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Jailbreak II: Das Wettrennen der Panzerknacker

29.01.2008 | 10:23 Uhr |

Es herrscht Streit in der Hacker-Szene: Unter den verschiedenen Bastlern, die iPhone und iPod touch für Drittanwendungen aufbohren, ist ein Wettkampf um die bessere, die schnellere und die einzige rechtlich einwandfreie Lösung ausgebrochen.

Auf eine erste Jailbreak-Methode, die der Hacker NateTrue ohne die Erlaubnis seiner Kollegen aus dem iPhone-Elite Team und den iPhone/iTouch Dev-Gruppen veröffentlicht hatte, folgt nun eine zweite, die das dev team iPhone am Wochenende veröffentlicht hat. Sie soll keine illegalen Methoden verwenden, NateTrue hingegen ist in hohem Bogen aus dem erlauchten Kreis der offiziell inoffiziellen iPhone-Hacker geflogen. Apple dürfte der aktuelle Vorstoß allerdings noch weniger schmecken als alle anderen davor: ein Jailbreak-geknackter iPod enthält inzwischen alle neuen Programme, die Apple auf der Macworld Expo neu vorgestellt hat und eigentlich für 18 Euro verkaufen möchte.

Am vergangenen Sonntag war es dann doch soweit , das iPhone Dev-Team brach mit den eine Woche zuvor noch geäußerten Vorsätzen und veröffentlichte eine Jailbreak-Methode für iPhone und iPod touch in Version 1.1.3. Die Vorgehensweise unterscheidet sich etwas von der des inoffiziellen Vorgänger-Hacks, die Software wird direkt auf den Geräten ausgeführt. Gleich bleiben allerdings die Probleme: etwa arbeitet die Lokalisierungsfunktion in Maps mit dem unangetasteten Baseband (die Firmware des Modems) nicht ohne weiteres zusammen und auch auf Grund anderer Details kann einige Nacharbeit nötig sein ( Link in französischspr. Forum ). Auch dürfte es für die meisten Besitzer eines bereits geknackten Telefons nur wenig sinnvoll sein, das Update überhaupt durchzuführen: Auf Grund einer Änderung Apples an der Rechteverwaltung lassen sich einige Programme von Drittherstellern gar nicht mehr einsetzen (Applikationen werden jetzt vom Benutzer "mobile" ausgeführt, der keine Administratorrechte besitzt). Wer iPhone oder iPod touch noch nicht geknackt, aber bereits auf Version 1.1.3 aktualisiert hat, den erwarten vor dem Jailbreak ohnehin eine Menge zusätzlicher Schritte : die aktuelle Methode setzt unter anderem ein bereits Jailbreak-befreites Gerät mit Firmware 1.1.2 voraus. Ein Problem bleibt zudem die Illegalität der Vorgehensweise, die zumindest beim iPod unbestritten sein dürfte. 18 Euro muss der Anwender für die auf der Expo vorgestellten Programme zahlen, die den iPod dem iPhone näher bringen. Allerdings befinden sie sich mit dem Firmwareupdate auf Version 1.1.3 bereits auf ihrem Gerät und die Lizenzierung bei Apple sorgt ausschließlich für ihre Aktivierung. Nach einem Jailbreak werden die Programme ebenfalls angezeigt - ohne, dass der Anwender dafür auch nur einen Cent gezahlt hat. Ärgerlich ist das gewiss für Apple. Ärgerlich kann das aber auch für Anwender sein, die ihren iPod touch lediglich um ein paar Funktionen erweitern oder ihn gar zu einem SIP-Telefon umrüsten wollen: Sie wollen die neuen Programme vielleicht gar nicht und schon gar nicht auf diesem Wege - und bekommen sie beim Jailbreak ungewollt nebenbei. Ein gut gemeinter Hinweis deshalb: Wer seinen iPod unbedingt knacken will, der kann seine neuen Apple-Programme trotzdem im iTunes Store kaufen und dort bezahlen, im Sinne des Rechts und der Entwickler. Apple muss auf Grund der rechtlichen Lage in den USA dafür sorgen, dass ein verkauftes und bereits in den Unternehmensbilanzen aufgetauchtes Gerät nicht im Nachhinein neue Funktionen erhält (Sarbanes-Oxley Act). Dass der Hersteller für die neuen Programme des iPod touch allerdings gleich 18 Euro verlangt, zeigt, dass es sich nicht nur um eine symbolische Abgabe handelt, sondern der Hersteller durchaus daran verdienen will. Insofern dürfte das Update auf Version 1.1.4 nicht allzu weit entfernt sein und das Rennen um einen funktionierenden Hack bald von vorne beginnen. Von der Lizenzierung des kommenden SDK und den damit verknüpften Bedingungen dürfte allerdings abhängen, wie viele "Panzerknacker" sich bald noch am Jailbreak-Wettrennen beteiligen. Dass es immer jemanden geben wird, der auch über rechtliche Bedenken hinweg Hacks veröffentlicht, zeigt die aktuelle Geschichte - vor allem, wenn ein solcher Vorstoß auf das breite Interesse der Anwender stößt. Bild: Tony Peters, "Seligman, AZ - Mock Arizona Jailhouse". Some rights reserved. Flickr

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