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Kampf um die Bandbreite

20.10.1999 | 00:00 Uhr |

Im kalifornischen Silicon Valley haben die Internet-Benutzer in der Regel keine Sorgen mit mangelnder Internet-Bandbreite. Während sich in den vergangenen Monaten noch die meisten Privatanwender mit ihrem 56K-Modem in das Internet eingewählt haben, findet derzeit eine starke DSL-Migration statt.

Zahlreiche Telefongesellschaften wie Pac Bell oder GTE bieten nicht nur die DSL-Technik, mit der Anwender mit bis zu 20Facher Modemgeschwindigkeit im Netz der Netze surfen können, sondern fungieren auch noch als Internet Service Provider. Das sorgt für starke Konkurrenz und drückt die Preise erheblich. Als Privatanwender bekommt man bereits für rund 70 Mark monatlich einen Internet-Zugang. Im Gegensatz zum TDSL der deutschen Telekom rechnen die US-Carrier mit einem monatlichen Pauschaltarifs ab. Zusätzliche Kosten entstehen dem Anwender nicht. Dieser bekommt dafür eine statische IP-Adresse und ist damit mit seinem Rechner im Internet ständig erreichbar.

ADSL, SDSL und Kabel

Die meisten Provider bieten die auch von der deutschen Telekom verwendete ADSL-Variante der Digital Subscriber Line (DSL) an. Damit bekommt man in der Regel eine Bandbreite von 768 Kilobit pro Sekunde (Kbps) beim Empfangen und 384 Kbps beim Senden. Das ADSL-Modem schlägt einmalig mit rund 500 Mark zu Buche, das jedoch die meisten Provider bei langfristigen Verträgen kostenlos anbieten.

Damit der Umstieg vom 56K-Modem auf ADSL funktioniert, sollte man nicht weiter als 3 bis 5 Kilometer von einem lokalen Einwahlknoten entfernt sein. Da diese Infrastruktur nicht überall gegeben ist, bieten die Telefongesellschaften und Internet Provider neben ADSL auch SDSL an. Damit werden im Silicon Valley auch Randgebiete für den Hochgeschwindigkeitszugriff erschlossen. SDSL ist rund doppelt so teuer wie ADSL, bietet dafür die gleichen Geschwindigkeiten beim Senden und Empfangen. Der Internet Service Provider Internetconnect verlangt etwa für eine 384-Kbps-Verbindung im Monat knapp 280 Mark. Die Auftragsflut ist so stark, dass man rund fünf bis sieben Wochen auf seinen Anschluss warten muss. Gegenüber Macwelt sagte der Internetconnect-Mitarbeiter Brad Kunze, dass man froh sein kann, innerhalb von sechs Wochen einen der begehrten SDSL-Anschlüsse zu bekommen.

Insbesondere bei den ADSL-Verträgen muss man jedoch vorsichtig sein. Die häufig offerierten 768 Kbps beim Zugriff auf das Internet erreicht man in der Regel nicht, da sämtliche Leitungen mehrfach überzeichnet sind. In diesem Fall verkaufen die Provider mehr Bandbreite als sie tatsächlich haben. William Yates, Chef des kalifornischen Providers Safemail, geht etwa davon aus, "dass die meisten Provider ihre Leitungen achtfach überzeichnen". Abhilfe schaffen dann teurere Business-Verträge, die "nur" noch vierfach überzeichnet sind.

Wem ADSL oder SDSL zu langsam oder zu überlaufen ist, der wendet sich im Silicon Valley an einen Kabel-Netz-Betreiber. Diese bieten in der Regel für rund 40 bis 60 Dollar im Monat eine noch höhere Bandbreite als ADSL. TV-Kabel-Betreiber wie Falcon Cable arbeiten derzeit am Ausbau ihres Kabelnetzes für den Internet-Zugriff. Falcon will etwa am 1. Mai 2000 mit einem konkurrenzfähigen Angebot zahlreiche ADSL-Umsteiger gewinnen.

Vor dem Boom

Der DSL- und Kabel-Boom geht nach Meinung zahlreicher Experten erst im nächsten Jahr richtig los. Derzeit betreut etwa SBC Communications, die größte US-Telefon-Company, rund 100.000 DSL-Kunden in 13 US-Bundesstaaten. Die rund neun Millionen SBC-Kunden machen von DSL derzeit keinen Gebrauch. Die Marktforscher von SBC gehen jedoch von einem gewaltigen Kunden-Ansturm im nächsten Jahr aus und bauen ihre DSL-Kapazitäten weiter aus. Das Unternehmen will in den nächsten drei Jahren rund sechs Milliarden US-Dollar in den Ausbau seiner DSL-Leitungen investieren und damit 35 Millionen US-Haushalte erreichen.

Martin Stein, leitender Redakteur und US-Korrespondent Macwelt

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