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Kein iPhone bleibt zurück

24.09.2014 | 15:53 Uhr |

Einige iPhones sterben nie: sie landen in einem vierstöckigen speziellen Einkaufszentrum in Shenzhen, wo sie täglich stapelweise verkauft werden.

Die chinesische Stadt Shenzhen ist bekannt für ihre gigantischen Fabriken, die Millionen glänzender neuer Apple-Geräte ausspucken. Beim Großhändler auf der anderen Seite der Stadt sind die iPhones jedoch deutlich abgenutzter. Hier findet sich ein Teil von Chinas riesigem Graumarkt, der Millionen Menschen mit iPhones versorgt, die sich kein neues leisten können.

 „Man muss vorsichtig sein, was man kauft, da man es nicht umtauschen kann,“ warnt ein chinesischer Händler mit dem Namen Yuan, der durch das Einkaufszentrum läuft und nach einem guten Angebot eines weißen iPhone 4S sucht. Er ist einer von hunderten Käufern, die hierher kommen, um alte Telefone zu kaufen, sie aufzubessern und an Chinesische Kunden weiter zu verkaufen.

 

Eine Händlerin im Einkaufszentrum begutachtet ihren Vorrat an iPhones
Vergrößern Eine Händlerin im Einkaufszentrum begutachtet ihren Vorrat an iPhones

Viele der Telefone haben gesprungene Displays oder verkratze Gehäuse, aber im Einkaufszentrum – eines von mehreren in der Gegend – gibt es viele Anbieter, die die Telefone reparieren. Man sieht dutzende Stände, die sich auf die Reparatur von iPhones spezialisiert haben, während andere die Displays und Gehäuse aufbessern. Einige verkaufen sogar Verpackungen für das iPhone, inklusive Kartons, Kopfhörern und Ladegeräten.

Viele Chinesen sind noch immer Geringverdiener, insbesondere diejenigen, die im Landesinneren leben. Deshalb sind ältere Modelle wie das iPhone 4 so beliebt. Yuan sagt, er verdiente etwa 100 Dollar am Tag mit Telefonen, die er in seinem nahegelegenen Laden aufbessert. „Ich bessere vor allem die Gehäuse auf,“ sagt er.

 

Ältere iPhones können ebenfalls eingetauscht werden
Vergrößern Ältere iPhones können ebenfalls eingetauscht werden

Eine Händlerin namens Lu erzählt, sie verkaufe überholte iPhone 4S in großen Mengen für 1000 Yuan oder ungefähr 160 US-Dollar. Ein anderer verkauft erneuerte Displays für das iPhone 5 für 170 Yuan (28 Dollar). Im gesamten Gebäude wimmelt es von iPhones. Sie liegen in Stapeln zu jeweils zwölf Geräten, manche eingewickelt in Plastik, andere zusammengehalten mit Gummibändern. Es ist so gut wie jedes Modell vertreten und sie kommen aus den USA, Japan und Korea. Die Händler möchten nicht darüber sprechen, wie sie an die alten Geräte gelangen. Aber ein Elektronik-Verkäufer im benachbarten Hongkong erzählt, er kaufe gebrauchte iPhones von der lokalen Bevölkerung und verkaufe sie an Läden in Shenzhen.

 

Stapel alter verpackter iPhones
Vergrößern Stapel alter verpackter iPhones

Einige stammen auch von Firmen in den USA, die sich auf den Ankauf gebrauchter Geräte spezialisiert haben. Einer dieser Online-Anbieter, Gazelle, behauptet man habe Gadgets, darunter auch iPhones, im Wert von 180 Millionen US-Dollar gekauft. Die Firma verkauft 70 Prozent der erworbenen Geräte an Großhändler und etwa die Hälfte der gebrauchten iPhones landen auf Wachstumsmärkten. „Apple ist eine gefragte Marke auf der ganzen Welt und die Nachfrage durch Konsumenten ist extrem hoch auf allen Märkten,“ erklärt Gazelle in einer E-Mail.

 

Potentieller Kunde mit einem gebrauchten iPhone
Vergrößern Potentieller Kunde mit einem gebrauchten iPhone

Der Weiterverkauf von iPhones kann sehr lukrativ sein. Das Einkaufszentrum „Open World Communication City“ in Shenzhen liegt im Distrikt Huaqiangbei, der viele Käufer aus der ganzen Welt anzieht. Sie kommen hierher, um günstige Geräte und Bauteile einzukaufen. Unter den Geschäftsleuten sind wohl auch einige fragwürdige Gestalten. Anfang des Jahres veröffentlichte eine Person, die behauptete in dem Einkaufszentrum gearbeitet zu haben, Bilder im Internet, auf denen zu sehen ist wie Händler ein iPhone 5 aufbereiten, damit es wie ein iPhone 5S aussieht.

Draußen vor dem Einkaufszentrum versammelten sich vor ein paar Tagen Leute an der Tür. Dort warte jemand in einem Brief vor den Behörden, die kurz davor stünden gegen die illegalen Geschäfte im Einkaufszentrum vorzugehen. Der Brief kam vermutlich von einem anonymen Behördenmitarbeiter und beinhaltete die Aufforderung 750.000 Yuan auf sein Bankkonto zu überweisen, um der Strafverfolgung zu entgehen.

 

Yuan weist darauf hin, dass das Geschäft im Einkaufszentrum von Shenzhen öffentlich stattfindet und die Besitzer der Stände den Managern des Gebäudes bis zu 10.000 Yuan pro Monat bezahlen, um dort ihr Geschäft betreiben zu dürfen. Doch die Händler bleiben unter sich und einzelne Kunden sind nicht besonders willkommen. „Die Leute hier reden nicht mit dir, außer du kennst das Geschäft,“ sagt Yuan.

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