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Mozilla und Skype setzen sich für legales iPhone-Jailbreak ein

19.02.2009 | 12:57 Uhr |

Mozilla und Skype schließen sich jetzt der Klage der Bürgerrechtsorganisation EFF (Electronic Frontier Foundation) vor dem US-Urheberrechtsamt an. Demnach soll das DMCA (Digital Millenium Copyright Act) für das iPhone eine Ausnahme genehmigen und Jailbreak von iPhones zulassen

Bei Erfolg dieses Antrags könnte Apple nicht mehr wegen DMCA-Verletzung klagen, wenn die Apples Sicherheitsvorkehrungen im iPhone durch Modifikationen von Apples iPhone-Software ausgehebelt werden, solange dies nur "zum Erweitern der Interoperabilität" (Zitat aus EFFs Klage ) geschieht, berichtet Appleinsider .

Wenn EFFs Klage statt gegeben wird, können iPhone-Besitzer einfacher Software aus Nicht-Apple App Stores laden. Das schließt auch das Dienstprogramm zum Laden von Jailbreak-Software von Cydia ein. Auch Cydia hat seine Unterstützung der Klage ausgesprochen.

Was spricht für den legalen Einsatz von Jailbreak?

Anwender können mit frei verfügbarer Software ohnehin bereits Apples Sicherheitssystem umgehen und Programme installieren, die nicht in Apples App Store angeboten werden, wie Raubkopien oder Malware zum Überschreiben aller grundlegenden Sicherheitsfunktionen. Dank Jailbreak-Programmen und freigeschalteter Firmware wird es immer schwerer für Apple, zuverlässige Software-Updates zur Verfügung zu Stellen. Modifizierte iPhones können ein Update fehlschlagen lassen und schlimmstenfalls total funktionsunfähig enden, bis es auf seinen Originalzustand zurückgesetzt wird.

EFFs Anwalt Fred von Lohmann bezeichnet Apples Argumente gegen die Ausnahmeregelung als "reine Marketingstrategie durch Furcht, Ungewissheit und Zweifel". Apple hält dagegen, dass eine Ausnahmeregelung völlig unnötig ist, das DCMA ohnehin bereits die Umgehung der Sicherheitsbeschränkungen zum Erweitern des Funktionsumfanges erlaubt. Hinter der Klage vermutet Apple lediglich eine Attacke auf Apples App Store, da EFF nicht beweisen kann, dass legalisiertes Jailbreak wirklich zu technischen Neuentwicklungen führt.

Mozilla und das iPhone

Mozilla ist überzeugt, dass Apple keine Mobil-Version von Firefox auf dem iPhone zulassen will. Laut Mozillas Auslegung des iPhone Software-Entwicklungs-Kitts (SDK) sind alternative Porgrammausführungen nicht zulässig. Fakt ist, dass Mozilla weder versucht hat, seine Firefox-Version Fennec fürs iPhone anzupassen, noch Apple eine solche Version offiziell abgelehnt hat.

John Lilly, Geschäftsführer von Mozilla, geht im Interview mit der Computerworld noch einen Schritt weiter. "Ich glaube nicht, dass Firefox auf das iPhone zugelassen wird, noch nicht einmal wenn die Klagen zur Ausnahme von DCMA erfolgreich ist.", sagt Lilly. Apple hat in seiner Stellungsnahme zur Klage beim Urheberrechtsamt bereits richtig gestellt, dass Anwendungen, die der Spezifikation des SKDs entsprechen, in Konkurrenz zu Apples Eigenentwicklungen zugelassen werden. Apple listet einige Browser auf, von denen die meisten zwar mehr oder weniger nur neue Benutzeroberflächen für Safari sind, aber wenigstens ein Webbrowser ( Anonymous Web Browser mit Blackout ) basiert auf seiner eigenen Webkit Rendering Engine..

Skype und das iPhone

Skype schließt sich der Klage an, weil seiner Ansicht nach "Urheberrecht-Gesetze nicht missbraucht werden dürfen, um den Einsatz von Skype für billige Ferngespräche zu verhindern." Dabei lässt Apple VoIP-Anwendungen auf dem iPhone zu, solange sie WiFi verwenden. In Apples App Store stehen bereits eine ganze Auswahl von VoIP-Programmen zur Verfügung, aber Skype bietet bisher noch keine iPhone-Version seiner Software an.

Viel Lärm um nichts?

Auch eine Ausnahmegenehmigung für Jailbreak auf dem iPhone kann Apple nicht davon abhalten, die Vertreiber und Programmierer von modifizierter Software wegen Urheberrechtsverletzung zu verklagen. DCMA wird lediglich die Umgehung von Sicherheitsmaßnahmen bei Anwendung von urheberrechtlich geschütztem Material regulieren. Nur weil es dann einfach verfügbar ist, erlischt nicht etwa der Urheberrechtsschutz. Apples Software und Apples SDK stehen unter Lizenzen, die jegliche Modifikation durch Dritte verbieten. Mit der Ausnahmeregelung würde es lediglich schwerer für Apple, Raubkopien und Malware effektiv zu bekämpfen.

Apple hat bisher noch nicht einmal angekündigt, gegen Personen oder Gruppen bezüglich Jailbreak wegen DCMA-Verletzung vorzugehen. Dank dem kontinuierlichen Ausbau des Apple App Stores und der Freigabe des iPhone 2.0 SDKs hat das Interesse an Jailbreak deutlich nachgelassen.

Dennoch wird Apple in der Jailbreak-Klage nicht einfach einlenken. Legales Jailbreak erleichtert Urheberrechtsverletzungen und verführt iPhone-Besitzer zum Entfernen der Sicherheitssperren. Apple sieht die Gefahr, dass Raubkopien und modifizierte Firmware dem App Store, den legalen Entwicklern und dem Ruf des iPhones zuviel Schaden zufügen werden.

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