staatsanwaltschaften von New York und Connecticut Untersuchungen angekündigt. Wettbewerbswidriges Verhalten hatte das US-Justizministerium Apple bereits im iBooksstore vorgeworfen und vor Gericht damit Recht bekommen.

Ob Apple Music tatsächlich zu dem Erfolg wird, den sich Künstler, Labels und Apple erhoffen, bleibt abzuwarten. Musikfans sehen spannenden Zeiten entgegen.

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