Jahresrückblick: Das war 2011
Juli: Der Löwe brüllt los
Ende Juli erscheint OS X Lion im Mac App Store, schon am ersten Tag zuählt Apple die erste Million Downloads. Gleich mit Lion vorinstalliert kommen neue Macbook Air und ein renovierter Mac Mini - beide ohne optisches Laufwerk.
Mehr als eine Million Lion-Downloads am ersten Tag
Mac-Anwender weltweit heißen am 24. Juli OS X Lion begeistert willkommen. Schon am ersten vollen tag habe Apple mehr als eine Million Downloads des neuen Mac-Betriebssystems gezählt.
Das bedeutet für Apple rund 30 Millionen US-Dollar Umsatz und für das Rechenzentrum, Datenmengen in Höhe von 3,5 Millionen Gigabyte bereitgestellt zu haben. Lion, die achte Version von Mac-OS X, ist wenig überraschend derzeit die umsatzstärkste App im Mac App Store, 9300 Bewertungen mit einer Durchschnittsnote von 4,5 Sternen hat das neue Mac-OS X von seinen Nutzern bisher bekommen. Derzeit ist Lion nur als Download in 123 Ländern der Erde erhältlich, im August will Apple auch eine Version auf USB-Stick für 69 US-Dollar oder 59 Euro in den Handel bringen.
Gesten: Eine der wichtigsten Verbesserungen ist die umfassendere Unterstützung von Trackpadgesten. Apple trägt hier den Verkaufszahlen der Macbooks Rechnung. Wer unter Lion mit der Maus arbeitet, ist fast im Nachteil. Vieles kann man per Multitouch-Geste steuern und so mit drei oder sogar vier Fingern über die großen Trackpads wischen.
Mit diesen Gesten kann man beispielsweise zwischen Vollbildanwendungen blättern oder vom Desktop zu Dashboard wechseln.
Mission Control: Dieser eigentümliche Name steht für eine Erweiterung der Fensterübersicht Exposé. Hier sieht man nicht nur Fenster, sondern auch offene Programme und Arbeitsbereiche auf einen Blick. Mission Control kann man ebenfalls schnell per Geste aufrufen.
Launchpad: Für eingefleischte Mac-Veteranen ein glatter Affront: Eine Programmübersicht zum Durchblättern von "Apps", die von der Oberfläche des iPhone inspiriert ist. Nüchtern betrachtet ist Launchpad aber nur eine weitere Möglichkeit um Programme zu starten – und dabei nicht einmal eine schlechte.
Adressbuch: Auch das Adressbuch von Lion bekommt einen natürlicheren Anstrich, der ebenfalls ein optischer Schwenk näher zu iOS ist.
iCal: Apple Kalender hat einen neuen Anstrich bekommen und ähnelt jetzt dem iPad-Kalender sehr.
Air Drop: Eine neue, ganz einfache Methode des Dateiaustauschs. Ein Klick auf den entsprechenden Reiter im Finder sucht nach umliegenden Macs mit Lion. Die Technik nutzt eine Adhoc-WLAN-Verbindung. Dafür ist kein Router und kein Netzwerk nötig. Leider müssen alle Beteiligten aktuell ein Air-Drop-Fenster offen haben, damit man sich findet.
Air Drop: Der Versand und auch…
… das Empfangen von Dateien per Air Drop ist spielend leicht.
Mail: Apple Mailclient zeigt jetzt auch zusammenhängende Mails auf Wunsch gemeinsam an. Zudem hat sich die Oberfläche von Mail deutlich verändert.
Mail: Die Spalte mit der Postfachübersicht (hier ganz links) wird standardmäßig ausgeblendet – wohl um Platz zu sparen. Man erreicht die wichtigsten Bereiche auch über die Buttons in der Leiste darüber.
Filevault: Neu ist auch die Verschlüsselung der gesamten Festplatte. Dies sollte für mehr Sicherheit sorgen.
Sticks verschlüsseln: Unter Lion kann man jetzt auch USB-Laufwerke wie Sticks verschlüsseln.
Backups verschlüsseln: Auch die Backups via Time Machine sind jetzt mit einem Kennwort verschlüsselt.
Rettungspartition: Sollte das System einmal spinnen, kann man von einer Not-Partition booten und hat die üblichen Rettungstools zur Hand.
Versions: Dies ist eine besonders wichtige und praktische neue Funktion: eine automatische Versionierung für Dokumente. Es ähnelt in der Praxis Time Machine – nur für einzelne Dateien. So kann man alle Versionen des Dokuments in der Übersicht sehen und wiederherstellen. Anwendungen müssen dies aber unterstützen, sonst funktioniert Versions nicht.
Versions: Man sieht des Versions-Status oben im Titel der Anwendung. Dort ruft man auch das entsprechende Menü auf, um alle Versionen zu sehen, die aktuelle Version zu sperren etc. Jetzt muss man auch nicht mehr manuell speichern, bevor man ein Programm schließt. Dies kann nun automatisch geschehen, wenn das Programm dies unterstützt.
Finder: Die Seitenleiste des Finders hat sich nicht nur optisch verändert. ganz oben findet man nun eine Datenbankübersicht über alle bestimmten Dateitypen auf dem Rechner…
… wer dagegen manuell durch Laufwerke und Ordner wühlt, der muss jetzt viel scrollen. Apple hat die Übersicht über Geräte, Laufwerke und andere physische Medien ganz nach unten gelegt – bislang stand sie ganz oben.
Safari: Im Browser Safari hat Apple jetzt eine Markierungsfunktion integriert. Damit kann man Artikel ablegen, um sie später zu lesen. Hier hat sich Apple bei Drittanbietern wie "Read it later" inspirieren lassen.
Safari: Wie früher kann man immer noch per Geste vor- und zurückspringen. Jetzt ist dies jedoch bedeutend schöner und praktischer animiert: Safari schiebt volle Screenshots der entsprechenden Seite ins Bild.
Safari: Auch Safari hat jetzt einen Vollbildmodus. Dies lässt bei vielen Webseiten aber einen großen weißen Rand entstehen.
Safari: Um den Vollbildmodus zu verlassen, muss man oben die Menüleiste aufrufen und klickt rechts auf das Vollbildsymbol.
Facetime: Unter 10.6 Snow Leopard musste man Facetime noch nachkaufen, bei Lion ist es mit dabei.
Spotlight: Sehr schön – die Suche Spotlight zeigt jetzt schon eine Vorschau des Suchergebnisses, wenn man darüber fährt. Dies funktioniert nicht bei allen Dateien.
Spotlight: Eine weitere Verbesserung in Spotlight: Man kann jetzt schon suchen, während Spotlight die Festplatte noch indiziert.
Java: Apple liefert die Java-Umgebung nicht mehr mit. Wer entsprechende Programme nutzen will, muss Java nachladen und installieren. dies passiert aber automatisch.
Erst nach der Installation von Java kann man entsprechende Programme nutzen.
Nicht alles funktioniert unter Lion. Diese Systemeinstellung, die USB-Massenspeicher, die in Belkin-Router stecken, mountet, ist unter Lion ohne Funktion. Gerade Treiber, Systemerweiterungen und ähnliche Software ist anfällig, unter einem neuen System nicht mehr zu funktionieren.
PPC-Software: Mit Lion kommt das Ende von Rosetta und damit auch von alter PowerPC-Software. Nur Intel- und Universal-Programme funktionieren unter Lion.
Auch Laufwerkstreiber haben es unter Lion schwer. Weder USB 3.0-Treiber noch der NTFS-3G-Treiber, der das Windows-Dateisystem nutzen kann, funktionieren unter Lion.
Bestätigt: Lion ohne Rosetta
Was Entwicklerversionen vermuten lassen, bestätigt sich mit der finalen Fassung von OS X Lion: Apple verzichtet auf Rosetta im neuen Betriebssystem. Software für Power PC lässt sich nicht mehr unter Lion nutzen - fünfeinhalb Jahre nach dem ersten Intel-Mac.
"Rosetta. Eine faszinierende Technologie, die Sie niemals sehen" - mit diesen Worten wirbt Apple bis Juli auf seiner Homepage für sein Zwischenglied, einen "Dynamic Translator", der G3, G4 und AltiVec-Instruktionen für die Ausführung unter Mac-OS X auf Intel-Macs interpretiert. So können User auch ihre älteren Power-PC-Programme wie Microsoft Office 2004 noch auf den neueren Intel-Macs (seit 2006) laufen lassen. Von dem Prozess selbst bemerkt der Anwender nichts, Rosetta verfügt über keine grafische Benutzeroberfläche (GUI), allerdings sind die Rosetta-Programme im Vergleich fühlbar langsamer als native Applikationen für Intel-Macs.
Rosetta ist nach dem berühmten Rosetta-Stein benannt, der die Entzifferung und Übersetzung der ägyptischen Hieroglyphen ermöglichte. Schon Mac-OS X 10.6 Snow Leopard installierte Rosetta nur noch auf ausdrücklichen Wunsch des Users. Nun hat offenbar die endgültige Totenglocke für Rosetta auf dem Mac geschlagen, denn es ist nicht damit zu rechnen, dass Apple dieses spezielle Bindeglied zu den ausgelaufenen Power-PC-Macs noch nachträglich in Lion implementiert.
Unser Schwestermagazin Macworld gibt derweil Ratschläge, wie man mit dieser Situation am besten umgeht: Entweder richtet man sich einen Dual-Boot-Mac ein, so dass man auch noch unter Mac-OS X 10.6 oder kleiner alternativ zu Lion starten kann. Oder man verzichtet schlicht auf ein Update auf Mac-OS X 10.7. Man könnte sich auch bei Apple über die Einstellung von Rosetta beschweren, so wie früher bei Hypercard oder Apple Works - was freilich nichts gebracht hat, Apple ließ sich auch hier nicht erweichen. Schließlich könnte man wie bei Quicken parallele Windows-Software auf dem Mac in einer Virtualisierungsumgebung wie Parallels oder VMware Fusion ausführen oder gleich in Boot Camp starten. Apple selbst empfiehlt auf seiner Rosetta-Site schlicht, wo immer möglich auf die aktuellen Versionen umzusteigen - und nennt als Beispiel eigene Produkte wie Final Cut Pro, Motion, Soundtrack Pro, DVD Studio Pro, Aperture, Logic Pro, Logic Express und Final Cut Express, die zumindest als Universal Binaries vorliegen ...
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