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John Gruber: OS X 10.9 kommt später

03.04.2013 | 10:53 Uhr |

Das nächste Update seines Mac-Betriebssystems hat Apple entgegen der Erwartung noch nicht angekündigt. Der renommierte Blogger John Gruber meint den Grund dafür zu kennen.

Es ist nur ein kurzer Kommentar auf der Community-Site branch.com , doch kann man John Gruber als gut informiert einstufen: "Was ich gehört habe: iOS 7 liegt hinter dem Zeitplan zurück und Entwickler wurden  von OS X 10.9 abgezogen, um daran zu arbeiten." Der renommierte Blogger ( Daring Fireball ) verfügt in der Regel über gute Informationen aus Cupertino. Sein Kommentar würde gut erklären, warum Apple das nächste Mac-Betriebssystem OS X 10.9 noch nicht angekündigt hat: Zugunsten der Entwicklung von iOS 7 fehlt es an Ressourcen. Seit dem Debüt des iPhone im Jahr 2007 hat Apple jährlich dessen Betriebssystem aktualisiert und um neue Funktionen bereichert, die iPhone-OS Versionen 2 bis 4 hatte Apple jeweils im März angekündigt und im Juli herausgebracht. Die ersten Blicke auf iOS 5 und iOS 6 gewährte Apple jeweils zur WWDC im Juni, veröffentlicht hat Apple das mobile Betriebssystem dann jeweils im Herbst. Mit der überraschenden Vorstellung von OS X 10.8 Mountain Lion im Februar vergangenen Jahres hatte Apple angekündigt, auch das Mac-Betriebssystem fortan im Jahresrhythmus zu aktualisieren - die Bekanntgabe von Funktionen und Markteinführung von OS X 10.9 steht aber nach wie vor aus.

Im gleichen Diskussionsthread lässt Gruber auch den Hintergrund für die Verzögerung bei der Entwicklung vermuten: iOS 7 soll eine neue Oberfläche bekommen, gestaltet nach den Vorstellung von Jonathan Ive. Dieser hatte im Oktober von Scott Forstall auch die Verantwortung für das Design der Betriebssystem bekommen – seither machen Berichte die Runde, Ive störe sich schon lange am von Forstall bevorzugten Skeuomorphismus, den imitierten Ledereinbänden oder Papierabrisskanten. Ive soll für ein einfacheres, klareres Design stehen. Wie Gruber berichtet, erhalten diejenigen Softwareingenieure, die iOS 7 bereits auf ihren Testgeräten installieren dürfen, spezielle Polarisationsfolien für die iPhones und iPads. Diese würden den Einblickwinkel deutlich verkürzen, so dass Dritte nur schwer einen Eindruck des neuen Looks von iOS 7 erhaschen könnten. Anscheinend gehen die Änderungen bis tief in das System, so dass die iOS-Entwickler zusätzliche Arbeitskräfte benötigen, um rechtzeitig fertig zu werden.

Anlass der Diskussion war schließlich eine Meldung des Wall Street Journal, wonach Apple mit der Produktion des iPhone-Modells von 2013 im zweiten Quartal beginne, um es im Sommer auf den Markt zu bringen. Das Modell soll das gleiche Gehäuse wie das aktuelle iPhone 5 erhalten, technische Neuerungen diskutierte der Artikel nicht. Abzusehen ist jedoch, dass Apple das neue iPhone - bei Richtigkeit der Meldung sicher iPhone 5S genannt - mit einer neuen iOS-Version ausliefern wird, dem runderneuerten iOS 7. Ein günstiger Termin für die Vorstellung von Telefon und Betriebssystem wäre die Entwicklerkonferenz WWDC, die in den letzten Jahren Apple stets Anfang Juni abgehalten hat. Markteinführung wäre dann etwa im Juli.

Sollten Grubers Berichte stimmen, lässt das nur einen Schluss zu: Apple hält das neue iOS für strategisch wichtiger als OS X 10.9. Es wäre auch nicht das erste Mal, dass eine Version von Mac-OS X erst mit Verspätung kommt: Im Jahr 2007 verschob Apple die Veröffentlichung von Mac-OS X 10.5 Leopard vom Frühsommer auf den Herbst, die Entwicklung des Betriebssystems für das iPhone hatte zu viele interne Ressourcen beansprucht. Mac-OS X 10.5 Leopard bedeutete jedoch einen großen Sprung in der Funktionalität des Betriebssystems, Apple führte seinerzeit etwa das Backupsystem Time Machine ein. Auf OS X 10.9 gibt es derzeit nur vage Hinweise, wie schon bei Lion und Mountain Lion soll Apple vom einstigen Spinoff iOS profitieren und etwa Siri oder die Karten-App auf den Mac bringen. Zudem ist denkbar, dass Apple Sicherheitsvorkehrungen wie Gatekeeper, Sandboxing oder ASLR ( Address Space Layout Randomization ) auf dem Mac weiter ausbaut. Vor der WWDC, womöglich wieder Anfang Juni in San Francisco, wird man aber kaum mehr erfahren.

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