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"Jetzt müssen wir die Verbraucher begeistern"

17.08.2000 | 00:00 Uhr |

Bundeswirtschaftsminister Werner Müller erwartet
für Deutschland bis 2010 etwa 30 Millionen Kunden der neuen UMTS-
Handy- und Computertechnologie. Von dem Milliardenmarkt für den
Aufbau der Netz-Infrastruktur, für neue Endgeräte und Anwendungen
«werden in erheblichem Maße auch deutsche Unternehmen profitieren»,
sagte der parteilose Minister am Mittwoch in Berlin.

«Jetzt müssen die Verbraucher für die Kommunikations- und
Nutzungsmöglichkeiten der neuen Mobilfunkgeneration begeistert
werden», sagte Müller. Fachleute schätzten den weltweiten Handy-Markt
auf 1,7 Milliarden Nutzer bis 2010. In wenigen Jahren werde der
mobile Zugang zu globalen Informationsquellen den über Festnetze
übersteigen. «Allein in Deutschland telefonieren derzeit etwa 35
Millionen Menschen mobil, über 20 Millionen nutzen das Internet.»

Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye nannte es einen Riesenerfolg,
wenn der Schuldenberg dieses Jahres von 1,55 Billionen auf 1,46
Billionen und die Zinslast des Bundes von 82 Milliarden auf 77
Milliarden verringert werden könnten. Über die Verwendung dieser
Zinsersparnisse, die in Bildung und Verkehrsinvestitionen fließen
sollen, werde das Kabinett in einer seiner kommenden Sitzungen
entscheiden.

Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) warnte vor
negativen Auswirkungen der hohen Versteigerungssummen. «Was dem
Bundesfinanzminister einen warmen Geldregen» beschere, führe auf der
anderen Seite zu einer Verteuerung des neuen Mobilfunkbereichs, sagte
HDE-Hauptgeschäftsführer Holger Wenzel. «Die Mobilfunkbetreiber
werden sich die astronomischen Lizenzgebühren von ihren Kunden wieder
holen... Überhöhte Telefongebühren behindern jedoch das Surfen und
Einkaufen im Internet, für das die UMTS-Handys besonders geeignet
sind.»

Der Handelsverband forderte die Bundesregierung auf, den
unerhofften UMTS-Milliardensegen zur Abschaffung des 22 Milliarden DM
umfassenden Solidaritätszuschlags der Steuerzahler zu nutzen. «Die
Abschaffung des Soli wäre ein Ausgleich dafür, dass die zukünftigen
Mobilfunkkunden die überteuerten Eintrittskarten zu einem
Zukunftsmarkt zahlen.»
dpa

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