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"Keiner kauft Windows Media Files"

06.11.2006 | 10:29 Uhr |

Der iPod-Herausforderer Zune kommt und hinterlässt schon bereits vor seiner Ankunft eine Schneise der Verwüstung. Hersteller Microsoft hat sich fest vorgenommen, es Apple dieses Mal gleich zu machen: Bevor er sich in neuem Outfit und mit Einheitsfrisur zeigt, müssen erst einmal die alten Zöpfe weg.

Microsoft Zune
Vergrößern Microsoft Zune

So lässt Microsoft laut News.com bereits am 14. November den MSN Music Store fallen - ein anonymer Branchenkenner glaubt den Grund dafür zu kennen: "Keiner kauft Windows Media Files", erklärt er Macworld UK . In die Bresche springt vorübergehend MTVs URGE - der Standardshop im eben erschienenen Windows Media Player 11. Doch schon in wenigen Tagen dürfte URGE zum ungeliebten Konkurrenten werden.

Microsofts Hardware-Partner dürften über die Entscheidung Microsofts nicht glücklich sein, wenn nicht sogar entsetzt: In Redmond stehen alle Zeichen auf Zune und das Interesse an "PlayForSure" ist beinahe schon verschwunden - die Kampagne versprach MSN Music Store-Käufern die (fast) freie Auswahl unter einer Vielzahl von MP3-Playern. Der Plan, den Microsoft für die Zukunft hegt, ist so einfach wie riskant: Apple, folgert CEO Steve Ballmer nach dem zigfachen Scheitern vermeintlicher iPod-Killer, hat nur aus einem Grund die Nase derart weit vorn: Steve Jobs hatte den richtigen Riecher, als er iTunes Store und iPod untrennbar aneinander band. Nun will der Microsoft-Chef Jobs den Ball abluchsen und setzt erstmals auf haargenau die gleiche Masche: Der Zune-Player läuft mit keiner WMA-Datei, die Microsoft bislang verkauft hat, und Musik aus dem kommenden Zune-Store wird auch auf keinem anderen Player laufen. Dass Titel aus dem MSN-Store und der dazu inkompatible Zune von der gleichen Firma kommen, wird hoffentlich keiner merken - auf der eben ans Netz gegangenen Zune-Seite taucht der Name Microsoft vielleicht auch deshalb nur im Kleingedruckten auf. Bunt statt einfarbig weiß macht Zune den Musikmarkt, suggeriert eine Flash-Animation auf Zune.com - den Teufel mit dem Beelzebub austreiben, finden andere. Michael Gartenberg von Jupiter Research schreibt in seinem Blog : "Zwar haben wohl nicht besonders viele Leute Musik im MSN Music Store eingekauft, es sieht aber so aus, als steckten sie jetzt in der Klemme. Wenn sie jetzt anfangen, bei Zune zu kaufen, müssen sie ein neues Zune-Gerät kaufen und können die Musik, die sie bereits haben, nicht mitnehmen. Wenn sie zu Rhapsody [von Real] gehen, wird neues Zeug, das sie kaufen, wahrscheinlich auch nicht auf den Geräten laufen, die sie schon besitzen." In Europa stellt sich die Situation noch verzwickter da: Zune soll dort nicht vor Ende 2007 starten ( wir berichteten ), weil der Hersteller erst in den USA die Reaktion des Marktes abwarten will. Wenn international kein Sturm losbricht, bevor in Amerika gerade mal ein Lüftchen weht. Gartenberg schließt: "Das zeigt die Probleme, wenn man sich in einem Krieg der Formate fürs falsche Format entscheidet, vor allem wenn eines der Format mehr als 75 Prozent Marktanteil hat. Ich frag mich, wie viele dieser Leute am Ende weder zu Real noch zu Zune wechseln werden und einfach einen iPod kaufen."

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