Jahresrückblick: Das war 2011
August: Dieser Tag ist leider gekommen
Am 24. August besorgt die Nachricht vom Rücktritt Steve Jobs als Apple-CEO die Branche. Aus gesundheitlichen Gründen könne er dem von ihm gegründeten Unternehmen nur noch mehr als Chairman dienen. Sein Zustand ist jedoch weit ernster, als Apple einräumt. Währenddessen zeigen die Klagen gegen Samsung Wirkung.
Steve Jobs tritt zurück: "Unfortunatelly that day has come"
Steve Jobs gibt seinen Posten als Apple-CEO am 24. August auf und übergibt an den bisherigen COO Tim Cook. Jobs will Apple weiter als Chairman zur Verfügung stehen - doch werden ihm nur noch wenige Wochen bleiben.
Apple-Innovationen aus 12 Jahren
Als das erste große überarbeitete Apple-Produkt stellt der iMac mit seinen grellen Farben, durchsichtigem Monitor und Tastatur den Anfang der Zeitachse dar. Obwohl der iMac den Windows-basierten PC nicht überholen konnte, hat der iMac dennoch jede Menge erwünschter Veränderungen innerhalb der Computer-Industrie wie etwa die Abschaffung des Floppy-Disk-Laufwerks sowie USB-Anschlüsse ausgelöst. Noch wichtiger: der iMac hat den Wendepunkt für Apple eingeleitet, das nunmehr anfing sich darauf konzentrieren, sämtliche Energien auf Innovationen zu verwenden.
Mit dem iPod hat Apple seinen Ruf als die Comeback-Firma schlechthin fest in dieser Dekade verankert. Die erste Version spielte rund 1000 digitale Lieder ab und hat sogar Zufallswiedergabelisten unterstützt. Je ausgereifter der iPod jedoch wurde, desto mehr Geld hat Apple seinen Kunden abgeknöpft. Die letzte Variante des iPod Classic spielt für seinen Preis allerdings 40.000 Lieder ab, abgelegt auf einer Festplatte mit einem Gesamtspeicher von 160 GByte.
Mit dieser Technologie hat Apple das erste Mal den Abstecher in das Unternehmens-Segment unternommen. Als Steve Jobs vor acht Jahren den Xserve vorgestellt hat, zielte er allerdings eher auf kleine und mittelständische Unternehmen ab als auf Großunternehmen. Zudem zeigt der Xserve, dass Apple nicht nur ein Endverbraucherunternehmen ist, sondern eine Marke, die sich aggressiv über den IT-Markt ausdehnen will.
Die wichtigste Änderung bei diesen Geräten war sicherlich der Umstieg von IBM- auf Intel-Prozessoren. Das MacBook Pro ist das erste Produkte, das auf die Intel-Architektur umgestellt wurde, ein 15-Zoll-Laptop der einen Intel Core Duo Prozessor beinhaltet und bis zu 1 GByte Arbeitsspeicher schluckt. Einige Monate später hat Apple das erste MacBook vorgestellt, dessen Spezifikationen denen des MacBook Pros ähneln. Allerdings fiel es mit 13-Zoll etwas kleiner aus. Zu guter Letzt hat Apple das Trio mit dem MacPro vervollständigt, Apples erster Desktop-Computer mit Intel-Architektur.
An das Jahr 2007 werden sich noch lange viele User erinnern, denn es gilt als das Jahr, in dem Apple den Handy-Markt mit dem iPhone auf den Kopf gestellt. Apple's äußerst beliebtes iPhone wurde zum Prototypen für alle modernen Touchscreen-Smartphones und hat seitens der Nutzer hohe Anerkennung für die einfache Handhabung seines Betriebssystems und im täglichen Gebrauch erhalten. Der iPod Touch, der nahezu wie das iPhone aussieht, jedoch keine Telefonfunktion besitzt, wurde im gleichen Jahr herausgebracht.
Das MacBook Air gilt nicht gerade als revolutionäre Innovation wie etwa das iPhone oder der iPod, doch dient es als neues und schickes Produkt, mit dem Apple während der Entwicklung des iPads angeben konnte. Der große Aufmacher des MacBook Air war die Kampagne als Apples dünnstes und leichtestes Laptop. Das MacBook Air ist knapp 2 Zentimeter dünn und wiegt 1,36 Kilogramm.
Der Höhepunkt dieses Jahres ist zweifellos das Tablet iPad, ein Touchscreen-Computer, der knapp 25 Zentimeter in der Diagonale misst und somit in die Geräte-Kategorie zwischen Laptop und Smartphone fällt. Entscheiden Sie sich für diese zusätzliche Highspeed-Internet-Verbindungen, müssen Sie allerdings noch mit Provider-Gebühren rechnen; selbstverständlich ist das Gerät auch mit WLAN-Antenne ohne mobile Highspeed-Internet-Verbindung verfügbar. Es stellt sich allerdings die Frage, ob es - wie das iPhone - wirklich die Technikindustrie verändern wird. Oder wird es letztendlich doch nur auf eine weitere Innovation im Stil des MacBook Air herauslaufen, das die Kunden zu schätzen wissen, jedoch nicht gerade wie verrückt kaufen? In den nächsten Monaten werden wir es sehen.
Fast so sehnsüchtig erwartet, wie sein Vorgänger hat das iPad 2 der Tablet-Konkurrenz 2011 das Fürchten gelehrt. Gerade einmal 601 Gramm schwer und mit beachtlicher Rechenpower ausgestattet steht das iPad 2 momentan unangefochten an der Spitze der Tablet-Klasse.
Steve Jobs tritt nach 14 Jahren als CEO des von ihm mitbegründeten Apple zurück. COO Tim Cook, der seit Beginn der letzten Auszeit des kranken Jobs das Tagesgeschäft verantwortet hatte, folgt ihm als Firmenchef nach. Jobs bitte den Verwaltungsrat des Unternehmens zudem, ihn zum Vorsitzenden des Gremiums (Chairman) zu küren. Diese Position hatte es bei Apple zu diesem Zeitpunkt nicht gegeben.
Grund für Jobs Rücktritt sind dessen gesundheitliche Probleme sein. Im Jahr 2004 musste sich der Jobs einer Krebsoperation unterziehen, nach nur wenigen Monaten war er aber an seinen Schreibtisch zurückgekehrt. Von Januar bis September 2009 dauerte hingegen seine zweite Auszeit, in der er eine neue Leber transplantiert bekam. Seit Januar 2011 hatte Jobs erneut seinen Posten ruhen lassen, blieb aber nach eigenen Angaben in alle wichtigen Entscheidungen involviert. Zwei öffentliche Auftritte hatte er auch in der Zeit, zur Vorstellung des iPad 2 am 2. März und zur Eröffnung der Entwicklerkonferenz WWDC am 6. Juni.
Jobs erklärte seinen Rücktritt in einem öffentlichen Brief an den Verwaltungsrat und die Apple-Community mit den folgenden Worten:
An den Verwaltungsrat und die Apple-Community
Ich habe immer gesagt, dass ich es Euch als Erster wissen lasse, wenn der Tag kommt, an dem ich nicht mehr meinen Aufgaben und Pflichten als Apple-CEO nachkommen kann. Unglücklicherweise ist der Tag nun gekommen.
Ich trete hiermit als CEO von Apple zurück. Ich würde aber gerne - falls das Board damit einverstanden ist - als Chairman des Boards, Director und Apple-Mitarbeiter tätig sein.
Was meinen Nachfolger betrifft, empfehle ich wärmstens, dass wir unseren Nachfolgeplan einhalten und Tim Cook zum CEO von Apple ernennen.
Ich glaube, dass die besten und innovativsten Tage noch vor uns liegen. Und ich freue mich darauf, zuzusehen und zu Apples Erfolg in einer neuen Rolle beitragen zu können.
Ich habe einige der besten Freunde meines Lebens bei Apple kennengelernt und ich danke Euch für die vielen Jahre, in denen ich mit Euch zusammenarbeiten konnte.
Steve
In Apples Pressemitteilung erklärt das Verwaltungsratsmitglied und Chairman von Genentech Art Levinson, dass Jobs in seiner neuen Rolle als Verwaltungsratschef Apple "mit seinen einzigartigen Erkenntnissen, Kreativität und Inspiration" dienen werde: "Steves außergewöhnlicher Weitblick und Führungsstärke haben Apple gerettet und es zum innovativsten und wertvollsten Technologie-Unternehmen auf der Welt gemacht. Steve hat unzählige Beiträge zum Erfolg von Apple geleistet und seine Art hat Apples unglaublich kreative Mitarbeiter als auch das erstklassige Team an Führungskräften gefesselt und inspiriert. In seiner neuen Rolle als Aufsichtsratsvorsitzender wird Steve Apple auch weiterhin mit seinen einzigartigen Kenntnissen, seiner Kreativität und Inspiration zur Verfügung stehen."
Wie ernsthaft krank Steve Jobs zu diesem Zeitpunkt bereits ist, erfährt die Öffentlichkeit erst Ende Oktober in der autorisierten Biographie des Apple-Gründers von Walter Isaacson. Jobs habe es sich nicht nehmen lassen, den Aufsichtsrat persönlich zu informieren. Zur regulären Sitzung sei er jedoch heimlich auf das Gelände in Cupertino gefahren und im Rollstuhl in den Konferenzraum geschoben worden. Womöglich hat Jobs ein letztes Mal das "Reality Distortion Field" angewandt, um der Öffentlichkeit glauben zu machen, dass er noch einige Jahre beratend zur Seite stehen könnte. Stattdessen musste er sich zum Sterben zurückziehen.
Der Nachfolger: Wer is Tim Cook?
Nach dem Personen-Kult um Steve Jobs ist der Blick auf seinen Nachfolger besonders streng. Wir stellen den neuen Apple-CEO vor.
In der Öffentlichkeit hat Tim Cook bislang ein eher blasses und trockenes Image ¬- oder schlimmer: gar keines. Der 50-Jährige ist im Gegensatz zu seinem viel beachteten Vorgänger keine Bühnenpersönlichkeit, sondern gilt eher als sachlicher Lenker. Öffentliche Auftritte blieben bislang eher selten. Dabei wird sein Anteil am Erfolg Apples stets unterschätzt. Es war Cook, der Ende der Neunzigerjahre Apples Produktion und Logistik auf Effizienz trimmte. Er schaffte Apples eigene, teure und weit verstreute Fabriken ab und setzte stattdessen auf Auftragshersteller, eine klare Zuliefererpolitik und niedrige Lagerbestände. Damit trug er maßgeblich zur wirtschaftlichen Erholung des Unternehmens bei, die Gewinnmargen wuchsen deutlich.
Cooks Stärken
Seine Spezialität ist das operative Geschäft: Abläufe, Prozesse und Effizienz. Seit 2005 ist er deshalb COO (Chief Operating Officer). Er gilt als detailversessen und ist intern keineswegs so wenig profiliert, wie es von außen wirken mag. Das Magazin Fortune erzählt folgende Anekdote über den neuen Apple-Chef: Manager um Cook beraten über ein aktuelles Problem in Asien. "Das ist schlimm", sagt Cook. "Jemand sollte sich direkt in China darum kümmern!" Eine halbe Stunde später blickt er einem der Anwesenden ins Gesicht und fragt: "Warum sind Sie eigentlich noch hier?". Der Manager fährt angeblich direkt zum Flughafen und kauft sich ein Ticket ohne festes Rückflugdatum - so die Geschichte, die sich in den Neunzigerjahren bei Apple zugetragen haben soll.
Cook ist als Nachfolger von Steve Jobs als CEO zwar eine unspektakuläre, aber nahe liegende Entscheidung. Denn er hat bereits Erfahrung darin, Apple zu lenken: bei jeder der Erholungspausen von Steve Jobs war Cook derjenige, der in diesen Zeiten das Ruder in der Hand hatte. Dies war 2004 der Fall, 2009 und auch jetzt, seit Januar 2011 ist es Tim Cook, der sich auch als Interims-CEO um das Tagesgeschäft bei Apple kümmert.
In der Praxis des unternehmerischen Alltags wird dieser, jetzt offizielle Wechsel kaum einen Unterschied ausmachen. Bei all der Aufmerksamkeit auf Steve Jobs, dem alle Erfolge des Unternehmens persönlich zugeschrieben werden, ist Tim Cook einer der wenigen aus dem Management, der ein Stück aus Jobs‘ Schatten hervortreten konnte.
Cooks Schwächen
Trotz aller Detailverliebtheit: Beobachter zweifeln, ob Cook die Kreativität und den Blick für Design hat wie Steve Jobs. In einem Interview mit unseren Kollegen der Macworld sagte der Marktanalyst Roger Kay 2009: "Er ist nicht das kreative Genie. Auch wenn er ein guter Manager ist und Jobs den Rücken frei hält; er ist derjenige, der dafür sorgt, dass die Züge pünktlich fahren, nicht derjenige, der weiß wie die Züge in fünf Jahren aussehen sollen."
In der Öffentlichkeit hat Tim Cook bislang womöglich zu wenig Eindruck hinterlassen als man es von einer schillernden Firma wie Apple gewohnt ist. Cook übernimmt zwar Verantwortung und spricht im Namen Apples - dies bislang jedoch eher bei Anlässen wie der Telefonkonferenz anlässlich der Quartalsergebnisse, nicht bei öffentlichkeitswirksamen Keynotes zu neuen Produkten.
Dies ist aber nur die Metaebene, das Image der Firma. Auch wirtschaftlich muss sich Cook in seiner neuen Rolle beweisen. In der Vergangenheit konnte er dies bereits. Während des halben Jahres als Interims-CEO 2009 ist der Aktienkurs um rund zwei Drittel gestiegen. Auf die Meldung vom Rücktritt Steve Jobs‘ reagiert die Börse aber zunächst skeptisch: Am Tag nach der Rücktrittserklärung verliert Apple mehr als fünf Prozent seines Marktwertes.
Gute Aussichten
Die Zeiten umjubelter Auftritte sind nach dem Rücktritt von Steve Jobs wohl ein Stück weit vorbei. Cook oder ein anderer Nachfolger wird nie an das Image von Steve Jobs heranreichen - er wird aber auch nicht den Fehler begehen und es versuchen. Wirtschaftlich ist Apple offenbar in guten Händen und die Verantwortung für die Produkte war immer schon auf weit mehr Schultern verteilt als die Medien zu Zeiten von Jobs annahmen.
Timothy D. Cook in Zahlen:
Geboren: 1960 in Alabama
Studium: Arbeitsingenieurwesen (Bachelor 1982, Masterabschluss 1988)
Bei Apple seit: 1998
Frühere Stationen: 12 Jahre IBM, kurz bei Compaq
COO seit: 2005
CEO seit: 2011
Einkommen: 60 Millionen US-Dollar 2010 (inklusive Aktien-Boni für die Zeit als Interims-CEO). 2009: 1,6 Millionen Dollar
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