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Jauch verklagt Freecity

03.05.2001 | 00:00 Uhr |

"Wer wird Millionär?"-Showmaster Günther
Jauch hat den Internetdienstleister FreeCity wegen einer
Namensrechtsverletzung verklagt. Der TV-Moderator verlangt von
FreeCity, abgeänderte Schreibweisen seines Namens nicht mehr als
Domain (Internetadresse) anzubieten. Die Duisburger Firma verweigert
den Verzicht jedoch mit dem Hinweis auf ihre Geschäftsbedingungen,
nach denen die Kunden selbst für Verstöße gegen das Marken- oder
Namensrecht verantwortlich sind. Im Prozess am Kölner Landgericht,
dessen Entscheidung am 16. Mai erwartet wird, geht es um die Frage,
wer sich darum kümmern muss, wenn die Rechte Dritter verletzt werden.

Ein 16-jähriger Spaßvogel aus dem Westerwald hatte die Adresse
www.guenter-jauch.de - Guenter ohne h - über FreeCity eintragen
lassen. Auf seine Webseite stellte er ein Angebot für Handy-Logos und
vermeintlich unseriöse Gewinnspiele. Das ärgerte den Showmaster. Für
Jauchs Anwalt Winfried Seibert steht fest: «Der wollte nur
nassauern», sprich: auf unredliche Weise vom bekannten Namen Jauchs
profitieren.

«Wir können in drei Tagen dicht machen, wenn wir erst
recherchieren müssen, ob bei einer Registrierung möglicherweise
Namensrechte verletzt werden», hält der Geschäftsführer der FreeCity
GmbH Michael Faß dagegen. Das Unternehmen ist einer von zahlreichen
deutschen Internetprovidern, bei denen Kunden eine Internetadresse
beantragen können. Die Firma überprüft dann einzig bei der deutschen
Vergabestelle für Internetadressen (Denic), ob dieser Domain-Name
noch nicht vergeben ist.

Nachdem der vom Jauch-Anwalt abgemahnte Junge die Domain schnell
zurückgegeben hatte, schnappte sie sich wenige Tage später ein
weiterer 16-jähriger Schüler aus Kaiserslautern. «Vielleicht um sie
zu verkaufen», wie er sagt. Warum Jauch sich die Domain nicht selbst
sicherte, erklärt Seibert mit den Worten: «Wenn ich Persil herstelle,
muss ich nicht auch Persol als Marke eintragen. Rechtlich geschützt
bin ich trotzdem.» Deshalb sind die meisten Varianten von Jauchs
Namen als Domains noch immer zu haben. Nur www.guentherjauch.de
nicht. Diese Adresse hat sich ein Domain-Händler geschnappt. «Den
schieß ich auch weg», kündigt Seibert an.

Weil sich FreeCity so hartnäckig weigerte, eine zukünftige
Registrierung der Domain www.guenter-jauch.de zu verhindern, wollen
Jauchs Anwälte nun möglicherweise auch Schadensersatz von dem
Unternehmen verlangen. Das könnte teuer werden. Denn die Höhe der
Kosten richtet sich nach Summe, die ein fiktiver Kunde für einen
Werbevertrag mit Jauch bezahlen müsste.

«Für uns geht es nicht nur um diesen Einzelfall, sondern um eine
lebenswichtige Grundsatzfrage», kommentiert Faß die Haltung seiner
Firma. Das Aus des Internets stehe bevor, wenn FreeCity verpflichtet
werde, bestimmte Adressen nicht mehr anzubieten. Er könne sich nicht
vorstellen, wie Internetdienstleister bei jeder registrierten Domain
alle Namensrechte überprüfen sollten, sagt Faß. Allein eine
Markenrecherche vor dem Patentamt dauere meist ein Jahr. Wenn sich
ein Kunde nicht an Namensrechte halte, sei dem Internetprovider kein
Vorwurf zu machen, pflichtet die Rechtsreferentin des Deutschen
Multimedia Verbandes, Sabine Köster-Hartung, bei.
dpa

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