954639

„Kein Kavaliersdelikt“

30.08.2006 | 16:10 Uhr |

439 Millionen CDs wurden im letzten Jahr privat kopiert, das zumindest behauptet der Bundes-verband der Phonographischen Wirtschaft. Was die Industrie im Kampf gegen CD-Kopierer und Internet-Tauschbörsen plant, darüber unterhielten wir uns mit Geschäftsführer Peter Zombik

Herr Zombik, die Musikbranche durchlebt im Pirateriezeitalter der neuen Medien ihre bislang größte Krise. Als Grund hört man immer wieder, die Plattenfirmen hätten zu Beginn durch ihre Trägheit einfach den Anschluss verpasst und seien deshalb schlichtweg selbst Schuld an der Misere.

Diesen Vorwurf müssen wir uns in der Tat häufiger anhören. Sie müssen dabei aber bedenken, dass es die Technologie erst seit Ende der 90er Jahre gibt. Wir haben in Deutschland damals als weltweit erstes Land bereits zeitgleich ein On-Demand-Angebot mit der deutschen Telekom entwickelt. Ein legales Angebot unterscheidet sich von einem illegalen ganz fundamental: Sie müssen die entsprechenden Lizenzen erwerben und die Verträge mit den entsprechenden Rechteinhabern auf diesen neuen Verwertungsbereich hin ergänzen. Weil das Tausende von Künstler sind, nimmt das natürlich Zeit in Anspruch. Außerdem müssen Sie Abrechnungsstrukturen schaffen, die in der Lage sind, diesen neuen Vertriebs- und Distributionsweg vernünftig abzubilden. Dieser ganze Prozess der Vorbereitung ist für ein legales Unternehmen äußerst aufwändig und zeitraubend. Ein Pirat dagegen macht nichts anderes, als eine Technik ins Netz zu stellen. Er fragt niemanden, bezahlt niemanden, schafft keine Infrastruktur und bietet einfach illegal an. Der Tonträgerindustrie Verschlafenheit vorzuwerfen, halte ich deswegen für einen unangemessenen Vorwurf.

Ihre Anstrengungen scheinen nun endlich zu fruchten. Die Downloadabsätze stiegen im 1. Halbjahr 2006 um 36%. Ist die große Krise also überwunden?

Ich denke, dass sich der Online-Bereich in der Tat etabliert hat und weiter deutlich wachsen wird. Aber wir haben es unverändert mit einer dramatischen Flutwelle von Piraterie zu tun, gerade im Internet. Trotz der Erfolge, die wir gegen illegale Anbieter und Tauschbörsen erzielt haben, lässt sich das Segment noch immer mit einer siebenköpfigen Hydra vergleichen. Wer bei einem illegalen Anbieter einen Song für 0 Euro erwerben kann, findet natürlich auch den relativ geringen Alternativpreis von durchschnittlich 99 Cent pro Song nicht gerade attraktiv. Ohne diese ständige Verführung zum Illegalen würde das legale Online-Angebot natürlich deutlich schneller wachsen können als in einem Umfeld, in dem illegale Quellen nur einen Mausklick entfernt weiter sprudeln und noch immer Endverbrauchern die falsche Vermutung suggerieren, dass sie ja ohnehin nicht entdeckt werden.

0 Kommentare zu diesem Artikel
954639