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KOMMENTAR: Adobe kontra Apple?

08.07.2003 | 16:48 Uhr |

Von Adobe wird es künftig keine Videoschnittsoftware mehr für Macs geben. Eine Analyse zum Abschied.

Nur für das Betriebssystem Windows XP wird Adobe die nächste Version der Videoschnittsoftware Premiere anbieten. Nicht für Windows 98, Windows ME, Windows 2000 und nicht für alle anderen Microsoft-Systeme. Und erst recht nicht für Mac-OS X. Das trifft vor allem jene Mac-Besitzer hart, die der Adobe-Software über die Jahre die Treue gehalten haben und sich zum Beispiel von dem dilettantischen Videoimport der Versionen 6 und 6.5 nicht abschrecken ließen.

Wer den Marktanteil von Windows XP ansieht, muss an der Weitsicht der Adobe-Bosse zweifeln: Derzeit läuft Windows zwar auf rund 90 Prozent aller Rechner, doch davon wiederum nutzen bestenfalls 10 Prozent Windows XP (Stand: April 2003, Quelle: Microsoft/Yankee Group). Das sind zwar immer noch deutlich mehr als Mac-OS-X-Nutzer, doch die Frage ist noch nicht entschieden, welches Betriebssystem in den kommenden Monaten das größte Wachstum hinlegt: Windows XP oder Linux oder Mac-OS X? Sowohl die Marktforscher von IDC als auch die Kollegen von Gartner Group sehen nämlich Linux als Gewinner in den Verkaufscharts der nächsten Monate an.

Aber wir wollen nicht nur in die Kristallkugel schauen. Lassen wir David Trescott von Adobe zu Wort kommen: "Wenn Apple eine Software anbietet, wird der Markt für andere Entwickler deutlich kleiner. Wir werden das noch häufiger erleben - Apple bietet neue Software an, deshalb wenden sich andere Entwickler neuen Märkten zu." Das ist zwar keine Erklärung, aber Apple hat dennoch bereits darauf reagiert: "Es gab niemals bessere Gründe für unsere Kunden zu Final Cut Pro zu wechseln, vor allem jetzt nach der Vorstellung des Power Mac G5 und den Verbesserungen, die Final Cut Pro 4 bietet." Das kann man getrost als billige Retourkutsche bezeichnen.

Was aber sicherlich für alle Mac-Besitzer von Interesse ist, ist die Großwetterlage zwischen Adobe und Apple. Die hat sich offenbar etwas im vergangene Jahr etwas verschlechtert (man erinnere sich zum Beispiel an Golive 6, das unter Windows mehr Funktionen bietet als unter Mac-OS 9/X), doch bei einigen entscheidenden Produkten bietet Adobe noch immer Interessantes: In Kürze wird Photoshop 8 für Mac-OS X erwartet und wer sich heute Acrobat 6 Professional oder After Effects 6 ansieht, kann mit der Arbeit der Adobe-Entwickler ganz zufrieden sein. Hoffen wir einfach, dass Premiere für Windows XP sich nicht so optimal verkauft, wie Adobe sich das denkt. Denn dann werden die selben Adobe-Bosse, die jetzt die Entscheidung gegen den Mac getroffen haben, möglicherweise eine neue Version für Linux anbieten. Und diese Version auf Mac-OS X zu konvertieren, sollte wenig Aufwand bedeuten.

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