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Kabel Deutschland steigt ins Bezahlfernsehen ein

27.09.2004 | 16:20 Uhr |

Nach der geplatzten Übernahme von drei Konkurrenten will Deutschlands größter Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland (KDG) jetzt dem Bezahlsender Premiere Konkurrenz machen.

«Erstmalig wird das existierende Pay-TV-Monopol von Premiere gebrochen», sagte KDG-Chef Roland Steindorf am Montag in Unterföhring bei München. KDG stellte ein digitales TV-Paket vor, das insgesamt 30 Sender enthält. Das Angebot reicht von einem «Playboy»- Kanal bis zu einem Wettersender. Bis Ende des Jahres will das Unternehmen rund 300 000 digitale Abos verkaufen. Schwarze Zahlen solle der Bereich in vier bis fünf Jahren erreichen.
Der Platzhirsch Premiere reagierte gelassen auf die neue Konkurrenz. «Wir freuen uns, dass mit der Kabel Deutschland ein zweites großes Unternehmen in die Vermarktung des digitalen Fernsehens einsteigt», sagte Premiere-Chef Georg Kofler der dpa. Für den Wettbewerb sei Premiere gut gewappnet. So habe man im Filmbereich Exklusiv-Verträge mit allen großen Hollywood-Studios und die attraktivsten Sportrechte.
Kabel Deutschland verfügt nach eigenen Angaben über 10 Millionen Kabelanschlüsse in Deutschland und ist damit unumstrittener Marktführer. In der vergangenen Woche scheiterte die Übernahme der drei einzigen Konkurrenten an Bedenken des Kartellamts. Das Unternehmen erwirtschaftete im vergangenen Jahr mit rund 2400 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 1,1 Milliarden Euro.
In dem neuen digitalen TV-Paket sind 30 Spartensender enthalten. Interessierte Kabelkunden von KDG müssen für das Paket neun Euro im Monat zahlen. Eigene Sender gibt es zum Beispiel für Science-fiction- Fans ebenso wie für Segler. Bislang habe Kabel Deutschland einen dreistelligen Millionenbetrag in digitales Fernsehen investiert, sagte Steindorf. Er kündigte weitere Millioneninvestitionen in Werbung für das TV-Paket an.
Das digitale Angebot des Kabelnetzbetreibers soll in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden. Zunächst sei Platz für «ein paar Dutzend» zusätzliche Kanäle, danach müssten analoge in digitale Kanäle umgewandelt werden, betonte KDG-Manager Manuel Cubero. Die digitale Verbreitung stehe dabei allen Sendern offen. Bislang werden die frei empfangbaren Privatsender wie RTL oder Sat.1 nicht digital über das Kabelnetz verbreitet.

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