893080

Jaguar: Tinker-Tool-Entwickler konkretisiert Vorwürfe

27.08.2002 | 15:19 Uhr |

Der Softwareentwickler Marcel Bresink hat Macwelt erläutert, warum er Mac-OS X 10.2 für unausgereift hält.

München/Macwelt - Wie Macwelt bereits gestern berichtete , hat der Entwickler des von ihm kostenlos zur Verfügung gestellten Hilfsprogramms Tinker Tool die nach seiner Ansicht verfrühte Freigabe von Mac-OS X 10.2 kritisiert und Jaguar als "unreif" bezeichnet. Auf eine Anfrage von Macwelt hin äußerte sich Bresink konkreter. Das größte Problem des Jaguar ist für ihn demnach der Defekt des NIS-Clients, was Jaguar für einen Einsatz in mittelgroßen bis großen Netzen im Moment unbrauchbar mache. NIS ist der Network Information Service (Netzinformationsdienst), eine Technik, die von der Firma Sun Microsystems entwickelt wurde und mehreren Computern in einem lokalen Computernetz erlaubt, Verwaltungsdaten miteinander auszutauschen, wie die Entwickler auf seiner Webseite Mac OS X in ein NIS-Netzwerk integrieren ausführt. In Mac-OS X sei NIS standardmäßig abgeschaltet und werde von Apple zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht vollständig unterstützt, könne aber dennoch korrekt eingerichtet und genutzt werden. Das System benutze statt dessen NetInfo, das noch auf NeXT-Zeiten zurück gehe. Bei Jaguar funktioniere insbesondere die Authentifizierung über NIS am Anmeldefenster nicht.

Aber Marcel Bresink dokumentiert auch "offensichtlichere" Bugs und Probleme mit der neuesten Betriebssystem-Version von Apple. Für jeden Anwender unmittelbar nachzuvollziehen ist die Instabilität des mitgelieferten Internet Explorer: Zum Beispiel stürzt er bei der Eingabe der Internet-Adresse des bekannten Online-Computerhändlers www.alternate.de sang- und klanglos ab. Das von Apple entwickelte Mail bleibe bei auf anderen Maschine geöffnetem Postfach in einer Endlosschleife hängen; die Erkennung von URLs in Mail funktioniere nicht mehr richtig. Es gebe Probleme im Zusammenhang mit der Papierfachauswahl und das Ausdrucken von PDF-Dokumenten über Acrobat Reader auf PS-Drucker sei sehr instabil.

Das neue Schrifterkennungsprogramm Inkwell komme ohne deutsche Lokalisierung und die für die Software notwendigen Wacom-Treiber liefen nur instabil. Mit Disk Copy gebe es spontane Abstürze, es sei der plötzliche Ausfall aller Drag-and-Drop-Operationen möglich. Die Auswahl der Bildschirmauflösung bei neuen PowerMacs funktioniere mit
DVI-Monitoren nicht.
Dies ist wohlgemerkt nur ein kleiner Ausschnitt aus den zahlreichen problematischen Punkten, die Marcel Bresink anführt. Er halte Jaguar nicht für ein schlechtes System, es sei nur als Build 6C115 einfach etwa einen Monat zu früh auf den Markt gekommen, was auch die mangelnde Unterstützung des Systems durch prominente Hersteller wie Hewlett-Packard, IBM oder Logitech beweise. Die Firmen hätten seiner Einschätzung zufolge nicht damit gerechnet, dass diese Version als Golden Master-Produkt auf den Markt komme. tha

0 Kommentare zu diesem Artikel
893080