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Keine Panik, wenn blutroter Regen fällt

07.04.2016 | 14:54 Uhr |

Die Autowaschanlagen dürften am Wochenende Hochkonjunktur spüren: Am Freitag fällt Sahara-Staub aus den Wolken.

Alle reden vom Wetter - wir jetzt auch. Aber die Wetterlage für den Freitag dieser Woche ist auch zu interessant, um darüber zu schweigen. "Blutregen" - das Stichwort haben Sie sicher schon in den Schlagzeilen der Publikationen mit großen Buchstaben oder in aufgeregten sozialen Netzen gelesen. So schlimm wird es aber auch wieder nicht, was da unter Umständen etwas gelb-rötlich gefärbt vom Himmel fällt ist nichts weiter als kondensierte Luftfeuchtigkeit, die durch eine von der Sahara herbei gewehte Staubwolke zu Boden gefallen ist.

Mag sein, dass morgen die gelb blühenden Narzissen plötzlich orange aussehen und Ihr Auto so, als ob es dringend einen Besuch in der Waschanlage bräuchte - ansonsten ist der Niederschlag völlig harmlos. Ihre Wäsche werden Sie bei dem Sauwetter (Niederschlag bei 5 Grad Celsius und ungemütlichem Wind) kaum draußen zum Trocknen aufhängen. Den "Blutregen" verdanken wir einem Wetter, das im Schnitt dreimal jährlich in Mitteleuropa herrscht. Es muss auch einiges zusammenkommen: Ein Tiefdruckgebiet über der Wüste, das den Sand gewissermaßen in die Atmosphäre saugt, eine über längere Zeit anhaltende Luftströmung, die den Staub über das Mittelmeer und die Alpen weht und schließlich zur richtigen Zeit Regen. Nun hatten wir in den letzten Tagen sogar schon die ersten Sommertage bei einer stabilen Südwestwetterlage gehabt, jetzt dreht der Wind auf nördliche Richtungen und bringt mit kalter Luft den Regen.

Wesentlich häufiger bläst der Wind Sand aus der Sahara aber als Passat über den Atlantik in das Amazonasgebiet. Dort ist er nicht einmal ein Ärgernis für Autobesitzer, sondern überlebensnotwendig für den immer noch größten Regenwald der Erde. Seine Mineralien bezieht der artenreiche Lebensraum per Luftpost aus der afrikanischen Wüste.

Dem Soundtrack für den morgigen Blutregentag muss natürlich Peter Gabriel mit "Red Rain" beisteuern, dem Opener seines 1986er-Albums "So". Um Saharastaub geht es in dem Song freilich nicht: Aber wenn es regnet, dann freuen wir uns. Wenn wir uns nicht freuen, regnet's ja auch.

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