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15 Jahre Apple Store

19.05.2016 | 12:35 Uhr |

Am heutigen 19. Mai ist es genau fünfzehn Jahre her, dass Apple seine ersten beiden Apple Stores in Virginia und Kalifornien eröffnet hat. Die Läden in bester Lage sind für Apple Visitenkarte und Umsatzbringer zugleich. Wir blicken zurück und sehen uns einige spektakuläre Apple Stores an.

Apples eigene Ladenkette brummt, fünfzehn Jahre nach ihrer Eröffnung. Fast schon 500 Filialen stehen in mittlerweile 18 Ländern weltweit, die meisten natürlich in den USA. Doch sind zuletzt auch Stores in der Türkei, den Vereinigten Arabischen Emiraten und den Niederlanden hinzugekommen. Bis Ende 2017 will Apple auch drei Läden in Indien eröffnet haben, in Mumbai, Delhi und Bangalore. Allein der Ausbau in China stockt noch ein wenig, doch auch hier hat Apple noch Raum für Wachstum. Jeder Store ist so etwas wie eine Dauerausstellung, die Laufkundschaft kann die neuesten Geräte Apples bewundern und gleich ausprobieren. Doch finden Käufer von Mac, iPad, iPhone und Apple Watch auch fachgerechte Beratung und Unterstützung bei Problemen, mit den Kursen des Programms "One on one" lernen vor allem Neulinge die Hardware aus Cupertino besser kennen. Mittlerweile macht es auch keinen Unterschied, ob man online oder offline shoppt, ein nach Ladenschluss auf der Website bestelltes Gerät kann man am Tag darauf im Apple Store der Wahl abholen. In Deutschland sind die mittlerweile 14 Stores quasi flächendeckend verteilt, weiter als 200 Kilometer hat keiner mehr in den nächsten Apple Store.

Der Apple Store ist aber auch ein wesentlicher Umsatzbringer, im Jahr 2014 etwa nahm Apple in seinen Läden 21,46 Milliarden US-Dollar ein, Tendenz steigend. Vermutlich beschert kein anderer Handelskanal Apple einen derart starken Geldfluss.

Der Erfolg hat aber auch eine Kehrseite, vor allem kleinere Händler können mit der Konkurrenz des Apple Store nicht mehr mithalten und verschwinden immer mehr. Andere Handelsketten spezialisieren sich entweder auf einen bestimmten Kundenkreis oder nehmen auch Produkte anderer Hersteller in ihr Sortiment auf. Will man ein bestimmtes Gerät in einer bestimmten Konfiguration oder Farbe, wird man nicht immer im Elektronikkaufhaus fündig, der Weg in den Apple Store ist dann unumgänglich. Aber auch für Angestellte der Stores und Kunden wird es manchmal zu viel des Guten, das merkt jeder, der an einem Samstag einen der Apple Stores in bester Verkaufslage besucht. Aber da seit Angela Ahrendts die Verantwortung über Offline- und Online-Store übernommen hat, wachsen die beiden Angebote enger zusammen. Hier Preise recherchieren, dort anfassen, hier den Termin vereinbaren und dort wahrnehmen, sogar Anproben der Apple Watch kann man vorab buchen, im Web und in der der Apple Store App.

Wir blicken zurück auf 15 Jahre Geschichte des Apple Stores und zeigen einige spektakuläre Filialen.

Aufschwung für eine ganze Branche

Der Fachhandel, könnte man meinen, sieht sich durch den Apple Store kannibalisiert. Aber das Gegenteil scheint richtig zu sein. In den Zeiten, in denen das klassische Kaufhaus mit seinem diversifizierten Angebot vom Aussterben bedroht ist, setzen Flaggshipstores wie die von Apple den Trend des Markenerlebnisses entgegen. Ganz neu ist die Idee nicht, gut 30 Jahre vor Apple war ein italienischer Pulloverhersteller auf die Idee gekommen, seine Ware nicht neben anderen Marken im Kaufhaus zu präsentieren, sondern selbst Läden in bester Lage anzumieten. Apple hat das Benetton-Konzept für Elektronik umgesetzt und damit nicht nur der eigenen Marke zu mehr Glanz verholfen, sondern den gesamten Markt belebt. Denn ein Apple Store ist in einer Stadt mit 1,3 Millionen Einwohnern wie München eindeutig zu wenig, um die Bedürfnisse aller Mac-Anwender zu bedienen. Wer also vor lauter Laufkundschaft an keinen Apple-Verkäufer mehr heran kommt, um sich das neue Macbook Air zu gönnen, der marschiert halt ein paar Straßen weiter, zum Fachhändler oder der Handelskette des Vertrauens in 1-b-Lage.

Bilder der Eröffnung der ersten beiden Apple Stores
Vergrößern Bilder der Eröffnung der ersten beiden Apple Stores

Die doppelte Premiere: McLean und Glendale

Der Zeitpunkt der Ladeneröffnung war geschickt gewählt: Zwei Tage vor der WWDC des Jahres 2001 öffnete Apple die ersten beiden Filialen seiner Apple Store genannten Ladenkette. Steve Jobs persönlich führte in einem Video, das Apple den Entwicklern zur Eröffnung der Konferenz vorführte und auf seine Website stellte, durch den Laden im südkalifornischen Glendale. Dieser solle "Den Gold-Standard" unter den Retailern für Apple setzen, erklärte der CEO des Mac-Herstellers den Anspruch. Unterteil hat Apple die Architektur der Läden in die drei Bereiche "Software", "Home and Pro" und "Solutions", hinzu kam die "Genius Bar" als eigentliches Herzstück des Ladens. Nicht wenige Analysten reagierten skeptisch, erst kurz zuvor hatte der - mittlerweile nicht mehr unabhängige - Hersteller Gateway seine eigenen 27 Läden in den USA mangels Umsätzen schließen müssen. Während jedoch die Vorhersage von David Goldstein von Channel Marketing Corp., dass Apple "in spätestens zwei Jahren" dem Apple Store wieder "die Lichter ausdrehen würde" nun wirklich nicht eingetreten ist, erfüllte sich die optimistische Sicht des Chicagoer Marktforschers George Rosenbaum, der sich fragte, warum Apple denn solange auf eine eigene Kette gewartet hatte. Apple wäre nicht Apple, wenn nicht auch schon die Premiere des Apple Store zu einem besonderen Ereignis geraten wäre. Denn nicht nur einen Store öffnete Apple am 19. Mai 2010, sondern gleich deren zwei. McLean feierte wenige Stunden vor der Premiere in Glendale die Ladeneröffnung, die unterschiedlichen Zeitzonen sind dafür der Grund. Der Laden im Tysons Corner Center im Städtchen McLean im US-Bundesstatt Virginia glich der von Steve Jobs im Video vorgeführten Ausgabe im kalifornischen Glendale bis ins Detail, auch weitere Läden nutzten die gleiche Inneneinrichtung. Bis Ende 2001 hatte Apple landesweit 27 Stores eröffnet.

Mit dem am 7. Januar 2003 am Tage der Keynote zur Macworld Expo 2003 ("Year of the Notebook") eröffneten Apple Store in Pasadena verpasste Apple allen neuen Filialen ein neues Layout. Die Inneneinrichtung besteht seither aus den heute bekannten Steinböden und hellen Ahornmöbeln, die Glastreppe ist jedoch den Flaggship Stores mit zwei oder mehr Stockwerken vorbehalten - der erste Store mit Glastreppe war der in Soho in Manhattan gewesen. Heute stehen die Apple Stores vor weiteren Umgestaltungen des Designs, riesige Flachbildschirme, die ganze Wände bedecken, sind eine der Neuerungen. Seit 2015 sieht man auch immer mehr Vitrinen, die man sonst nur vom Goldschmied und Uhrmacher kannte, aber das hat seinen Grund...

Der Glaskasten an der Fifth Avenue als Projektionsfläche

Zwischen dem 19. Mai 2001, dem Datum der Eröffnung der ersten beiden Apple Stores und dem 19. Mai 2006, an dem Apple seinen 147sten Laden direkt an der Fifth Avenue eröffnet, liegen nicht nur exakt fünf Jahre, sondern Welten. War Apple im Jahr 2001 noch ein Nischenhersteller und die Welt in mancher Hinsicht noch in Ordnung, änderten zwei Ereignisse im Herbst des gleichen Jahres alles. Am 23. Oktober trat Apple in das iPod-Zeitalter ein, am 11. September beendeten vier Flugzeuge die Ansicht, mit dem Ende des kalten Krieges seien die schlimmsten politischen Konflikte ausgestanden.

Der Store an der 5th Avenue
Vergrößern Der Store an der 5th Avenue
© Apple

Auch für Apple, das seit Steve Jobs Rückkehr, dem Erfolg des iMac und dem zum Jahrtausendwechsel begonnenen Umstieg auf Mac-OS X wieder in die Erfolgsspur zurückgekehrt war, brachen mit der auf die Anschläge von New York folgenden Rezession schwere Zeiten mit teils herben Quartalsverlusten an - erst Ende 2002 war die Krise überstanden.

Laden für Laden baute Apple seine Retail-Kette aus, im Mai 2006 setzte Apple mit einem spektakulären Bau an der Fifth Avenue ein Zeichen seiner wirtschaftlichen Gesundung und der Strahlkraft seiner Marke. Den Eingang in den Flaggship-Store bildet ein gläserner Kubus, der immer schöne Bilder liefert und so den darauf montierten Apfel bestens zur Geltung bringt. So nutzte etwa Greepeace den Kubus, um mit grünem Licht auf vermeintliche oder tatsächliche Umweltsünden Apples aufmerksam zu machen, nicht von ungefähr bildete sich vor dem Store am Erstverkaufstag des iPhone Ende Juni 2007 eine lange Schlange, über die alle Welt berichtete.

Architektur und Strahlkraft des Apple Store kann man aber auch falsch verstehen, wie ein Blick auf die Nachrichten vom Oktober 2006 zeigt. Während der Bauarbeiten war der Kubus noch von schwarzen Holzbrettern verdeckt, so dass er von außen der Kaaba in Mekka ähnelte. Viele New Yorker Apple-Fans störten sich nicht daran und bezeichneten den Store als ihr persönliches Mekka. Dass die Genius Bar wie ein Ort klingt, an dem Alkohol ausgeschenkt wird, hat in gewissen Kreisen weitere Irritationen ausgelöst. Konkret: Das Middle East Media Research Institute (MEMRI) berichtete, dass ein pakistanischer Blog den Laden an der Fifth Avenue als "Beleidigung für den Islam" bezeichnet habe. Die Aufregung stellte sich zwar als Sturm im Wasserglas dar, doch fünf Jahre nach dem 11. September war auch Apple vorsichtig geworden. Ein Apple-Sprecher erklärte dem britischen Journalisten Asharq Alawsat : "Apple hat den neuen Store niemals als Mekka bezeichnet, der Eingang sollte auch niemals der Kaaba gleichen. Wir respektieren alle Kulturen und Religionen und bedauern, dass die Kommentare unabhängiger Blogger, [die den Store als Mekka bezeichnet hatten], Menschen verletzt haben."

New York gilt noch als die heimliche Hauptstadt der Apple Stores mit derzeit sechs Filialen. Die in der Grand Central Station hat sogar rund um die Uhr geöffnet. Geht auch nicht anders, denn sie hat keine Türen, die man abschließen könnte.

Premieren in Europa

Am 20. November 2004, fast auf den Tag genau dreieinhalb Jahre nach der Premiere des Apple Stores in den USA, bekam endlich auch Europa seinen ersten Laden mit dem Apfel-Logo. Die transatlantische Brücke endete zunächst in London. Apple spendierte der britischen Hauptstadt auch gleich einen Superlativ, der Apple Store in der Regent Street in London war zu seiner Eröffnung der größte der Welt. Den Titel hielt der Laden recht lang, der Palast mit Glaskubus in der Fifth Avenue, lief London erst im Mai 2006 den Rang ab - nach einem Umbau war der Apple Store London aber im Dezember 2006 wieder die Nummer Eins.

Mit der Expansion nach Europa ließ Apple die Tradition der Grand Openings weiter aufleben. Zwar zieht mittlerweile nicht mehr jeder neue Apple Store die Massen an, die großen Flaggschiffe, mit denen Apple in neue Ländern einfährt, sehr wohl. Selbst im November. Wer denkt, Temperaturen um den Gefrierpunkt hätten Apple-Enthusiasten davon abgehalten, die Nacht vor der Eröffnung auf der Regent Street zu campieren, unterschätzt die vom Schlangestehen begeisterten Briten. Schon um fünf Uhr morgens warteten 500 Fans auf die Eröffnung des ersten europäischen Apple Stores , an die 5000 Schaulustige bevölkerten die Regent Street, als fünf Stunden später endlich die Türen aufgingen. Zugegeben, der Hype hat etwas nachgelassen, aber auch heute können es Apple-Kunden kaum erwarten, in einen neuen Laden zu stürmen.

Den ersten Apple Store auf dem europäischen Festland in Rom hat Apple am 31. März 2007 eröffnet. Rom - was gäbe es auch eine schönere Kulisse als die ewige Stadt für einen Apple Store? Man stelle sich vor: In Renaissance-Fassaden elegant integrierte Glasfronten mit Apfellogo aus Carrara-Marmor, Macs, iPhones und iPods auf antike Säulen drapiert, ein Kaiserthron für die etwaigen Besuche von Steve Jobs in Rom und der Papst bei der Privataudienz, die Apple One-on-One-Schulung nennt. Nichts von alledem ist wahr. Der römische Apple Store liegt in einem Einkaufszentrum eines Industriegebiets in den östlichen Vororten, dort, wo in der Antike längst die Provinz Latium begonnen hatte.

Erst in der Schweiz, dann in Deutschland

Die Schweizer werden gerne mal als langsam beschrieben, nicht wenige der Eidgenossen spielen gerne selbstironisch mit dem Klischee. Dabei sind sie doch auf Zack: Mehr als ein Jahr vor den deutschen Apple Stores eröffnete der erste in der Schweiz. Das war am 25. September 2008 der Fall, in Genf. Kenner der Sprachtopographie der Schweiz wissen sofort, dass es sich hierbei nicht um den ersten Apple Store im deutschsprachigen Raum handeln kann, am Lac Léman - auch als Genfer See bekannt - spricht man vorwiegend französisch. Der erste Apple Store im deutschen Sprachraum ließ dann aber nicht mehr lange auf sich warten, schon einen Tag später machte der Laden im Zürcher Glattzentrum auf. Dass die Schweiz in Sachen Apple Store gegenüber dem großen Nachbarn im Nordosten die Nase klar vorne hatte, lässt sich leicht begründen. Traditionell hat der Mac in der Schweiz hohe Marktanteile, auch in den Krisenzeiten der späten Neunziger lag er immer um zehn Prozent. Nicht nur der Mac erweist sich bei den Eidgenossen als beliebt, auch iPhone und iPad kommen zwischen Bodensee und Genfer See bestens an. Österreich hat bis heute noch keinen Store, in Europa sind aber zuletzt Schweden, die Türkei und die Niederlande hinzugekommen, mit drei (Schweden, Niederlande) respektive zwei Stores (Türkei).

Die deutschen Stores: Von Süd nach Nord, von West nach Ost

Im Selbstverständnis des Müncheners kommt erst einmal die eigene Stadt - und dann lange nichts. So hat es den Münchener als solchen überhaupt nicht gewundert, dass Apple den ersten deutschen Store seiner Ladenkette in der bayerischen Landeshauptstadt eröffnete - rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft am Nikolaustag 2008 . Den Münchener wunderte allenfalls, dass Apple zuvor schon woanders Stores hatte - was aber eigentlich nur daran gelegen haben kann, dass in der Rosenstraße 1 im Jahr 2001 noch ein baufälliges Haus stand, das mittlerweile einem schmucken Neubau gewichen ist. Dieser beherbergt auf zwei Stockwerken den Store im weit bekannten Holz- und Glasdesign, das Gebäude fügt sich aber harmonisch in die Nachbarschaft ein. Und die ist nicht ohne und aus Sicht Apples der wesentliche Grund, es in Deutschland zunächst in München zu versuchen. An der Ecke Rosenstraße führt vom Marienplatz die Kaufingerstraße nach Westen, zusammen mit der anschließenden Neuhauserstraße handelt es sich um eine der umsatzträchtigsten Einkaufspassagen in Europa - eben eine Top-Adresse. Und nur an solchen passen Apple Stores zum Selbstverständnis des Mac-Herstellers.

Der Apple Store in München war nicht nur der erste überhaupt in Deutschland, sondern auch der erste mit einem Betriebsrat.
Vergrößern Der Apple Store in München war nicht nur der erste überhaupt in Deutschland, sondern auch der erste mit einem Betriebsrat.

Es sieht so aus, als verfolge Apple beim Aufbau seiner Ladenkette in Deutschland einer geografischen Strategie. Erst war der Süden dran, es folgte mit Hamburg der Norden. Der Hamburger Apple Store war dennoch der erste seiner Art in Deutschland. Ist der Münchner Apple Store einer der von der Straße - beziehungsweise Fußgängerzone - direkt zugänglichen Apple Stores, ist der in Hamburg in einem Einkaufszentrum eingebettet. Der dritte deutsche Apple-Store eröffnete in der Mitte Deutschlands in Frankfurt. Auf der ersten Ausgabe für den Westen (in Oberhausen) folgte Ende März der erste Apple Store im Osten - in Dresden . Spekulationen zufolge sollen bald Hamburg und München ihren jeweils zweiten Store erhalten - München in einer Einkaufspassage und Hamburg einen in Top-Lage. Auch Augsburg ist 2011 nicht nur in die Bundesliga aufgestiegen, sondern auch in den illustren Kreis der Apple-Store-Städte.

In Oberhausen liegt der Apple Store des Ruhrgebietes, genau zwischen Westfalenstadion und der Arena auf Schalke.
Vergrößern In Oberhausen liegt der Apple Store des Ruhrgebietes, genau zwischen Westfalenstadion und der Arena auf Schalke.
© Apple

Im Westen lädt ein Apple Store in Oberhausen ein. Warum Oberhausen und nicht Düsseldorf oder Köln? Die Antwort ist vergleichsweise simpel: Oberhausen liegt in der Metropolregion zentral, ziemlich genau zwischen Dortmund und der niederländischen Grenze, von der es bis Eindhoven auch nicht mehr weit ist. Von Köln und Düsseldorf  ist es mit knapp über 40 und knapp über 70 Kilometer auch nicht besonders weit nach Oberhausen, in das CentrO. Doch wäre es für das Selbstverständnis der Rheinländer fatal, gäbe es dort keine eigenen Läden des Mac-Herstellers, in Köln ist der jedoch in einem Vorort platziert, aber in Düsseldorf an einer Top-Adresse.

Mit Berlin musste eine Hauptstadt ungewöhnlich lange auf ihren ersten Apple Store warten, der 2013 am Kudamm eröffnete Laden war erst der elfte im Lande. Dafür gilt er aber heute als Top-Adresse in Deutschland, dem eigenen Vorführraum sei Dank. Klar, früher beherbergte das Gebäude mal ein Kino.

Die Filiale am Kurfürstendamm ist in einem ehemaligen Kino untergebracht.
Vergrößern Die Filiale am Kurfürstendamm ist in einem ehemaligen Kino untergebracht.
© Apple

Die Angestellten der Apple Stores

Apple-Store-Mitarbeiter sind meist freundlich und bemüht, aber nicht gerade überbezahlt. Ein großer Unterschied herrscht zwischen Verkäufer und „Genius“. Während ein einfacher Verkäufer als „Specialist“ und „Expert“ die Kunden beim Kauf berät, ist ein „Genius“ als Techniker nicht nur für den Support an der Genius Bar zuständig, sondern übernimmt auch Kurse für Kunden und die Schulung der Kollegen. Dafür wird er nicht nur besser ausgebildet, sondern auch besser bezahlt. Die Gehälter in Deutschland sind offiziell nicht bekannt, in den USA verdient aber ein „Specialist“ etwa 24 000 US-Dollar im Jahr, ein „Genius“ 40 000 US-Dollar. Eine Umsatzbeteiligung gibt es aber nicht. Mitarbeiterrabatte sind spärlich, das Management gewährt angeblich 27 Prozent für Angestellte und 17 Prozent für Angehörige, und iPhones sind davon komplett ausgenommen.

Unter den deutschen Apple Stores soll vor allem der in München sehr umsatzstark sein, laut einem Bericht des Spiegel verbuchte er allein im Weihnachtsquartal 2011 etwa 85 Millionen Euro. Doch die hohe Kundendichte ist für die Verkäufer kein Grund zum Jubeln. So sind offenbar Lautstärke und Stress in einigen Stores extrem, besonders München ist laut Berichten ehemaliger Angestellter sehr anstrengend. In den USA gilt ein Umsatz von vier Millionen US-Dollar pro Jahr als normal, ein Verkäufer aus München berichtet von etwa 30 000 Euro pro Tag – nicht schlecht bei einem Brutto-Stundenlohn von geschätzt 15 Euro und einer Marge von 40 bis 60 Prozent. Mühsam ist der vorgeschriebene Verkauf von Kursen und den teuren Apple-Care-Verträgen. Verkäufer sind angehalten, bei 60 Prozent der Mac-Kunden die teuren Garantie-Erweiterungen für Mac und iOS-Geräte zu verkaufen – eine sehr lästige Pflicht, auf die Apple-Vertriebspartner schon seit Jahren schimpfen. Für Apple sind diese Drei-Jahres-Verträge zwar sehr einträglich, in Deutschland dank zwei Jahren Gewährleis­tungspflicht allerdings eher schwer verkäuflich. Unter den Store-Mitarbeitern soll es sogar schon Wetten geben, welcher von ihnen den ersten iPod Shuffle für 49 Euro mit der Garantie-Erweiterung Apple Care zu 29 Euro verkauft.

Der Job eines Verkäufers im Einzelhandel ist generell schlecht bezahlt – Konkurrenten wie Mediamarkt und Saturn sind laut Presseberichten allerdings noch knickeriger und setzen laut ARD-Markencheck bei den Arbeitszeiten gerne auf extrem lange Mittagspausen, um Schichtbetrieb zu vermeiden. Wie bei vielen in Deutschland tätigen US-Firmen sind beim Apple Store aber vor allem die Kulturunterschiede auffallend. Der amerikanische Einzelhandel hat seine eigenen Regeln, die für nüchterne deutsche Einzelhändler fremdartig wirken. Fast schon berüchtigt sind firmeninterne Schulungen wie etwa Verkaufstrainings, deren Vokabular manchmal recht übertriebene Züge annimmt. Allzu ernst sollte man diese Schulungsmaterialien aber wohl nicht nehmen, nach Angaben von Store-Mitarbeitern wird denn auch insbsondere die aufgesetzt wirkende Sprache kaum ernst genommen.

Unzweifelhaft ist der Job in einem Apple Store hart. Dem Kunden ermöglicht das Fehlen von Kassen den direkten Kontakt zum Verkäufer, diesem fehlt aber jede Rückzugsmöglichkeit, er ist pausenlos von Käufern umlagert. Außerdem nutzt das Unternehmen die Software Shopper Trak zur Überwachung von Kundenbewegungen. Bei dieser videogestützten In-Store-Analyse wird sehr genau erfasst, wie viele Kunden ein Verkäufer bedienen muss. Derartige Vorrichtungen zur Kontrolle der Arbeitsleis­tung sind laut Betriebsverfassungsgesetz in Deutschland mitbestimmungspflichtig. Mit Betriebsräten wiederum tut sich der US-Konzern schwer, was bereits zu einigen Prozessen geführt hat . Der erste Betriebsrat hat sich im Münchner Apple Store konstituiert, ein zweiter kam in Frankfurt hinzu, weitere sind in Vorbereitung. Und damit auch ein Gesamtbetriebsrat, der für alle Filialen in Deutschland zuständig sein wird. Wie wir von der Gewerkschaft Ver.di erfahren haben, hat Apple jedoch der Gründung von Betriebsräten keine Steine in den Weg gelegt. sw/pm

Historische Fassaden, modernes Innenleben

Die US-Hauptstadt beherbergt auch erst seit Sommer 2010 einen Apple-Store, bis dahin war die Reise in die in Virginia liegenden Vororte zwingend notwendig. Für den Apple Store in Washington D.C. musste Apple lange mit den Behörden ringen. Apple, das bisher entweder in besten Einkaufsstraßen mit einer auffälligen Glasfassade lockte oder in großen Einkaufszentren nicht minder imposant um Kunden buhlte, sah sich an seinem gewählten Standort in der Bundeshauptstadt Washington auf einmal mit Denkmalschützern konfrontiert, denen das Konzept des Apple Store nicht in die historischen Fassaden der Altstadt Georgetown passte.

Die Fassade des Stores in der US–Hauptstadt muss aus Gründen des Denkmalschutzes bescheidener ausfallen.
Vergrößern Die Fassade des Stores in der US–Hauptstadt muss aus Gründen des Denkmalschutzes bescheidener ausfallen.
© Apple

Apple korrigierte seine Pläne insgesamt viermal und erhielt im Herbst 2009 endlich die Genehmigung für ein zurückhaltendes Konzept: Statt einer großen Glasfront haben die Architekten dem Store in Georgetown mehrere Einzelfenster verpasst, welche die Fassade des historischen Gebäudes in der Wisconsin Avenue nachbilden. Apple zeigt sich also lernfähig und passt seine Läden bei Bedarf auch der Umgebung an. Spricht also nichts mehr gegen einen Apple Store in der Salzburger Getreidegasse, in der sogar McDonalds auf ein großes goldenes M verzichtet und stattdessen ein traditionelles Zunftschild vor die Tür hängt.

In ähnlich historischer Umgebung steht seit Ende 2009 der größte Apple Store wieder in London. Im Stadtteil Covent Garden hat Apple sich nicht lumpen lassen und auf drei Stockwerke den bisher luxuriösesten Apple Store hingestellt.

London ist ja ohnehin schon teuer, doch im Covent Garden am teuersten. Im späten 17. Jahrhundert hatte das Viertel nach dem großen Brand von London die Bedeutung als wichtigster Marktplatz der Stadt erhalten und hielt diesen Status über dreihundert Jahre. Erst in den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der Obst- und Gemüsemarkt ein Opfer seines eigenen Erfolges: Gewaltige Staus des Lieferverkehrs in den engen Straßen rund um den Markt erstickten ihn förmlich, seither handelt London frische Ware im New Covent Garden Market im Stadtteil Wandsworth. Die gewaltigen Markthallen jedoch öffneten 1980 wieder als Einkaufszentrum und Touristenattraktion.

Die Covent Garden Plaza ist laut Reiseführer Lonely Planet der erste geplante Platz in London, der Baumeister Inigo Jones soll sich an den Vorbildern italienischer Piazze in Livorno und Rom orientiert haben. Ganz in der Nähe des Covent Garden findet sich die Oper, und nur eine Viertelstunde zu Fuß entfernt der Amtssitz des britischen Premiers in Number 10 Downing Street.

Der Apple Store fällt auch alles Andere als bescheiden aus. Als momentan größter seiner Art erstreckt er sich über drei Stockwerke, zwei der berühmten spiralförmigen Glastreppen inklusive. Anstatt verschiedene Produkte und Produktgattungen an unterschiedlichen Tischen zu präsentieren, hat der Apple Store Covent Garden jedem Produkt gleich einen eigenen Raum zugewiesen. Wer fündig geworden ist, kann zusammen mit dem Fachpersonal des Stores seinen Rechner auch gleich vor Ort einrichten, in einem separaten Raum. Der Innenhof ist von einem Glasdach überspannt, so kann Apple zu Veranstaltungen unter gefühlt freiem Himmel einladen.

Grüner geht immer

Apples Popularität macht den Hersteller zu einem beliebten Ziel der Kritik. Greenpeace hat in Vergangenheit eingeräumt, sich nicht zuletzt wegen der großen Aufmerksamkeit ein wenig auf Apple einzuschießen. Derzeit kritisieren die Umweltschützer das in North Carolina entstehende Rechenzentrum , das Apple überwiegend mit Kohle- und Atomstrom betreibe. In Sachen umweltfreundlicher Produktion und Müllvermeidung hat Apple in den letzten Jahren jedoch enorme Fortschritte erzielt, wie auch Greenpeace lobt.

Sweet Home Chicago: Der Apple Store Lincoln Park setzt stadtplanerische Maßstäbe.
Vergrößern Sweet Home Chicago: Der Apple Store Lincoln Park setzt stadtplanerische Maßstäbe.
© Apple

Apple setzt auch in umweltfreundlicher Architektur Maßstäbe, wie der Ende Oktober 2010 nähe des Lincoln Parks in Chicago eröffnete Apple Store zeigt. Auf einem dreieckigen Areal gelegen, auf dem in früheren Zeiten eine Tankstelle die Bedürfnisse der automobilen Generation erfüllte, tankt nun die Generation iPhone auf. Der Laden ist in einem flachen, länglichen Gebäude untergebracht, insgesamt drei Eingänge führen hinein. Das begrünte Dach soll im Winter wärmen und im Sommer kühlen.

Apple nahm erstmals auch Geld in die Hand - die Rede ist von vier Millionen US-Dollar - um den etwas heruntergekommenen Vorplatz und die dem Apple Store gegenüberliegende Bahnstation zu renovieren. Im Gegenzug erhält Apple exklusive Werberechte auf den Bahnsteigen und den Aufgängen.

Von wegen langweiliges Einkaufszentrum

Nein, das Zentrum Carrousel du Louvre liegt nicht unter der bekannten Glaspyramide, die unter anderem in der Dan-Brown-Verfilmung "The Da Vinci Code" eine tragende Rolle spielt. Das Carrousel du Louvre ist wenige Hundert Meter davon entfernt, den Eingansbereich ziert eine auf den Kopf gestellte Pyramide, die mit dem Haupteingang des Louvre-Museum jedoch perfekt harmoniert.

Der Apple Store, der im November 2009 als erster in Frankreich eröffnet hatte, zeigt eindrucksvoll, dass in Einkaufszentren integrierte Apple Stores nicht langweilig sein müssen - er dürfte der spektakulärste Indoor-Store des Mac-Herstellers sein. Die exklusive Lage in dem Einkaufszentrum mit Nachbarn wie Esprit, Virgin, Sephora oder Nature & Découvertes erlaubt besondere Öffnungszeiten: Anders als etwa der zweite Apple Store in Paris nahe der Oper hat der im Carrousel du Louvre auch am Sonntag geöffnet, wie an allen anderen Tagen auch von 10 bis 20 Uhr. Wer also nach stundenlangem Schlangestehen vor von Panzerglas geschützten Mona Lisa lieber etwas Handfesteres sehen und auch berühren möchte, kann auch nach dem Museumsbesuch am Sonntag von Glaspyramide zu umgekehrter Glaspyramide schlendern und Apples Werke bewundern.

Ob da Vinci heute Apple-Kunde wäre? Der zweite Apple Store in Paris liegt in der Nähe der Oper.
Vergrößern Ob da Vinci heute Apple-Kunde wäre? Der zweite Apple Store in Paris liegt in der Nähe der Oper.
© Apple

Apple hat den Computer zwar nicht erfunden, stellt aber für sich in Anspruch, "die besten Personal Computer der Welt" zu designen und "das Mobiltelefon mit dem revolutionären iPhone und App Store neu erfunden" zu haben, während das iPad "die Zukunft von mobilem Medienkonsum und Computern definiert." So schließt jedenfalls das Unternehmen seine Presseerklärungen ab. Man muss fast den Eindruck haben, Apple sehe sich als Universalgenie der IT-Industrie.

Würde Leonardo Da Vinci heute noch leben, würde er bestimmt bei Apple arbeiten. Niemand verband Kunst, Wissenschaft und Ingenieurswesen derart eindrucksvoll wie Leonardo. Seine Entwürfe etwa für Fluggeräte und andere Maschinen beeindrucken auch 500 später noch genau so wie seine Malerei und Bildhauerei.

Hongkong: Brückenpalast

Der Apple Store in Hongkongs Mall IFC ist vielleicht nicht der größte, aber sicher der am besten sichtbare Shop: Er ist nämlich in Form einer Brücke über eine der meist befahrenen Straßen in Hongkong gebaut und bietet einen schönen Blick über die Stadt. Der 2011 für 50 Millionen US-Dollar erbaute Laden gilt als einer der bestbesuchten Shops weltweit und soll demnächst um ein zusätzliches Stockwerk erweitert werden. Die nur etwa 560 Quadratmeter Verkaufsfläche sind offenbar eine Konzession an den Platzmangel der Halbinsel. Den meisten Umsatz bringen aber wohl Chinesen vom Festland. Hongkong wird laut Wall Street Journal jedes Jahr von 20 Millionen Menschen besucht, die im Schnitt tausend US-Dollar ausgeben.

Die Filiale in Hongkong liegt direkt über einer viel befahrenen Straße.
Vergrößern Die Filiale in Hongkong liegt direkt über einer viel befahrenen Straße.
© Apple

China: Schleppender Ausbau

Zu den umsatzstärksten Shops zählen die in der chinesischen Hauptstadt. Einer dieser Shops gehört zu den größten überhaupt. Er liegt an der Shopping-Straße Wangfujing, belegt drei Stockwerke, beschäftigt etwa 300 Angestellte und hat gleich zwei 360-Grad-Genius-Bars. Eine weitere Seltenheit ist die drei Stockwerke verbindende Glastreppe.

Eine in China lebende US-Bloggerin entdeckte vor einigen Jahren in der Stadt Kunming sogar drei unautorisierte Apple Stores. Die Kopien hätten dem Original in vielen Details geglichen, nur anhand marginaler Unterscheidungen ließ sich erkennen, dass man nicht in einem echten Apple Store war. So trugen die Mitarbeiter zwar blaue T-Shirts mit Apfel-Logo, das Badge um den Hals zeigte aber nicht ihren Namen, sondern nur die Bezeichnung „Staff“. Auch hätten sich die Maler bei einem der Läden vertan, auf der Glasfront prangte unter dem Logo der Schriftzug „Apple Stoer“ – ganz davon abgesehen, dass die Originale allein mit dem Logo auskommen. Am Angebot sei nichts auszusetzen, die falschen Stores verkaufen laut der Bloggerin, die sich Jessica nennt, Originalware. Sogar die Mitarbeiter seien davon überzeugt, für Apple beziehungsweise seinen Retail-Zweig zu arbeiten.

Die chinesischen Apple Stores werden immer wichtiger, hier der Store in Pudong, einem Stadtteil von Shanghai.
Vergrößern Die chinesischen Apple Stores werden immer wichtiger, hier der Store in Pudong, einem Stadtteil von Shanghai.
© Apple

China ist für Apple mittlerweile der wichtigste Markt, vor allem das iPhone erfreut sich großer Beliebtheit. Rund 130 Millionen Geräte sollen derzeit im Land aktiviert sein. Der Ausbau der Ladenkette stockte aber noch zu Zeiten von Ron Johnson, für seine Nachfolgerin Angela Ahrendts ist die Expansion in Greater China (Volksrepublik China mit Sonderwirtschaftszone Hongkong plus Taiwan) die größte Herausforderung. Doch die stemmt sie erfolgreich, 33 Läden haben mittlerweile in China eröffnet. Die regelmäßigen Besuche Tim Cooks dürften bei der Expansion geholfen haben.

Weiter geht's

Das Wachstum in China stockt jedoch, der Markt scheint ein wenig gesättigt. Apples neues China soll daher Indien werden, der Mac-Hersteller hat nicht nur zwei Entwicklerzentren eröffnet, sondern plant auch Stores in Mumbai, Bangalore und Delhi. Auch in der Golfregion sucht Apple nach solventen Abnehmern, seit Herbst 2015 ziehen Apple Stores in Dubai und Abu Dhabi das Publikum an. Brasilien steht auch seit 2015 auf der Liste der Apple-Store-Länder, doch sonst sind noch viele weiße Flecken auf der Südhalbkugel. Nicht nur dort: Apple betreibt zwar einen Online Store in Russland, aber keinen Laden am Roten Platz. Derzeit ist die politische Lage, die zu Wirtschaftssanktionen führt, zu angespannt dafür. Aber wer weiß, ob sich der Wind nicht doch mal wieder dreht. Ob Teheran und Havanna noch vor Moskau einen Apple Store bekommen?

Die vor 15 Jahren vorgebrachten Prognosen der Skeptiker, die Apple Stores in Glendale und Mclean würden kein Jahr durchhalten, haben sich in eindrucksvoller Weise nicht bestätigt.

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