Von Redaktion Macwelt - 29.12.2011, 07:34

Jahresrückblick: Das war 2011

April: Locationgate und ein weißes iPhone

iPhone, iPad und iPod Touch wissen, wo ihr Besitzer gewesen ist. Was für große Aufregung sorgt ist nur ein kleiner Bug in iOS

"Locationgate" um Ortsdaten auf dem iPhone

Das iPhone gerät im April in der Kritik, weil es ohne Wissen des Nutzers anscheinend Bewegungsdaten speichert. Die Aufregung ist jedoch ein wenig übertrieben, es handelt sich um gecachte Daten einer Datenbank, die Apple iOS-Geräten zur Ortsbestimmung zur Verfügung stellt. An Bewegungsprofilen ist Apple nicht interessiert, diese ließen sich auch nur von Dritten auslesen, wenn man ihnen Zugang zum eigenen Rechner gewährte. Ein iOS-Update schafft das Problem aus der Welt.
Die beiden Datenschutzexperten Pete Warden und Alasdair Allen werfen in einem Bericht Mitte April Apple vor, das iPhone speichere ab iOS 4.0 immer wieder den aktuellen Standort des Nutzers und sichere diese Daten in einem versteckten Protokoll. Zum Beweis haben die beiden das Programm iPhone Tracker geschrieben, mit dem jeder das vom iPhone gespeicherte Bewegungsprofil selbst auslesen kann. Theoretisch könnten dieses auch Dritte, sie müssten jedoch Zugang zu dem Rechner mit einem unverschlüsselten Backup des iPhones erhalten.
Die Ortsdaten werden beim Backup des iPhone per iTunes auf den PC oder Mac übertragen, wer sein iPhone-Backup stets verschlüsselt, gerät nicht in die Gefahr, dass etwa ein neugieriger Ehepartner mit iPhone Tracker interessante Informationen gewinnt. Das Programm "iPhone Tracker" reagiert auf verschlüsselte Backups nur mit einer Fehlermeldung.
Apple zieht laut des Forensik-Experten Levinson keine Daten von iPhone und iPad ungefragt von den Geräten der Nutzer, um diese auf eigenen Servern zu speichern.
Auch habe die von iPhone Tracker genutzte Datei consolidated.db schon vor iOS 4 exisitert, nur habe sie anders geheißen und sei auch von Forensikern schwer zu finden gewesen, widerspricht Levinson einer weiteren These von Allan und Wardman.
Laut Mac Rumors hat sich Steve Jobs kurz nach dem Beginn von "Locationgate" persönlich zu dem Thema per Mail geäußert, die er direkt von seinem iPhone versandte. Ein Leser der Site fragte Jobs per E-Mail: "Könnten Sie mir bitte die Notwendigkeit des passiven Location-tracking-Tools in meinem iPhone erläutern? Es ist etwas enervierend zu wissen, dass mein genauer Aufenthaltsort über die ganze Zeit aufgezeichnet wird. Vielleicht könnten Sie etwas Licht in die Sache bringen, bevor ich zu Google Android wechsle? Denn die tracken mich nicht."
Jobs habe nur kurz geantwortet: "Oh, doch, das tun sie. Wir tracken niemanden. Die in Umlauf gebrachte Information ist falsch."
Kurz darauf erklärt Apple offiziell Sinn und Zweck von consolidated.db in Form einer Frage-Antwort-Stellungnahme zur Affäre: "Apple speichert die Position des iPhones nicht." Auch das iPhone selbst speichere keine eigenen Positionsdaten. Die Daten seien ein Cache für die Ortung, die das iPhone von Apple herunterlade. Es handele sich um Apples Datenbank von Funktürmen und WLAN-Netzen. Das iPhone lädt Teile der Datenbank herunter. Die Koordinaten beschreiben also den Standort der umliegenden Funktürme und WLANs. Diese könnten etliche Kilometer entfernt sein, was seltsame Einträge in den Daten der Nutzer erklären würde. Das iPhone benutzt diese heruntergeladenen Daten laut Apple, um schneller die aktuelle Position finden zu können.
Dass Apple seit iOS 4 eine eigene Datenbank für die Ortung per WLAN nutzt, ist bereits seit Erscheinen des Systems bekannt. Apple sammelt zudem Informationen über WLAN-Standorte für diese Datenbank bei den Nutzern. Diese Informationen werden laut Apple jedoch anonymisiert übertragen und Apple können keinen Anwender konkret orten. Zudem gibt Apple zu, dass man anonymisierte, ortsbezogene Verkehrs-Daten sammle, um "in Zukunft verbesserte Verkehrsdienste anbieten zu können."
Apple geht auch auf den Punkt ein, warum das iPhone die Daten so lange im Speicher behält. Einige Anwender haben Ortungsdaten von über einem Jahr auf ihrem iPhone gefunden. Dies sei laut Apple ein Fehler. Eigentlich reiche ein Cache von einer Woche aus, so Apple. Mit einem kommenden Update will man das beheben. Auch sollte das iPhone keine Daten aus Apples Datenbank laden, wenn die Ortungsdienste vom Nutzer deaktiviert sind. Auch dies behebt das kurz darauf erscheinende Update iOS 4.3.3.

Apple wird 35 Jahre alt

Am 1. April 1976 haben Steve Jobs, Steve Wozniak und Ronald G. Wayne Apple in Cupertino gegründet. Mit dem Bausatz Apple I beginnt die Erfolgsgeschichte, die heute mit iPhone, iPad und Mac weiter geht.
Damit Steve Wozniak überhaupt zur Gründung einer eigenen Computerfirma bereit war, heuerte Steve Jobs Ronald G. Wayne als dritten Gründer an, Jobs kannte ihn von seiner Arbeit bei Atari. Steve Jobs war damals gerade einmal 21, Wozniak immerhin 25 - Wayne war fast 42 Jahre alt.
Wayne hat das erste Apple-Logo und die Unterlagen für den Apple I gestaltet und erhielt zu Beginn zehn Prozent Anteil an Apple. Nach weniger als zwei Wochen aber ließ sich Wayne auszahlen und erhielt für seine zehn Prozent Anteile gerade einmal 800 US-Dollar.
Grundlage für Apple war ein Auftrag eines örtlichen Händlers, der Apple-Rechner im Wert von 25.000 Dollar bestellt hatte. Jobs verkaufte ihm die Bausätze, bevor Wozniak sie mit einigen Helfern zusammenlöten konnte. Erst einige Monate später, am 3. Januar 1977, wurde Apple auch formell eine richtige, eingetragene Firma. Der frühere Intel-Manager Armas "Mike" Markkula half Jobs beim Konzipieren eines Geschäftsplans, investierte selbst über 90.000 Dollar und sicherte dem jungen Unternehmen einen Kredit über weitere 250.000 Dollar bei der Bank of America. Mit diesem finanziellen Polster im Rücken entstand die "Apple Computer Inc.", Markkula wurde zum ersten Präsidenten des Unternehmens und blieb starker Mann des Aufsichtsrates, bis Steve Jobs nach seiner Rückkehr zu Apple das Kontrollgremium komplett austauschte.
Im Jahr 2007 streicht Apple das "Computer" aus dem Firmennamen. Inzwischen ist das Unternehmen längst ein Konzern mit vielen Schwerpunkten geworden. In den 2000ern wird Apple immer mehr zum Hersteller und Anbieter von Unterhaltungselektronik und Medien, vor allem dank des iPhone. Eine Übersicht über die Geschichte des Macs und Apple in den Achtzigerjahren finden Sie auch in unserem ausführlichen Artikel "Die frühen Jahre des Macintosh".
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