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Kein Schwindel: WinExposé

12.01.2004 | 16:09 Uhr |

Es setzte einen Teil der Mac-Gemeinschaft in Aufregung, als im Internet vor wenigen Tagen eine neue Site namens "WinExposé" auftauchte, eine Kopie der Fensterverwaltung des Panther. Kann, ja darf es so etwas geben?

Diebstahl geistigen Eigentums? Reiner Schwindel? Oder die geniale "Portierung" einer Funktionalität, die man so bisher nur Mac-OS X ab Version 10.3 zugetraut hatte? Denn praktisch jeder war überzeugt: So etwas funktioniert nur auf Grundlage der Quartz-Engine, die für ihre spektakulären Darstellungen auf Betriebssystemebene direkt auf die Grafikkarte zugreift.

Dementsprechend gab es im Internet in verschiedenen Foren und Weblogs zunächst vor allem Spekulationen darüber, dass das Ganze ein Schwindel sei. Oder dass die Rechtsanwälte des Mac-Herstellers bereits am Werke wären. Auch wir erhielten auf unsere Anfragen bezüglich des Hintergrundes und einer Testversion zunächst keine Antwort. Doch auf eine erneute Nachfrage kam die Reaktion des WinExposé-Entwicklers einschließlich eines Zip-Files mit Programm und Lizenzschlüssel. Es konnte also losgehen!
Und siehe da: Installation und die Ausführung des Programms funktionieren tatsächlich problemlos auf unserem Testrechner, einem PC mit 2,8 GHz HT-Taktrate, 512 MB RAM Arbeitsspeicher sowie einer relativ schlichten 128-MB-Nvidia-Geforce-5200-Grafikkarte. Als Betriebsversion lassen wir Windows XP laufen, WinExposé soll aber bereits ab Windows 98 (jedoch laut Anbieter mit Einschränkungen) sowie mit Windows ME harmonieren.

Da guckst du - es klappt!

Die Überraschung: Im Betrieb klappt es mit WinExposé praktisch genauso wie man es von Mac-OS X her gewohnt ist, wobei man jeweils mit der Windows-Taste und einer Zahl von 1-3 den Überblick erhält: Win + 1 = Anzeige aller geöffneten Fenster; man klickt auf das gewünschte Fenster, das sich dann wieder im Vollbildmodus aufbaut. Win + 2 = Anzeige aller geöffneten Fenster des aktiven Programms; Win + 3 = Minimieren aller Fenster und direkter Zugriff auf den Desktop. Die Tasten sind frei konfigurierbar, außerdem lassen sich analog zum Apple-Betriebssystem Fensterecken definieren, die dann ebenfalls die gewünschte Funktionalität auslösen, wenn man mit der Maus in diese Ecke fährt. Insgesamt gelingt das auch alles hervorragend - mit der Einschränkung, dass es selbst auf unserem recht aktuellen Rechner wesentlich "zäher", jedenfalls bei weitem nicht so geschmeidig wie auf einem adäquaten Mac läuft: Beim Aufbau zur Anzeige der verschiedenen Fenster ruckelt die Animation doch spürbar. Mag sein, dass sich dies bei deutlich mehr Arbeitsspeicher, einer leistungsfähigeren Grafikkarte oder nach einer zukünftigen Optimierung des Programms verbessert. Dennoch erweist sich das Konzept schon jetzt auf einem Windows-Rechner als äußerst praktisch und schon nach kurzer Zeit als ebenso unverzichtbar wie auf einem Mac.

Keine echte Demo - aber auch kein Fake

Auf der Web-Site des Entwicklers gibt es eine eindrucksvolle Demo als animierte Flash-Datei, so dass sich jeder ein ziemlich genaues Bild von den Fähigkeiten des Programms machen kann. Eine "echte", herunter ladbare Demo freilich gibt es nicht. Wer das Programm erwerben will, muss sich mit seinen persönlichen Daten sowie seiner Kreditkartenummer auf der Site registrieren und 10 US-Dollar berappen. Nachdem wir das Programm erhalten und getestet haben können wir jedenfalls ausschließen, dass es sich dabei selbst um einen Schwindel oder "Fake" handelt. In den erwähnten Foren geschilderte Probleme bei der Registrierung und dem Kauf - manche hätten keinerlei Reaktion erhalten - führt der Anbieter auf Probleme mit den benutzten Browsern zurück. Mit dem Internet Explorer oder Netscape sollte die Bestellung anstandslos funktionieren.
Nicht alle Fragen ließen sich bei unserem Kontakt mit dem Entwickler beantworten. Immerhin erfuhren wir, dass es sich um ein Schweizer Team handelt. Wie das Programm aber ohne so etwas wie die Quartz-Engine funktioniert oder ob sich die Rechtsanwälte von Apple schon bemerkbar gemacht hätten - dazu wollte man uns leider keine Auskunft geben...

Fazit

Wer auf seinem Windows-Desktop auf eine der attraktivsten Funktionalitäten des neueren Mac-OS X nicht verzichten will, braucht dies nun auch nicht mehr: Zumindest solange Apples Rechtsabteilung die Kreise von WinExposé nicht stört, ist man- einen entsprechend leistungsfähigen PC vorausgesetzt - für knapp 10 US-Dollar auch auf seiner "Dose" mit von der Exposé-Partie.

Info: WinExposé

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