2215030

Kapitalrückführung: Tim Cook will faire Steuern

16.08.2016 | 11:22 Uhr |

Apple generiert fast zwei Drittel seiner Umsätze außerhalb der USA. Tim Cook erklärt im Interview mit der Washington Post, warum Apple das in Irland geparkte Vermögen nicht in die USA zurückführt.

Apple hortet ein Barvermögen von rund 200 Milliarden US-Dollar, das meiste davon auf Konten in Irland. Dadurch ergibt sich der nur scheinbare Widerspruch, dass das Unternehmen Kredite aufnehmen muss, um seinen Aktionären Dividenden auszuzahlen. Doch kommen Zins und Tilgung dafür Apple wesentlich günstiger als die Rückführung des Vermögens in die USA, wie Tim Cook in einem ausführlichen Interview über seine fünf ersten Jahre als Apple-CEO der Washington Post erklärt. Denn das US-Finanzministerium würde 35 Prozent Unternehmenssteuer erheben, weitere fünf Prozent würden die Bundesstaaten, in denen Apple ansässig ist, im Schnitt verlangen. Eine Besteuerung von 40 Prozent sei daher nicht fair. Tim Cook gibt zu, dass Apple hier eine Unzulänglichkeit in der Steuergesetzgebung ausnutze, das Geld im Ausland zu behalten sei vom Gesetz aber gedeckt und vollkommen legal. Cook widerspricht auch dem Vorwurf, es sei "unpatriotisch", die im Ausland erzielten Gewinne in die USA zurückzuführen und dort zu versteuern: "Das ist das gegenwärtige Steuergesetz. Es ist keine Frage, ob man patriotisch ist oder nicht. So läuft das nicht: Je mehr du zahlst, desto patriotischer bist du."

Apple habe zudem nicht gezielt nach einer Steueroase gesucht, sondern nehme eben viel Geld im Ausland ein. Gegen eine Steuerreform habe man nichts einzuwenden, Cook zeigt sich optimistisch, dass der US-Kongress das in den kommenden Jahren anpacken sollte. Der aktuelle Wahlkampf könnte indes die Sache beschleunigen. Während der Kandidat der Republikaner Donald Trump die Unternehmenssteuer pauschal auf 15 Prozent senken wolle, will seine Gegnerin Hillary Clinton nach Anreizen suchen, um die Kapitalflucht ins Ausland zu verhindern. US-Unternehmen haben insgesamt um die zwei Billionen US-Dollar offshore geparkt.

In dem Interview spricht Tim Cook aber auch über die Erfolge der letzten fünf Jahre , etwa den Ausbau der Retail-Präsenz in China – vor fünf Jahren hatte Apple dort nur vier Stores, jetzt sind es 41. Cook verrät zudem, dass Warren Buffet ihm dazu geraten habe, den Aktionären über Aktienrückkäufe und Dividenden etwas von ihrem Geld zurück zu geben. Über künftige Produkte kann Cook nur Andeutungen machen ("Die Leute lieben Überraschungen") oder die generelle Richtung der Entwicklung benennen: Künstliche Intelligenz schreibe man bei Apple ganz groß.

Cook beschreibt zudem, dass er als CEO nicht nur ein abgehobener Mann der Zahlen sein möchte, sondern nah am Kunden. Ihn habe überrascht, wie er schon bald nach der Übernahme des Postens vor fünf Jahren zahlreiche Mails von Mac- und iPhone-Nutzern bekommen habe, mit Lob und Kritik. Apples Firmenphilosophie sei es, ein durchgängiges Nutzererlebnis zu bieten, von daher werde man auch das Unternehmen nicht in mehrere voneinander unabhängige Sparten unterteilen, wie das bei anderen Firmen dieser Größenordnung ist. Die kleinen Teams könnten so einen besseren Austausch untereinander haben.

Selbstkritisch gesteht Cook ein, mit seiner ersten Personalentscheidung habe er einen Fehler begangen. Der als Retail-Chef geheuerte John Browett habe aber einfach nicht in die Unternehmenskultur gepasst, weswegen man diesen Fehler schnell korrigieren mussten.

Interessant ist aber auch der Einblick in die FBI-Affäre aus dem Frühjahr . Als die Behörde von Apple eine Hintertür in iOS forderte, um das iPhone des Attentäters von San Bernardino zu entsperren, habe man das bei Apple ausführlich diskutiert, ob das überhaupt ginge. Das Ergebnis: Ja, Apple wäre in der Lage gewesen, eine Backdoor für das FBI zu programmieren, habe aber aus Gründen der Sicherheit davon abgesehen. Denn eine solche Technik hätte man nicht verborgen halten können, so wären auch andere in die Lage gekommen, die Inhalte von gesperrten iPhones abzugreifen. Apple wollte nicht hunderte Millionen von Geräten derartigen Risiken aussetzen, weswegen die Entscheidung gegen das FBI fiel.

0 Kommentare zu diesem Artikel
2215030