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Google wehrt sich gegen Oracles Patentklage

16.08.2010 | 13:07 Uhr |

Zwar hält Oracle nach der Übernahme von Sun Java-Patente, aber die Klage bedroht nun jede Weiterentwicklung von Java ohne ausdrückliche Genehmigung durch Oracle. Google sieht die gesamte Open-Source Java-Gemeinde unter Druck.

Google hat angekündigt, die Patent- und Urheberrechtsklage von Oracle als "unhaltbar" anzufechten. Oracle hatte am letzten Donnerstag Google wegen dem Einsatz von Dalvik Java in Android auf Schadensersatz verklagt.

Aaron Zamost, ein Pressesprecher von Google, bewertete in einer E-Mail am Freitag die Anklage als Angriff auf die gesamte Open-Source Java-Gemeide. "Wir werden uns für Open-Source Standards einsetzen und mit der Java Community weiterhin an der Entwicklung von Android arbeiten," erklärte Zamost.

Oracle hatte mit der Übernahme des Serverherstellers Sun im April 2009 auch Patente an Suns Java-Technologie erworben. In der Anklage bezieht Oracle sich jetzt auf die offizielle Dokumentation von Android , wonach die java-basierte virtuelle Maschine Dalvik eingesetzt wird, die für mobile Geräte entwickelt wurde und unter Android erlaubt, jede Anwendung als unabhängigen Prozess mit eigener Dalvik-Instanz auszuführen.

Bereits vor der Übernahme von Sun durch Oracle wurden Gerüchte laut, dass Android Patentklagen wegen Dalvik drohen, bestätigt Al Hilwa, ein Analyst bei IDC. Unschön ist nun, dass Oracle offensichtlich den Erfolg von Android abgewartet hat, um erst jetzt einzugreifen. "Während es auf der einen Seite nur ein gewöhnlicher Patentstreit ist, steht für Google nun auf der anderen Seite die Anerkennung als OEM für Android auf dem Spiel. [...] Offensichtlich will Oracle sich jetzt seine Java-Patente vergolden lassen.", berichtet Hilwa.

Oracle hat nach Meinung der Analysten jedes Recht, eine Patentklage einzureichen, aber die Konsequenzen werden weit reichend sein. Jeffrey Hammond, ein Marktforscher der Firma Forrester Research berichtete in seinem Blog , dass bereits bei den ersten Übernahmeverhandlungen zwischen Sun und Oracle die Anwälte großes Interesse an den Java-Patenten zeigten. "Sun hätte niemals Patentklagen eingereicht.", behauptet Hammond. "Im Zweifelsfall muss Google halt Lizenzen bezahlen, aber es wirft ein denkbar schlechtes Licht auf die Firma Oracle, die sich plötzlich als Marktkontrolle für alle Java-Entwicklungen aufspielt. [...] Alle Weiterentwicklungen von Java müssen künftig wohl durch Oracle abgesegnet werden.", warnt Hammond.

Der Schuss kann für Oracle nach hinten losgehen: Die Klage gibt Google nun jeden Grund, sich nach langzeitige Alternativen zu Java umzusehen und einer der geeigneten Entwicklungsrichtungen wäre zum Beispiel die Kompatibilität zum Silverlight Framework von Microsoft .

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