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Justizministerium will gegen rechte Internetadressen vorgehen

08.08.2000 | 00:00 Uhr |

Zusammen mit der Denic will das Bundesjustizministerium in Zukunft verhindern, dass sich Rechtsradikale Domains mit eindeutig verfassungsfeindlichen Namen reservieren lassen.

Das Bundesjustizministerium will gegen die Vergabe
von rechtsradikalen Begriffen als Internet-Adressen vorgehen. Nach
einem Bericht des «Hamburger Abendblatts» (Dienstag) hat sich das
Ministerium deshalb am Montag an die deutsche Stelle zur Vergabe der
Internetadressen gewandt.

«Wir bieten uns als Koordinatoren an, um eine Liste anstößiger
Internet-Adressen zu erstellen», sagte Ministeriumssprecher Christian
Arns der Zeitung. «In Zusammenarbeit mit Organisationen wie dem
Zentralrat der Juden wollen wir damit dazu beitragen, die Vergabe
solcher Adressen künftig zu verhindern.»

Die Wirtschaftsunternehmen müssen begreifen, dass sie
gesellschaftliche Verantwortung tragen, kritisierte Arns die
bisherige Praxis bei der Vergabe der Internet-Adressen. Beim Kampf
gegen den Rechtsextremismus könne niemand neutral bleiben.

Die deutsche Zentralstelle für die Vergabe von Internet-Adressen,
die in Frankfurt ansässigen Denic eG, hatte am Montag Angaben der
«Frankfurter Allgemeinen Zeitung» bestätigt, dass die Internet-
Adresse «www.heil-hitler.de» vergeben worden ist. Danach wurde der
Domain-Name am vergangenen Donnerstag (3. August) registriert. Am
Montag löschte Denic die Adresse jedoch wieder, «da der Domain-Name
offensichtlich strafrechtswidrig ist und somit nach den
Registrierungsbestimmungen nicht registriert werden kann».

Denic-Pressesprecher Klaus Herzig sagte der dpa, in der
Zentralstelle würden monatlich 200 000 Registrierungsnamen vergeben.
Die Vergabe erfolge automatisch, die Mitarbeiter könnten wegen der
Masse der neuen Domain-Namen nicht jede Adresse überprüfen. Denic
habe selbst erst am Montag von der am 3. August zugelassenen Adresse
«www.heil-hitler.de» erfahren. «Wir haben die Adresse sofort
gelöscht», sagte Herzig.

Denic ist nach eigenen Angaben ein genossenschaftlich
organisierter Zusammenschluss von Internet-Providern, der gegenwärtig
120 Mitglieder hat. Wer einen Domain-Namen beantragen will, wendet
sich an einen Provider. Der sendet die Anfrage an die Zentralstelle
in Frankfurt, wo die Adressen in eine Datenbank eingetragen werden,
um doppelte Namen zu vermeiden. Ist der Name noch nicht vergeben,
schaltet Denic die Adresse frei.
dpa

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