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Kartellamt billigt Internet-Markt der großen Automobilkonzerne

26.09.2000 | 00:00 Uhr |

Der Internet-Marktplatz der großen Automobilkonzerne kann sein weltweites Milliarden-Geschäft aufnehmen. Nach den US- Behörden billigte auch das Bundeskartellamt die Gründung des E- Commerce-Unternehmens Covisint . Es gebe zur Zeit "keine hinreichenden Anhaltspunkte für eine Verletzung des Kartellverbots", begründete Kartellamtspräsident Ulf Böge am Dienstag in Bonn die Entscheidung.

Das Gemeinschaftsunternehmen Covisint ist eine Internet-Plattform, die von den marktmächtigen Automobilherstellern DaimlerChrysler, Ford und General Motors unter Beteiligung von Renault/Nissan gebildet werden soll. Diese Unternehmen kaufen allein jährlich weltweit für 300 Milliarden US-Dollar Teile und anderes Material ein. Auf die fünf Konzerne entfällt etwa die Hälfte der weltweiten Autoproduktion.

Das Kartellamt habe in der fusionsrechtlichen Entscheidung keine marktbeherrschende Stellung von Covisint feststellen können, hieß es von der Behörde. Covisint werde mit einer Reihe von B2B-Plattformen im Wettbewerb stehen. Auf den Kfz-Markt seien keine wettbewerblich bedenklichen Rückwirkungen ersichtlich.

Der Zugang zu dem Internet-Marktplatz werde allen interessierten Kreisen offen stehen und diskriminierungsfrei gestaltet sein, teilte die Wettbewerbsbehörde mit. Eine Bündelung des Einkaufs der beteiligten Automobilhersteller sei nicht beabsichtigt. Die Plattform werde der gesamten Automobilindustrie, einschließlich der Zulieferer, zur Verfügung stehen und Produkte in den Bereichen Beschaffungswesen, Zuliefermanagement und Produktentwicklung anbieten.

Inzwischen haben mehr als 25 große Automobilzulieferer ihre Teilnahme an dem Online-Markt zugesagt. Viele Firmen zögern aber noch, da sie Preisdruck von Covisint und den Autokonzernen erwarten. An dem Internet-Marktplatz sind auch die Internetfirma Commerce One und das Softwareunternehmen Oracle beteiligt.

Covisint beschäftigt zur Zeit 200 Mitarbeiter und hat seinen Sitz in der Nähe von Detroit. Ein Börsengang im kommenden Jahr ist denkbar. Einige Experten erwarten durch eine kostengünstigere Teile-, Material- und Dienstleistungsbeschaffung über Covisint Ersparnisse von bis zu 1.000 Dollar je Auto. Andere Fachleute halten solche Erwartungen für übertrieben.

Das Kartellamt habe seine Entscheidung in engem Kontakt mit der amerikanischen Wettbewerbsbehörde FTC getroffen, sagte Böge. Er kündigte an, die Entwicklung von Covisint weiterhin genau zu beobachten, um den Wettbewerb auch in Zukunft zu sichern. dpa/ab

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