Von Redaktion Macwelt - 31.12.2011, 07:39

Jahresrückblick: Das war 2011

Juni: The Show Must Go On

Steve Jobs selbst führt durch die Keynote der WWDC, auf der Apple iOS 5, iCloud und OS X Lion im Detail zeigt. Tags darauf sollte der letzte öffentliche Auftritt des Apple-Gründers folgen.

WWDC 2011: iCloud kostenlos, iOS 5 kappt Kabel, Mac-OS X Lion nur im Mac App Store

In ungewöhnlicher Weise hatte Apple das Programm für seine Entwicklerkonferenz WWDC Anfang Juni in San Francisco bereits mehr als eine Woche vorher verraten: iOS 5, Lion und iCloud sollten Thema der Veranstaltung werden und insbesondere auf der Keynote zur Eröffnung auf dem Programm stehen. Steve Jobs, der zum letzten Mal auf einer Apple-Präsentation auftreten sollte, lässt aber mit seinen Mitstreitern aus Apples Top-Management so mache Überraschung auf das Publikum los: iCloud kostet nichts, iOS 5 lässt iPad und iPhone auch ohne Rechner existieren und Lion kommt über den Mac App Store zum Kunden und nicht mehr auf Installations-DVD.
Jobs gibt der fast zweistündigen Keynote im Moscone Center nicht viel mehr als den Rahmen und überlässt die meiste Zeit anderen Top-Managern Apples wie Phil Schiller und Scott Forstall die Bühne. Neue Hardware gibt es anders als zu den letzten WWDCs keine - das neue iPhone sollte erst im Oktober den Weg in die Öffentlichkeit finden.
Die von Apple vorgestellte neue Infrastruktur, die den "Digital Hub" vom Mac in die Cloud verlegen sollte, legt aber den Grundstein für das nächste Jahrzehnt - die Nachrichten aus San Francisco sind daher wichtiger als es ein neues Telefon sein könnte, das schon ein Jahr später einen Nachfolger bekommen würde.

Apples Cloudservice iCloud ist kostenlos - sieht man von dem Service iTunes Match ab, der für 25 US-Dollar im Jahr selbst gerippte Songs rechtlich gleichwertig mit im iTunes Store gekauften Liedern macht und so komplette Musikbibliotheken über alle Geräte eines Nutzers abgleichen lässt. iOS 5 wird "PC Free", wie Apple das nennt: Da immer mehr Kunden den Wunsch haben, iPad oder iPhone als einzigen Computer zu nutzen, entfällt die Notwendigkeit der Synchronisation mit iTunes - das iOS-Gerät lässt sich ohne Zentralinstanz einrichten, aktivieren und aktualisieren, Backups von Geräten in iCloud anlegen und von dort wieder herstellen. Das nächste OS X schließlich verzichtet auf einen Datenträger und kommt nur über den Mac App Store - die satten 4GB kosten dafür aber nur 24 Euro. Im September bringt Apple noch einen USB-Stick mit dem System heraus, für den man aber 60 Euro auf den Ladentisch legen muss.

Zehn Kern-Features für Mac-OS X Lion

Über 54 Millionen Menschen haben weltweit einen Rechner mit Mac-OS X in Betrieb, es werden stetig mehr. Mit OS X 10.7 Lion hofft Apple auf eine weiter größer werdende User-Basis. Bereits seit Oktober 2010 sind einige der Neuerungen des Mac-Betriebssystems bekannt, etwa die von iOS übernommenen Multitouch-Gesten, der Vollbildmodus für Programme und Mission Control, das als zentraler Zugang zu allen Programmen, Fenstern und Dokumenten dienen soll. Neu gewöhnen müssen sich Mac-Anwender auch an ein Scrolling, das Lion von iOS abgeschaut hat: Scrollbalken erscheinen nur noch, wenn sie benötigt werden, die Inhalte des Fensters laufen träge nach. Apple bezeichnet die Standardeinstellung der Scrollrichtung als "natürlich": Nicht mehr der Scrollbalken folgt der Bewegung, sondern der Inhalt. Das ist gewöhnungsbedürftig, aber in den Systemeinstellungen umkehrbar.
Apps kommen schon seit Januar optional über den Mac App Store auf den Mac, in Lion ist der digitale Vertriebskanal eine der wesentlichen Neuerungen. Schon jetzt ist der Mac App Store laut Apple die Hauptbezugsquelle für Mac-Software und steht in den USA vor den Distributoren Best Buy, Walmart und Office Depot. Der Mac App Store bekommt mit Lion nun auch die Möglichkeit des In-App-Kaufes.

iOS Vorbild für Lion

Seine Programme kann man zwar nach wie vor über den Finder oder das Dock aufrufen, doch Lion bietet mit Launchpad einen ähnlich intuitiven Zugang wie es auf iOS-Geräten der Fall ist. Und ebenso vom iOS "zurück auf den Mac" ist "Resume" gekommen: Schließt man ein Programm oder schaltet den Mac ab, beginnt die Software beim nächsten Start genau dort weiter zu arbeiten, wo man sie zuletzt verlassen hatte. Zusammen mit Auto Save - dem automatischen Speichern während der Arbeit - kann Lion nun eine Versionierung anbieten - der Nutzer kann bequem zu früheren Fassung seines Dokuments zurückkehren. Diese Versionierung ist in einem Ausklappfenster des Dokumentes integriert, über das man zur zuletzt geöffneten Fassung kommt, oder durch frühere Versionen sich hangelt oder eine finale Fassung vor dem Überschreiben sichert oder ein Duplikat anlegt.
Air Drop nennt Apple eine Lion-Funktion, die eine Art Fortsetzung des "Turnschuhnetzes" ist: Man läuft etwa mit seinem Macbook in der Hand zum Arbeitsplatz des Kollegen und kann so einfach drahtlos Dateien austauschen, in dem man sie per Air Drop auf den anderen Rechner ablegt. Eine Konfiguration sei nicht nötig, die Macs würden sich automatisch erkennen, verspricht Phil Schiller. Die Rechner müssen jedoch die neueste WLAN-Hardware eingebaut haben und sollten daher nicht älter als zwei Jahre sein, um Airdrop nutzen zu können.

iOS 5 mit 200 neuen Funktionen

Das iPad 2 schreibt die Erfolgsgeschichte des Tablets fort: Im Juni allein dürfte Apple mehr als fünf Millionen Geräte verkauft haben. Insgesamt habe man nun 25 Millionen iPads an den Kunden gebracht. Im App Store stehen nun 425.000 Apps bereit, davon 90.000 für das iPad optimierte.
Das kommende Betriebssystem für iPad und iPhone iOS 5 erhält 200 neue Funktionen, von denen Apple auf der WWDC zehn zeigt. Von den Entwicklern mit Jubel angenommen ist das Notification Center, das die Push-Nachrichten aller Apps sammelt und dem Nutzer so auf einen Blick präsentieren kann - Push-Notifications müssen nun auch nicht mehr länger stören, um wahr genommen zu werden. Animationen tauchen nun in anderen Apps auf, die langsam aus dem Blickfeld verschwinden - Im Notification Center sind sie dann alle nach Apps geordnet präsent.

Für Zeitungs- und Zeitschriftenverleger interessant ist der Zeitungskiosk oder Newsstand, der elektronische Publikationen präsentiert. Im Design ähnelt der Newsstand dem App Store und der Bücher-App iBooks.
Twitter integriert Apple nun in seine Apps Camera und Photos. Bilder kann man so nun einfacher seinen Followern präsentieren.

Safari wird einige Funktionen erhalten, die das Lesen auf mobilen Geräten erleichtern. "Reader" packt etwa Artikel auf eine Seite, die sich dann auch als ganzes per Mail verschicken lässt. Über "Reading List" wählt man Artikel zum späteren Offline-Lesen aus: Diese Funktion sollen auch die Mac- und Windows-Fassungen von Safari erhalten.

Neues Mail, schnellere Kamera-App

Unter den Herstellern von Apps mit Erinnerungsfunktionen dürfte sich Apple mit der neuen iOS-Funktion "Reminders" jedoch wenige Freunde gemacht haben. Die eigenen Reminders kann iOS 5 auch an die Ortsinformation koppeln, das iPhone erinnert einen also daran etwas Bestimmtes zu tun, wenn man einen bestimmten Ort erreicht oder verlässt.
Schneller und besser wird die Kamera des iPhone 4 durch die Kamera-App, verspricht Apples iPhone-Chef Scott Forstall. Mit einem Doppelklick auf den Home-Button lässt sich die App starten, mit dem Lautstärkeregler (Volume +) kann man den Auslöser betätigen.
Mail bekommt nun die Fähigkeiten, Texte umfangreich zu formatieren und eine Volltextsuche. Unternehmenskunden profitieren von der Unterstützung des Formats S/MIME, Mail erkennt nun auch Zertifikate. Das von iBooks bekannte Wörterbuch steht nun systemweit zur Verfügung, ein Tipp auf ein Wort in Mail gibt Erklärungen für dieses aus. Die Tastatur lässt sich nun beliebig auf dem Bildschirm platzieren, hat man sie in einer App verschoben, gilt das auch für alle anderen Programme. Optional lässt sich die Tastatur auch in zwei Teile aufsplitten.
Den bis dahin größten Jubel löst jedoch die Nachricht aus, dass iPhone und iPad ab iOS 5 auch ohne Computer auskommen können. "PC Free" heißt das Schlagwort für diejenigen, die ihr iPad oder ihr iPhone als einzigen Rechner verwenden wollen. Setup und Aktivierung gelingen nun direkt am Gerät, Softwareupdates kommen drahtlos. Kalender lassen sich nun direkt am Gerät löschen, bisher musste das an Mac oder PC geschehen. Damit die Datenmenge kleiner wird, installiert iOS 5 nicht mehr das gesamte Programm in neuer Version, sondern setzt auf Delta-Updates.

iCloud statt digitaler Hub

Im Januar 2001 hatte Apple das Konzept des "digital Hub" postuliert, in dem der Mac als zentrales Gerät für die Verwaltung von Fotos, Musik, Videos und anderen Daten, die auf mobilen Geräten aller Art enthalten und erzeugt wurden, dient. In den letzten zehn Jahren haben sich die Geräte jedoch radikal geändert, der Mac ist nun selbst nur noch ein Gerät unter vielen. Der neue Ansatz lautet nun "iCloud": iPad, iPhone und Mac beziehen ihre synchronisierten Daten aus der Cloud. "iCloud stores your content and wirelessly pushes it to all your devices," beschreibt Apple die neue Zentrale. Im Cloud-Computing hat Apple bereits die ersten Erfahrungen hinter sich und wie Steve Jobs selbstkritisch bekennt, bisher nicht "die beste Seite" Apples mit Mobile Me gezeigt. So geht Mobile Me nun in iCloud auf, nimmt dabei das bisher kaum nennenswerte iWork.com mit und ergänzt mit iTunes in der Cloud das Angebot, das im Hintergrund Daten aller Art automatisch zwischen allen Geräten abgleichen soll.
Änderungen etwa von Kontakten und Terminen werden in der Cloud gespeichert und auf alle Geräte synchronisiert, gemeinsam genutzte Kalender werden auf mehreren Geräten aktualisiert - etwa dem eigenen iPhone und dem der Gattin. Bis dahin sind das keine großen neuen Funktionalitäten, nur soll es diesmal besser klappen als mit Mobile Me, das bei seinem Start als .Mac-Nachfolger vor drei Jahren massive Startprobleme hatte. Anders als Mobile Me ist iCloud kostenlos.
Seine größte Stärke verspricht iCloud mit iTunes in the Cloud. Kauft man einen Song auf dem iPhone und speichert ihn in der Cloud, erhält man ihn auch gleich auf seine anderen Geräte geliefert. Den Download auf die anderen Geräte muss man nicht mehr extra bezahlen, der automatische Download lässt sich auch pro Gerät deaktivieren. Bis zu zehn Geräte lassen sich in einem iCloud-Account dafür zusammenfassen.
Auch an Musikfans, die ihre digitale Sammlung von CD selbst gerippt haben, hat Apple gedacht. Mit der Software iTunes Match sollen auch diese Tracks wie die im iTunes Store gekauften behandelt werden und in den Genuss der automatischen Synchronisation über iCloud kommen. iTunes Match ist jedoch nicht kostenlos, Apple verlangt 25 Euro im Jahr.
iCloud bietet 5 GB Speicher für Mail, Dokumente und Backups, die über die Cloud geteilten Songs und Fotos zählen hier nicht mit.
iTunes Match startet in den USA mit Verspätung Anfang November, in Deutschalnd, Großbritannien, Spanien, Frankreich, Irland und Australien ist es Mitte Dezember endlich so weit. Documents in the Cloud funktionieren bis Jahresende aber nicht einmal mit Apples eigenen iWork-Programmen.
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