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Jailbreaking legal - aber nur für das iPhone

29.10.2012 | 09:34 Uhr |

Die US-Nationalbibliothek klassifiziert das iPad als ein völlig anderes Gerät als das iPhone ein und gibt keine Ausnahmeregelung dafür frei. Andererseits wird ab nächsten Jahr eine weitere Ausnahmegenehmigung zurückgenommen: Ab Januar 2013 gekaufte Smartphones dürfen nicht mehr von Anwendern freigeschaltet werden.

Zwar gibt Apple auch weiterhin Jailbreak nicht seinen Segen, aber auch nach Verschärfungen von Gesetzen ab dem 28. Oktober 2012 in den USA bleibt Jailbreak für das iPhone noch legal . Wohlgemerkt: Für das iPhone - aber keineswegs für das iPad . Die scheinbar widersprüchliche Entscheidung wurde von der US-Nationalbibliothek (Library of Congress, LOC) getroffen, die Ausnahmen zum DMCA zulässt, dem Gesetz zur Regelung von Urheberrechtsschutz bis hin zum Verbot zum Aushebeln von Kopiersperren. Diese Ausnahmeregeln werden dann getroffen, wenn für die Anwender durch DCMA schwer zumutbare Nachteile entstehen. Diese Zusatzregeln werden alle drei Jahre wieder neu auf Gültigkeit überprüft.

Jailbreak für Apples mobiles Betriebssystem iOS gibt es, seitdem Apple in seinem App Store nicht alle Apps zulässt. Die erste Ausnahmeregel, die Jailbreak legalisiert, wurde im Juli 2010 verabschiedet , obwohl Apple dagegen Widerspruch eingelegte. Die Software-Allianz gegen Raubkopierer ( BSA ), der auch Apple angehört, argumentiert, dass Jailbreak zum Raubkopieren von Apps führen kann, da auf einem iPhone mit Jailbreak auch unlizenzierte oder raubkopierte Software aufgespielt werden kann. Die Verbraucherschutzgruppe EFF (Electronic Frontier Foundation) hält dagegen, dass nicht jedes iPhone mit Jailbreak automatisch zum Raubkopieren eingesetzt wird, sondern oft nur das Erscheinungsbild ändern will oder eine nicht im App-Store verfügbare App einsetzen will.

Für das iPad hingegen legt die LOC andere Maßstäbe an und ordnet es in eine völlig andere Geräte-Klasse ein, mit anderen Einsatzgebieten und Auflagen als das iPhone . Damit ist das iPad automatisch vom legalen Jailbreak ausgeschlossen.

Auch für das Freischalten von Smartphones, die auf einen bestimmten Vertragsanbieter festgelegt sind, gibt es ab Januar nächsten Jahres keine legale Grundlage mehr. Damit werden die Ausnahmeregeln von 2006 und 2010, die dem Anwender legal das Freischalten erlaubten, für alle Geräte, die nach dem 26. Januar 2013 gekauft werden, nach US-Gesetz außer Kraft gesetzt. Die US-Nationalbibliothek beruft sich für diese Änderungen darauf, dass genug Mobiltelefone verkauft werden, die von vornherein freigeschaltet sind , und somit dem Markt mit der Aussetzung der Ausnahmeregelung keine Nachteile entstehen werden. Die Änderung kam nach dem Antrag der Wireless Association CTIA, wonach Gruppen von Prepaid-Handykunden die Mobiltelefone knacken und dann für neue Netzwerkanbieter entsperren, die keine Verträge mit diesem Handyhersteller anbieten.

Ab Ende Oktober 2012 treten auch drei weitere Ausnahmeregelungen der LOC in Kraft: Sehbehinderte dürfen demnach künftig legal automatische Lesehilfen, wie Software zum Vorlesen, einsetzen. Außerdem dürfen Filme von Bildungseinrichtungen für nicht-kommerzielle Zwecke genutzt werden und dabei auch Untertitel, oder Beschreibungen für Seh- oder Hörbehinderte eingefügt werden.

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