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Karstadt.de Music: Kein Herz für Apple

04.04.2003 | 12:10 Uhr |

Seit gestern ist der neue Musik-Download-Shop von Karstadt.de online. Wer sich für die neue Vertriebsform jenseits von nicht ganz legalen Tauschbörsen interessiert, muss sich allerdings mit Rechner und Betriebssystem hunderprozentig zum Microsoft-Imperium bekennen.

Über 150 000 Songs von mehr als 8500 Künstlern - mit diesen beeindruckenden Zahlen bewirbt Karstadt.de derzeit den eigenen neuen Musik-Download-Service. Einzelne Chartbreaker schon für 99 Cent zum herunterladen, ein monatliches Abonnement für 100 Streams oder 50 Downloads gibt es bereits für Taschengeld-freundliche 6,99 Euro.

Insgesamt eine interessante Sache, wären da nicht die Softwareeinschränkungen. Apple-Benutzer sind von diesem speziellen Shop-Bereich generell ausgeschlossen, denn als potenzieller Käufer muss ein beliebiges Windows (bis auf NT), mindestens Internet Explorer 6.0 sowie der Windows Media Player 8.0 auf dem eigenen Rechner installiert sein. Mac-OS hat bereits beim Shop-Eingang keine Chance, eine unmissverständliche Fehlermeldung klärt über die Must-haves aus Redmond auf. Aber auch ein Windows-XP-Rechner mit Mozilla als Standardbrowser darf keine Musik online shoppen - aus welch technischen Gründen auch immer.

Lizenz-Wirrwarr

Herzstück des neuen Karstadt.de-Angebots ist ein proprietäres System der britischen Softwarefirma OD2, zu dessen Gründern auch Ex-Genesis-Frontmann Peter Gabriel zählt. Als Kunde von Karstadt muss der User einen speziellen Download-Manager einsetzen, der die gekauften Songs automatisch von den OD2-Servern auf den Benutzer-Rechner kopiert. Als Musikformat setzt OD2 auf das mit Digital Rights Management (DRM) ausgestattete Windows Media Audio ein. Gekaufte Musikstücke versieht OD2 durch ein spezielles Lizenzsystem (ebenfalls von Microsoft) mit den entsprechenden Nutzungseinschränkungen. Im Klartext: Ein Song ist an einen Rechner gebunden und lässt sich auf einer fremden Hardware nicht mehr abspielen.

Wer sich die digitale Musik auf einen MP3-Player oder eine CD kopieren möchte, muss beim Kauf des Titels etwas tiefer in die Tasche greifen. Abonnenten können sich mit barer Münze das eigene Credit-Konto aufladen und diese im Shop gegen Songs einlösen. Ein aktuelles Liedgut von beispielsweise Depeche Mode kostet 10 Credits. Diese Version ist aber nicht zum Brennen freigegeben - für diese unbegrenzte Nutzung zieht Karstadt gleich 100 Credits ab. Alternativ darf auch ohne Musik-Abo geshoppt werden, im vielen Fällen ist bei den angegeben Einzelpreisen (in Euro) das Brenn-Recht allerdings nicht enthalten.

Und es gibt noch eine weitere Einschränkung, die sich erst bei genauerem Hinsehen offenbart: Kopier- und Brenn-Rechte gelten nur für eine bestimmte Zeit. Wieder am Beispiel eines Songs von Depeche Mode: In der Version für 1,70 Euro darf der Käufer den Titel uneingeschränkt auf dem PC mit dem Windows Media Player abspielen, allerdings nur für drei Tage nach Kaufdatum auf eine CD brennen oder auf einen MP3-Player mit Lizenzverwaltung kopieren. Solche Abspielgeräte müssen mit dem Windows Media Player (Version 9) kompatibel sein. Sind sie es nicht - wie Apples iPod, selbst in der Windows-Version - ist die Übertragung auf dieses Medium grundsätzlich ausgeschlossen.

Keine Bedienung für Apple

In den offiziellen FAQs (Frequently Asked Questions) des neuen Karstadt-Musik-Shops gibt es auch einen Abschnitt über Apple-Computer. Dort wird das Digital Rights Management von Microsoft in der Version 7 als Sicherheitsstandard propagiert, auf den sich die "meisten Musikfirmen" geeinigten haben. Und leider gibt es noch keinen Windows Media Player für Apple-Rechner, der das fragliche DRM unterstützt. In der aktuellen Media Player Version 8.1 für Mac-OS X ist lediglich DRM 1.3 implementiert - ob und wann Microsoft den Multimedia-Player aktualisiert, steht bisher aber in den Sternen. ds

Info: Microsoft Media Player for Mac Info: On Demand Technology (OD2) Info: Karstadt.de

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